Universitätsklinikum Jena: Eigenblutserum-Therapie jetzt auch in Thüringen11. September 2017 Sabine Volkholz, Leiterin der Herstellung im Institut für Klinische Transfusionsmedizin Jena gGmbH, zeigt Ampullen mit Augenserum, das aus Eigenblut gewonnen wurde. Foto: © UKJ/Szabó Das Universitätsklinikum Jena ist nach eigenen Angaben das erste Krankenhaus in Thüringen, das Patienten mit schwersten Benetzungsstörungen des Auges eine Eigenblutserum-Therapie anbietet. Die Eigenblutserum-Therapie wird in Thüringen vom Universitätsklinikum Jena (UKJ) in Zusammenarbeit der Klinik für Augenheilkunde (Direktor Prof. Daniel Meller) und des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin Jena (IKTJ) angeboten. Da es sich bei diesem Augenserum um ein Medikament handele, so das UKJ, habe das IKTJ in einem aufwendigen Verfahren vom Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz hierzu eigens eine Herstellungserlaubnis erhalten. Einem Patienten, dessen Hornhaut auf einem Auge vor mehr als 40 Jahren durch die Explosion eines Wasserkochers so sehr zerstört worden war, dass selbst eine Hornhauttransplantation erfolglos blieb, wird im IKTJ nun alle drei Monate ein halber Liter Eigenblut abgenommen, berichtet das UKJ. Zunächst werde das Blut auf mögliche Infektionsparameter untersucht. „Dann muss das Blut zwölf Stunden im Beutel bei vier Grad ruhen, bis sich das Serum im Blut abgesetzt hat“, erklärt Sabine Volkholz, Leiterin der Herstellung im IKTJ. Anschließend werde das Serum zentrifugiert und in Miniplastikfläschchen abgepackt, die bei minus 20 Grad tiefgefroren werden müssten. Zehn Tage nach der Blutentnahme dürfe sich der Patient die sterilen Augentropfen dann stündlich geben. Eine Ampulle der Substanz (2 ml) verbrauche er pro Tag. Der 63-jährige Patient, der seit Jahrzehnten auf dem linken Auge nichts sehen konnte und unter Kopfschmerzen und Augendruck gelitten hat, bestätigt laut Mitteilung des UKJ, dass er seit der Augenserum-Therapie mit dem linken Auge wieder sehen könne, sogar räumliches Sehen sei ihm jetzt möglich. Seine Arznei muss er nach Angabe des Klinikums gefroren halten, und nur die Tagesration dürfe im Kühlschrank aufbewahrt werden. Die Augentropfen reichten für ein Vierteljahr, dann lasse der 63-Jährige wieder neue Augenserumtropfen am UKJ herstellen. Da das ganze Verfahren sehr aufwendig sei, so schränkt das Klinikum ein, bewilligten die gesetzlichen Krankenkassen die Kostenübernahme der Therapie jedoch nur in Ausnahmefällen. „Vor allem bei Patienten mit Limbusstammzellinsuffizienz der Hornhaut, also schwerer chronischer Bindehaut- und Hornhauterkrankung nach Verätzungen und Verbrennungen, bei Patienten mit Benetzungsstörungen oder schwerem Sicca-Syndrom hilft die Therapie mit dem Augenserum aus Eigenblut“, weiß Oberärztin Dr. Nicole Fuchs aus der UKJ-Augenklinik. Im Augenserum seien zum Beispiel entzündungshemmende Substanzen enthalten. Der Tränenfilm bestehe aus Wasser, Fett und öliger Substanz. „Diesen speziellen Gleitfilm können herkömmliche Augentropfen nicht so gut ersetzen wie das Eigenblutserum“, sagt Fuchs.
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