Uniklinik Ulm: Cardioband repariert undichte Herzklappe

Von links: Oberarzt Dr. Sinisa Markovic, der Patient, Dr. Leonhard Schneider und Oberärztin PD Dr. Mirjam Keßler. Fotoquelle: Universitätsklinikum Ulm/Matthias Schmiedel

Erstmals ist im Universitätsklinikum Ulm bei einem betagten herzkranken Patienten eine undichte Herzklappe erfolgreich mittels einer neuen OP-Methode therapiert worden. Der OP-Eingriff fand am schlagenden Herzmuskel minimal-invasiv statt.

Für Jochen L. (Name geändert, d. Red.) besteht sein Rentnerglück darin, mit seinem Hund Gassi zu gehen oder einfach nur auf einer Bank sitzend den Lebensabend zu genießen. Für den Rentner waren aber selbst solche kleinen Glücksmomente in der Vergangenheit selten. Denn er litt an einer altersbedingten Trikuspidalklappeninsuffizienz. Erstmals wurde in der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Ulm nun bei Jochen L. eine neuartige OP-Methode vom Herzklappen-Team um Dr. Sinisa Markovic und PD Dr. Mirjam Keßler angewendet.

„Das neue Verfahren verschließt die undichten Herzklappen mit einem Band“, erläutern die beiden kardiologischen Oberärzte Dr. Sinisa Markovic und PD Dr. Mirjam Keßler. Per Katheter wurde das so genannte Cardioband aus Polyester über die Leistenvene bis zum Herzen gebracht. Das Band wurde bei Herrn L. am Trikuspidalklappenring mit 17 Edelmetallschrauben fixiert. Nach der Verankerung aller 17 etwa sechs Millimeter langen Befestigungsschrauben wurde es gerafft.

Durch den Zug an einem Draht, der wie eine Leine um das Band gewickelt ist, wurde die Öffnung der Trikuspidalklappe soweit verkleinert, bis sich die Klappensegel wieder berühren. „Mit Hilfe des Cardiobandes wird der Herzklappenring gerafft und so die Undichtigkeit der Klappe verringert“, beschreibt die Operateurin und Kardiologin Keßler das Prozedere. Cardioband und Schrauben verbleiben für immer im Herzen.

Damit dieser anspruchsvolle Eingriff erfolgreich verlief und die Schrauben exakt am schlagenden Herzen platziert wurden, musste die Prozedur im Röntgen durch die Operateure überwacht werden. Gleichzeitig überwachte Dr. Leonhard Schneider den Herzmuskel permanent per Echokardiographie. In der Regel dauert ein solcher Eingriff zwei bis drei Stunden.

Am 4. Oktober war die minimal-invasive Operation bei Jochen L. – nur ein paar Tage später sitzt er schon auf seiner Bettkante in der Klinik und sagt, dass es ihm viel besser geht. Er ist der erste Patient im Ulmer Universitätsklinikum, bei dem diese Methode angewandt wurde. Weltweit profitierten bislang etwa 150 Patienten mit Trikuspidalklappeninsuffizienz von der neuen Operationsmethode mit Cardioband.

Operateur Markovic skizziert die Vorteile: „Bei einem betagten Patienten besteht grundsätzlich ein hohes operatives Risiko.“ Man hätte einem Senior dieses Alters sonst nur eine medikamentöse Therapie anbieten können. Eine große Operation am offenen Herzen mit einer Herz-Lungen-Maschine wäre zu riskant gewesen. Mit dem Cardioband habe man dem Patienten wieder Lebensqualität zurückgeben können.

„Mit diesem kardiologischen Eingriff belegt die Universitätsklinik Ulm erneut, dass hier Spitzenmedizin betrieben wird. Wir gehören zu den wenigen universitären Zentren, die als erste den hochkomplexen Eingriff mit Cardioband an schwerstkranken Patienten ermöglichen“, betont Prof. Wolfgang Rottbauer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin II. Etwa jeder vierte Patient mit Trikuspidalklappeninsuffizienz könne künftig im Universitätsklinikum Ulm mit dieser neuen Methode operiert werden.