Umfrage zu HNO-OPs bei Kindern: Jeder dritte operiert nicht mehr ambulant

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Obwohl in Zukunft mehr ambulant operiert werden soll und der Bedarf an HNO-Kinderoperationen nach wie vor hoch ist, führen immer mehr HNO-Ärzte keine ambulanten HNO-OPs bei Kindern mehr durch – aus wirtschaftlichen Gründen.

Eine bundesweite Mitgliederbefragung des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte (BVHNO) zeigt: Der Bedarf an HNO-OPs bei Kindern (Eingriffe an Rachen- und Gaumenmandeln) ist unverändert hoch, die Wartezeiten sind lang und immer mehr niedergelassene HNO-Ärztinnen und -Ärzte geben das ambulante Operieren aus wirtschaftlichen Gründen auf.

Der BVHNO hatte seine Mitglieder vom 20. bis 28. August 2026 online befragt. Von 3729 eingeladenen berufstätigen Mitgliedern nahmen 729 teil, das entspricht einer Rücklaufquote von 19,6 Prozent.

Lange Wartezeiten auf OP-Termine mit Folgen

Der Bedarf an OP-Kapazitäten für eine Tonsillotomie oder Adenotomie mit Einlage von Paukenröhrchen beziehungsweise die Kombination der Eingriffe ist hoch: 59 Prozent der Befragten sehen pro Quartal weiterhin 11 bis 50 Kinder mit gesicherter Operationsindikation, 31 Prozent nennen 11 bis 25 Kinder und 28 Prozent 26 bis 50.

Gleichzeitig warten Kinder heute meist ein halbes Jahr oder länger auf einen OP-Termin: 71 Prozent der Kinder müssen nach Angaben der Befragten vier Monate oder länger warten. Termine innerhalb von vier Wochen gibt es praktisch nicht mehr. Als Folgen für die Kinder nennen die Befragten vor allem eine verzögerte Sprachentwicklung (88 %) und anhaltende Hörminderung (82 %).

55 Prozent verweisen Kinder an Krankenhaus

Von den 708 Befragten, die Angaben zu ihrer persönlichen OP-Tätigkeit machten, haben 33 Prozent HNO-OPs bei Kindern vollständig aufgegeben und weitere 21 Prozent den Umfang reduziert. Rund 25 Prozent operieren weiterhin regelmäßig. Das hat direkte Folgen für die Versorgung: 55 Prozent überweisen Kinder ohne zeitnahen Termin an ein Krankenhaus, weitere 30 Prozent an einen anderen ambulanten Operateur. 73 Prozent der Befragten berichten, dass Eltern selbst nach einer Operationsmöglichkeit suchen müssen und 62 Prozent führen die konservative Behandlung fort.

Als wichtigsten Grund für die Einschränkung oder Aufgabe ihrer operativen Tätigkeit nennen 59 Prozent der 387 Antwortenden die unzureichende Vergütung der HNO-OPs bei Kindern. 18 Prozent berichten, dass ein OP-Zentrum oder Krankenhaus die OP-Möglichkeit eingeschränkt oder beendet hat. Von den 264 Befragten, die die Wirtschaftlichkeit nach EBM bewerteten, halten 91 Prozent HNO-Kinderoperationen unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für eher nicht oder nicht wirtschaftlich erbringbar.

HNO-OPs bei Kindern: Mehrheit würde bei besserer Vergütung wieder operieren

Die Umfrage zeigt deutlich, welches zusätzliche Potenzial in einer verbesserten Vergütung der OP-Tätigkeit liegt. 46 Prozent der Befragten geben an, ihre operative Tätigkeit bei einer besseren Vergütung sicher wieder aufzunehmen oder auszuweiten. Weitere 30 Prozent halten es für wahrscheinlich, dass sie ihre OP-Tätigkeit unter diesen Bedingungen wieder intensivieren würden.

Damit signalisieren insgesamt rund drei Viertel der Befragten eine grundsätzliche Bereitschaft, zusätzliche operative Kapazitäten bereitzustellen, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern. „Wenn drei von vier Praxen bereit wären, mehr zu operieren, sobald sich die Rahmenbedingungen verbessern, dann liegt der Schlüssel für kürzere Wartezeiten bei der Politik, nicht bei fehlendem Engagement der Ärzteschaft”, so Prof. Dr. Jan Löhler, Präsident des BVHNO.

In konkreten Zahlen ergibt sich daraus laut BVHNO „ein erhebliches Potenzial“: Die von den Befragten genannten zusätzlichen Kapazitäten summieren sich nach Schätzung des Berufsverbandes auf rund 30.000 Eingriffe pro Jahr. Zum Vergleich: Die aktuell operierenden Befragten erbringen zusammen 43.859 Eingriffe pro Jahr.

Das Fazit des BVNHO: Eine bessere Vergütung könnte damit nicht nur die individuelle Bereitschaft zur Übernahme zusätzlicher OP-Tätigkeit erhöhen, sondern zugleich einen relevanten Beitrag dazu leisten, vorhandene operative Kapazitäten besser auszuschöpfen und zusätzliche Eingriffe zu ermöglichen. Der Verband beklagt schon seit Jahren die unzureichende Finanzierung ambulanter HNO-Eingriffe bei Kindern.


Die vollständigen Ergebnisse der BVHNO-Mitgliederbefragung finden Sie hier.