ESC 2026 Typ-2-Diabetes: Statine sind mit einem geringeren Demenzrisiko assoziiert31. August 2026 Symbolbild © Nur/stock.adobe.com Der frühe Beginn einer Statintherapie nach der Diagnose eines Typ-2-Diabetes ist mit einem geringeren Demenzrisiko assoziiert; dies ergab eine Studie, die auf dem ESC-Kongress 2026 vorgestellt und in der Fachzeitschrift „The Lancet Regional Health – Europe“ veröffentlicht wurde. Es wird erwartet, dass die Krankheitslast durch Demenz mit der Alterung der Bevölkerung zunehmen wird. Mangels wirksamer Behandlungsmöglichkeiten kommt der Prävention eine besondere Bedeutung zu. Laut der Lancet-Kommission ließen sich theoretisch fast die Hälfte aller Demenzfälle durch die Beseitigung von 14 Risikofaktoren verhindern. „Die Erkennung und Behandlung hoher Werte von Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin (LDL-C) ab der Lebensmitte ist ein solcher Risikofaktor“, erklärte der Studienautor Dr. Tummas Ternhamar vom Universitätskrankenhaus Kopenhagen (Dänemark). Er wies darauf hin, dass dies für Patienten mit Typ-2-Diabetes von besonderer Bedeutung sein könnte, da erhöhte LDL-C-Werte bei diesen Personen häufig vorkommen und Diabetes selbst einen bekannten Risikofaktor für kognitiven Abbau und Demenz darstellt. LDL-Cholesterin als beeinflussbarer Risikofaktor „Wir stellten die Hypothese auf, dass der frühe Beginn einer Therapie mit LDL-C-senkenden Statinen nach der Diagnose von Typ-2-Diabetes mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden sein könnte“, berichtete Dr. Ternhamar. „Wir untersuchten dies in einer großen landesweiten Studie und nutzten dabei Analysemethoden, die eine randomisierte kontrollierte Studie nachahmen, um einige der für Beobachtungsstudien typischen Verzerrungen zu minimieren“, fügte er hinzu. Anhand dänischer Register wurden 132.585 Personen identifiziert, die zuvor keine Statine eingenommen hatten und bei denen im Zeitraum von 2006 bis 2019 Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurde; die Nachbeobachtung erfolgte bis Ende 2021. Die Krankenakten wurden auf Diagnosen von Demenz jeglicher Ursache hin durchsucht. Zur Analyse der Demenzinzidenz wurde ein „Clone-Censor-Weight“-Design verwendet. Dabei wurden drei Gruppen verglichen: Patienten ohne Statintherapie innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose, Patienten mit frühem Beginn der Statintherapie (innerhalb eines Jahres) und Patienten mit spätem Beginn (zwischen einem und fünf Jahren nach der Diagnose). Geringeres Demenzrisiko bei früher Behandlung Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,1 Jahren entwickelten 2,7 Prozent der Patienten eine Demenz. Im Vergleich zu Patienten ohne Statintherapie war eine frühe Behandlung mit Statinen über einen Zeitraum von zehn Jahren mit einem um 15 Prozent geringeren relativen Demenzrisiko verbunden. Ein später Beginn der Statintherapie ging mit einem um 10 Prozent geringeren relativen Demenzrisiko über zehn Jahre einher. Die Ergebnisse waren bei Frauen und Männern ähnlich. Dr. Ternhamar fasste zusammen: „Bei Personen, die an Typ-2-Diabetes erkrankten, waren Statine mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden – wobei dieser Effekt bei einem frühen Behandlungsbeginn am stärksten ausgeprägt war. Statine scheinen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes zu selten eingesetzt zu werden, obwohl ihre kardiovaskulären Schutzwirkungen gut belegt sind. Unsere Ergebnisse liefern einen weiteren potenziell wichtigen Grund dafür, sicherzustellen, dass Patienten mit Typ-2-Diabetes und hohen LDL-Cholesterinwerten rechtzeitig eine Statintherapie erhalten.“ Prof. Isabel Goncalves, Mitglied des Kommunikationsausschusses der ESC, kommentierte: „Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ohnehin ein höheres Demenzrisiko; ihnen wird geraten, ihren Cholesterinspiegel zu senken, um das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall zu verringern. Die vorliegende Studie deutet darauf hin, dass der Beginn einer Statintherapie kurz nach der Diagnose Typ-2-Diabetes auch mit einer moderaten Senkung des Demenzrisikos einhergehen könnte – und zwar mit einem größeren Nutzen, als wenn die Behandlung hinausgezögert wird. Da Statine weit verbreitet und kostengünstig sind, sind diese Ergebnisse potenziell von Bedeutung. Da es sich jedoch um eine Beobachtungsstudie handelte, lässt sich damit nicht beweisen, dass Statine Demenz verhindern. Die Ergebnisse sollten daher weitere Forschungsarbeiten anstoßen und als Grundlage für Gespräche zwischen Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzten dienen.“ (lj/BIERMANN)
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