Überlistetes Immunsystem schützt vor Herzinfarkt und Schlaganfall

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Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen haben in Kooperation mit Tübinger Kollegen einen neuen Ansatz zur Verhinderung von Schlaganfällen und Herzinfarkten aufgrund von Thromben gefunden. Sie konzentrieren sich dabei auf den Komplement-Rezeptor C3aR, der zum angeborenen Immunsystem gehört.


Das Wissenschaftler-Team fand heraus, dass Herzinfarkt-Patienten aktivere Blutplättchen haben, die zudem häufiger mit dem Rezeptor C3aR ausgestattet sind. „Deshalb neigen sie auch eher zu Blutgerinnseln“, erklärte Prof. Christoph Kleinschnitz, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen. „Diese Blutpfropfen wiederum können Herzgefäße verschließen und damit einen Herzinfarkt auslösen.“

Deshalb haben die UDE-Forscher C3aR im Labor genetisch ausgeschaltet mit der Folge, dass es im Modell zu „kleineren“ Schlaganfällen mit schwächeren neurologischen Ausfällen kam. „Außerdem traten weniger Blutgerinnsel und kleinere Entzündungsherde auf“, so Kleinschnitz: „Das sind vermutlich die entscheidenden Faktoren, warum die Schlaganfälle kleiner und die Ausfälle weniger stark waren.“ Vergleichbare Beobachtungen konnten auch die Tübinger Forscher im Labor machen: Herzinfarkte fielen im Modell schwächer aus.

Die Forscher hoffen nun, dass man C3aR gezielt blockieren kann und so einen neuen therapeutischen Ansatz gewinnt, um Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern zu können. Die ersten pharmakologischen Untersuchungen dazu laufen bereits.

Originalpublikation:
Sauter RJ et al.: A Functional Relevance of the Anaphylatoxin Receptor C3aR for Platelet Function and Arterial Thrombus Formation Marks an Intersection Point Between Innate Immunity and Thrombosis.
Circulation, 25. Mai 2018