Typ-2-Diabetes – Therapie mit dualer Rezeptorstimulation20. Februar 2019 © jarun011 – fotolia.com Eine Substanz, die sowohl den GIP- als auch den GLP-1-Rezeptor stimuliert, könnte eine neue therapeutische Option in der Behandlung des Typ-2-Diabetes sein. Der duale GIP- und GLP-1-Rezeptoragonist LY3298176 war bei Patienten mit schlecht eingestelltem Typ-2-Diabetes mit einer besseren Glukosekontrolle und einem stärkeren Gewichtsverlust assoziiert als der selektive GLP-1-Rezeptoragonist Dulaglutid, und dies mit akzeptablem Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil. In einer doppelblinden, randomisierten Phase-II-Studie erhielten 316 Patienten über 26 Wochen entweder 1-mal wöchentlich eine Spritze mit LY3298176 in den Dosierungen 1 mg, 5 mg, 10 mg oder 15 mg oder Dulaglutid (1,5 mg) oder ein Placebo. Der Effekt von LY3298176 auf den HbA1c erwies sich als dosisabhängig und erreichte kein Plateau. In der LY3298176-Gruppe sank der HbA1c ausgehend von der Baseline um 1,06% (1 mg), 1,73% (5 mg), 1,89% (10 mg) bzw. 1,94% (15 mg), verglichen mit -0,06% unter Placebo. Im Vergleich zu Dulaglutid (-1,21%) veränderte sich der HbA1c unter LY3298176 um 0,15% (1 mg), -0,52% (5 mg), -0,67% (10 mg) bzw. -0,73% (15 mg). Nach 26 Wochen hatten 33–90% der Patienten in der LY3298176-Gruppe das HbA1c-Ziel von <7,0% (vs. 52% unter Dulaglutid und 12% unter Placebo) und 15–82% das HbA1c-Ziel von <6,5% erreicht (vs. 39% unter Dulaglutid und 2% unter Placebo). Die Nüchternglukose sank in der LY3298176-Gruppe um 0,4–3,4 mmol/l (vs. 0,9 mmol/l unter Placebo und -1,2 mmol/l unter Dulaglutid) und das Körpergewicht um 0,9–11,3 kg (vs. -0,4 kg unter Placebo und -2,7 kg unter Dulaglutid). Das Gesamtcholesterin veränderte sich in der LY3298176-Gruppe um 0,2 bis -0,3 mmol/l (vs. 0,3 mmol/l unter Placebo und -0,2 mmol/l unter Dulaglutid). HDL- und LDL-Cholesterin unterschieden sich nicht zwischen LY3298176 und Placebo. Die Veränderungen der Triglyzeridkonzentration reichten von 0 bis -0,8 mmol/l (vs. 0,3 mmol/l unter Placebo und -0,3 mmol/l unter Dulaglutid). 13 (4%) von 316 Patienten hatten 23 schwere Komplikationen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Übelkeit, Diarrhö und Erbrechen. Die Inzidenz war dosisabhängig (23,1–66,0% vs. 42,6 % unter Dulaglutid und 9,8% unter Placebo). Die meisten Ereignisse waren mild bis moderat und vorübergehend. Am zweithäufigsten war verringerter Appetit (3,8–18,9% vs. 5,6% unter Dulaglutid und 2,0% unter Placebo). Schwere Hypoglykämien wurden nicht berichtet. Fazit Der duale GIP- und GLP-1-Rezeptoragonist LY3298176 zeigte eine signifikant bessere Wirksamkeit hinsichtlich Glukosekontrolle und Gewichtsverlust als Dulaglutid mit einem akzeptablen Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil. Die kombinierte Stimulation von GIP- und GLP-1-Rezeptoren könnte eine neue therapeutische Option bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes darstellen, so das Fazit der Studienautoren. (nec) Autoren: Frias JP et al. Korrespondenz: National Research Institute, Los Angeles, CA, USA Studie: Efficacy and safety of LY3298176, a novel dual GIP and GLP-1 receptor agonist, in patients with type 2 diabetes: a randomised, placebo-controlled and active comparator-controlled phase 2 trial Quelle: Lancet 2018;392(10160):2180–2193. Web: www.thelancet.com/journals/lancet
Mehr erfahren zu: "Retinitis pigmentosa: Therapie lässt blinde Menschen einfache Objekte wahrnehmen" Weiterlesen nach Anmeldung Retinitis pigmentosa: Therapie lässt blinde Menschen einfache Objekte wahrnehmen Eine Gentherapie kombiniert mit einer Spezialbrille kann Menschen mit Retinitis pigmentosa, einer schweren erblichen Netzhauterkrankung helfen, wieder einfache visuelle Eindrücke wahrzunehmen.
Mehr erfahren zu: "Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt" Wie Optogenetik in Bonn zur Netzhautforschung beiträgt Der Medizin-Nobelpreis würdigt in diesem Jahr die Entwicklung der Optogenetik. Auch in Bonn wird diese Methode eingesetzt, um menschliche Netzhautzellen zu erforschen und neue Ansätze für die Behandlung degenerativer Netzhauterkrankungen […]
Mehr erfahren zu: "Medizin-Nobelpreis geht an zwei Deutsche und einen US-Forscher" Medizin-Nobelpreis geht an zwei Deutsche und einen US-Forscher Für ihre Forschung zur gezielten Veränderung von Zellen erhalten ein Berliner und ein Würzburger Forscher sowie ein US-Amerikaner den diesjährigen Nobelpreis für Medizin/Physiologie.