Medizin-Nobelpreis geht an zwei Deutsche und einen US-Forscher

Abbildung: J-L Flémal – BE/stock.adobe.com

Für ihre Forschung zur gezielten Veränderung von Zellen erhalten ein Berliner und ein Würzburger Forscher sowie ein US-Amerikaner den diesjährigen Nobelpreis für Medizin/Physiologie.

Prof. Peter Hegemann (Institut für Biologie, Humboldt-Universität Berlin), Prof. Georg Nagel (Lehrstuhl für Physiologie, Universität Würzburg) und Prof. Karl Deisseroth (Stanford University) werden für ihre Entdeckungen im Bereich lichtgesteuerter Ionenkanäle und Optogenetik ausgezeichnet, wie das Karolinska-Institut in Stockholm mitteilte. Die Forscher erhalten jeweils ein Drittel des Preisgeldes von umgerechnet insgesamt rund einer Million Euro. 

Optogenetik in der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung

Als Optogenetik bezeichnet man ein Verfahren, mit dem sich Zellen – meist Neuronen – mithilfe von Licht präzise an- oder abschalten lassen. Sie stellt eine Verbindung von Genetik und Optik dar: durch das Einbringen lichtempfindlicher Proteine und die präzise Lichtstimulation. Zum Tragen kommt die Optogenetik insbesondere in der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung. Mit ihrer Hilfe lässt sich untersuchen, welche Nervenzellen bei einem bestimmten Verhalten eine Rolle spielen oder wie neuronale Netzwerke Informationen verarbeiten. Die Optogenetik kann auch dazu dienen herauszufinden, welche Nervenbahnen bestimmte Funktionen steuern.

Hegemann und Nagel entdeckten das Protein Channelrhodopsin, das Zellen empfindlich für Licht macht. Deisseroth setzte das Gen für dieses Protein in Neuronen von Ratten ein. Dadurch konnte er diese Nervenzellen mit Licht aktivieren.

Preisgeld kürzlich angehoben

Die bedeutendste Auszeichnung für Mediziner ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund einer Million Euro. Die Nobelstiftung hatte das Preisgeld erst kürzlich auf zwölf Millionen Kronen angehoben. „In diesem Jahr feiern wir das 125-jährige Bestehen des Nobelpreises. Aus diesem Anlass freuen wir uns, das Preisgeld um eine Million erhöhen zu können“, erklärte die Geschäftsführerin der Nobelstiftung, Hanna Stjärne, dazu im September. Der Betrag wurde seit der ersten Verleihung im Jahr 1901 schon mehrfach angepasst.

Im vergangenen Jahr ging der Nobelpreis für Medizin an Mary Brunkow, Fred Ramsdell (beide USA) und Shimon Sakaguchi (Japan). Ausgezeichnet wurden ihre Entdeckungen zur peripheren Immuntoleranz, die verhindert, dass das Immunsystem dem Körper schadet. 

125 Jahre Nobelpreis: Der erste ging an einen deutschen Bakteriologen

Vor dem diesjährigen Preis haben seit 1901 insgesamt 232 Menschen den Medizin-Nobelpreis erhalten, darunter 14 Frauen. Der erste ging an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung einer Therapie gegen Diphtherie. 

Mit dem Medizin-Preis startete der jährliche Nobelpreis-Reigen. Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Es folgen die für Literatur und für Frieden. Die Reihe der Bekanntgaben endet am kommenden Montag mit dem von der schwedischen Zentralbank gestifteten Wirtschaftsnobelpreis.

Die feierliche Übergabe aller Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896). Bereits am 30. September waren in Stockholm die diesjährigen Träger des Right Livelihood Awards bekanntgegeben worden, der gemeinhin als Alternativer Nobelpreis bezeichnet wird.