Überleben in Deutschland1. Dezember 2020 Prof. Dr. Stephan Schubert (l.) hat die neue Herzklappe mit dem Katheter implantiert. Herzchirurgin Dr. Ute Blanz (Mitte) operierte den Patienten, als er elf Jahre alt war. Foto: © Anna Reiss Erstmals hat das Team von Prof. Stephan Schubert am Zentrum für angeborene Herzfehler des Herz- und Diabeteszentrum NRW einem Patienten mit angeborenem Herzfehler eine spezielle Herzklappe mit einem Herzkathetereingriff ersetzt. Dem jungen Mann haben die Bad Oeynhausener Herzspezialisten damit eine große Operation erspart – und bereits zum zweiten Mal das Leben gerettet. Weihnachten spielt in einem Land wie Afghanistan, das zu 99 Prozent muslimisch geprägt ist, so gut wie keine Rolle. Fragt man den gebürtigen Afghanen A. N. aber nach seinem größten Wunsch, gibt es für ihn nur eine Antwort: „Ich wünsche mir so sehr, dass meine Ehefrau zu mir kommen darf.“Seit drei Jahren ist er verheiratet. Seit mehr als einem Jahr hat er seine Frau nicht mehr gesehen. „Aufgrund meines angeborenen Herzfehlers werde ich niemals dauerhaft in Afghanistan leben können“, sagt der junge Mann, der aus dem Kundusgebiet stammt und jetzt im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, eine neue Herzklappe erhalten hat. „Unser Patient teilt das Schicksal von etwa 300.000 Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler, die in Deutschland leben“, bestätigt Schubert, Direktor der Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler am HDZ NRW. „Sie sind Zeit ihres Lebens auf eine differenzierte medizinische Nachversorgung angewiesen.“ Das ist in Afghanistan leider nicht möglich.Im Alter von fast zwölf Jahren kam der Junge dank einer Hilfsorganisation für herzkranke Kinder zu Pflegeeltern nach Deutschland. Im Juni 2003 sprach er kein einziges Wort deutsch. A. erinnert sich noch gut an den Aufenthalt im Bad Oeynhausener Kinderherzzentrum. „Es gab hier eine Mitarbeiterin aus Afghanistan, die mich oft besucht und bei Übersetzungen geholfen hat.“ Der erste operative Eingriff in Bad Oeynhausen rettete sein Leben. „Das war damals eine große Herzklappenoperation mit Einsatz der Herz-Lungenmaschine“, sagt Kinderherzchirurgin Dr. Ute Blanz. 2003 hat sie dem schwerkranken Jungen seine seit der Geburt fehlgebildete Trikuspidalklappe in einer aufwändigen und risikoreichen Operation durch eine biologische Herzklappenprothese ersetzt.Diese Herzklappe hat A. 17 Jahre lang kaum Probleme bereitet. Erst in diesem Frühjahr wurde sein Herz zunehmend schwächer, Herzrhythmusstörungen kamen hinzu. Er bekam Luftnot und konnte sich nicht mehr belasten. „Generell sind biologische Herzklappen nur begrenzt haltbar, meist sind die Klappensegel durch Gewebeveränderungen in der Funktion eingeschränkt oder zerstört“, erläutert Schubert. Als A. von den Ärzten in seiner heutigen Heimatstadt erfuhr, dass er erneut operiert werden müsse, stand für den jungen Mann fest: „Ich will unbedingt wieder nach Bad Oeynhausen.“Im Vergleich zu einem Wechsel der Klappe, d.h. einer Operation mit Einsatz der Herz-Lungenmaschine, ist der Klappenersatz mit dem Herzkatheter ein inzwischen etabliertes und für den Patienten schonenderes Verfahren. Seine Erfahrung auf diesem Gebiet brachte Schubert vom Deutschen Herzzentrum Berlin nach Bad Oeynhausen mit. „Der im Herzkatheterlabor durchgeführte Ersatz einer Trikuspidalklappe kommt nicht so häufig vor und war tatsächlich eine Premiere für unser Zentrum für angeborene Herzfehler.“ Zugleich ist A.s Krankengeschichte ein schönes Beispiel dafür, wie sehr Patienten mit angeborenem Herzfehler vom medizinischen Fortschritt der vergangenen 20 Jahre profitieren.Denn schon wenige Tage nach dem Eingriff darf A. die Klinik wieder verlassen, voller Hoffnung auf ein Wiedersehen mit seiner Frau. „Dass ich am Leben bin, verdanke ich der Hilfe für kranke Kinder in meinem Heimatland und den Herzspezialisten in Bad Oeynhausen.“
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