UKR setzt neues Verfahren bei Lungenembolien ein25. Januar 2022 Samuel Sossalla im Herzkatheterlabor des UKR. Foto: © UKR/Vincent Schmucker Als erstes Krankenhaus außerhalb der USA setzte das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) bei der Behandlung von Lungenembolien auf ein neuartiges Katheterverfahren. Die Regensburger Mediziner konnten dadurch nun schon mehreren Patienten das Leben retten. Er hatte sprichwörtlich Glück im Unglück. Eigentlich sollte Martin Berger (Name geändert) aufgrund seiner Herzschwäche ein Defibrillator implantiert werden. Er war bereits im Herzkatheterlabor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR für den Eingriff vorbereitet. In dem Moment, als die Narkose eingeleitet werden sollte, versagte sein Kreislauf, so dass er reanimationspflichtig wurde. Völlig unabhängig von dem geplanten Eingriff stellten die Ärzte eine Lungenembolie fest. „Im Normalfall würde der Patient bei einer Lungenembolie ins CT zur Diagnosesicherung gebracht und bei dieser Dramatik mit einer Lysetherapie, also mit starken Blutverdünnern, versorgt werden“, so der behandelnde Arzt Prof. Samuel Sossalla. Im Fall von Berger sei hierzu aber keine Zeit gewesen. Das rechte Herz versagte, da die Gerinnsel die Lungenstrombahn komplett verlegt hatten. Die Lysetherapie sei noch im Herzkatheterlabor eingeleitet worden, blieb jedoch erfolglos. Während bei dem Patienten beständig Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt wurden, entschied sich Sossalla für ein Verfahren, das die Klinik zum damaligen Zeitpunkt erst einmal durchgeführt hatte und zuletzt überhaupt nur in den USA Anwendung fand: Mittels eines speziellen Katheters wurde das Blutgerinnsel in der Lunge abgesaugt. Alternativer Therapieansatz: Absaugen statt verdünnen Da dieses Verfahren aktuell nicht zu den Standardanwendungen zählt, war der Katheter nicht vor Ort verfügbar, erläutert das UKR. Während Berger noch reanimiert wurde, sei das Behandlungssystem kurzfristig durch den Anbieter zur Verfügung gestellt worden. So hatte Berger doppeltes Glück im Unglück. Zum einen erlitt er die Lungenembolie, als er gerade unter ärztlicher Aufsicht war, und zum anderen war der benötigte Katheter schnell greifbar. Der Katheter, der je nach Bedarf bis zu 2 mm Durchmesser haben kann, wird über eine große Vene in der Leiste durch das rechte Herz in die Lunge geschoben. Beim Blutgerinnsel angekommen, wird der Katheter positioniert und die Verklumpung durch starken Unterdruck abgesaugt. Reicht die Absaugung nicht aus, können die Blutgerinnsel zusätzlich über ausspannbare feine Metallscheiben eingefangen und abtransportiert werden. Mögliche Alternativtherapie für ECMO-Patienten Das UKR war eigenen Angaben zufolge das erste Krankenhaus außerhalb der USA, dass dieses System eingesetzt hat. „Wir hoffen, dass dieses Verfahren künftig eine neue therapeutische Option bei schweren Lungenembolien darstellen kann“, zeigt sich Sossalla optimistisch. Am UKR werden schwerstkranke und schwerstverletzte Patienten behandelt. Viele davon benötigen eine ECMO-Therapie (extrakorporale Membranoxygenierung). Gerade bei Patienten, die diese hochkomplexe Versorgung wegen einer Lungenembolie benötigen, sind aufgrund der hohen Blutungsgefahr Therapien mit Blutverdünnern schwierig. „Die Katheterlösung wäre daher vor allem für diese Patienten eine wertvolle Alternative“, führt Sossalla aus. In der Praxis hat sich dies am UKR bereits bewährt, denn auch Patienten, die ECMO-pflichtig waren, konnte durch das Kathetersystem geholfen werden. Patient genesen Berger geht es laut UKR heute gut. Er sei ohne bleibenden Schaden entlassen worden. „Da alle gängigen Therapien der Lungenembolie ausgeschöpft waren, hätte der Patient ohne das innovative Katheterverfahren sicher nicht überlebt“, schreibt das UKR. Der Defibrillator, für den er ursprünglich stationär aufgenommen war, sei ihm ein paar Tage nach der Lungenembolie implantiert worden. Nach insgesamt zwei Wochen habe er das UKR wieder gesund verlassen.
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