Universitätsmedizin Halle etabliert Mikroultraschall in der Prostatadiagnostik

Mikroultraschall soll hochauflösende Echtzeitbilder in der Prostatadiagnostik liefern. Quelle: Universitätsmedizin Halle

Die Universitätsmedizin Halle setzt in der Prostatadiagnostik künftig auf hochauflösenden Mikroultraschall. Das Verfahren soll eine Alternative zur Magnetresonanztomographie (MRT) darstellen.

In der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie kommt der Mikroultraschall sowohl bei der Abklärung eines konkreten Krebsverdachts als auch in der Früherkennung zum Einsatz. Das Verfahren ermögliche eine besonders präzise Beurteilung auffälliger Gewebeveränderungen, heißt es in einer aktuellen Mitteilung des Klinikums.

Mikroultraschall arbeitet demnach mit einer deutlich höheren Detailgenauigkeit als herkömmliche Ultraschallverfahren. Strukturen von etwa einem Millimeter Größe können stark vergrößert und differenziert dargestellt werden. Dadurch lassen sich auch kleinste Auffälligkeiten gezielt beurteilen. Die Untersuchung selbst dauert ohne Biopsie nur rund fünf Minuten; wird eine Gewebeprobe entnommen, mit Biopsie etwa 20 Minuten.

„Sehr präzise Beurteilung auffälliger Befunde“

„Mit dem Mikroultraschall erweitern wir die Diagnostik um ein Verfahren, das hochauflösende Echtzeitbilder liefert und uns damit eine sehr präzise Beurteilung auffälliger Befunde ermöglicht“, sagt Prof. Georgios Gakis, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie an der Universitätsmedizin Halle. „Gerade bei einem begründeten Verdacht können wir dadurch zielgerichtet vorgehen und notwendige weitere Schritte strukturiert planen.“

Ultraschalluntersuchung und – falls erforderlich – Biopsie können in einem Termin und unter lokaler Betäubung erfolgen. „Aktuelle Studienergebnisse zeigen eindeutig, dass der Mikroultraschall dem MRT bei der Erkennung klinisch relevanter Prostatakarzinome ebenbürtig ist“, hebt Gakis hervor. Eine zusätzliche MRT-Untersuchung der Prostata ist nicht notwendig. Sollte diese im Vorfeld erfolgt sein, kann die entsprechende Dateninformation sogar in den Mikroultraschall integriert werden.

Emran Etier, Oberarzt der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie, ordnet die diagnostischen Möglichkeiten ein: „Die hohe Auflösung erlaubt uns, Gewebeveränderungen differenziert in höchster Präzision darzustellen und ihre Relevanz besser einzuschätzen. Das unterstützt eine fundierte Entscheidung darüber, ob eine Biopsie erforderlich ist.“ Insbesondere für Patienten, bei denen eine MRT-Untersuchung nicht oder nur eingeschränkt infrage kommt, erweitert das Verfahren das diagnostische Spektrum.

Forschung kombiniert Mikroultraschall mit KI

Neben der klinischen Anwendung ist das Verfahren auch Gegenstand weiterer wissenschaftlicher Entwicklungen: Ab dem 1. April 2026 startet ein Forschungsprojekt zur Implementierung von KI-gestützter Analyse von Mikroultraschallbildern. Ziel ist es, die diagnostische Genauigkeit weiter zu erhöhen und die Bewertung auffälliger Befunde zusätzlich zu standardisieren. „Die Einführung des Mikroultraschalls an der Universitätsmedizin Halle ist ein wichtiger Schritt, um innovative Diagnostik in der Region verfügbar zu machen und sie zugleich wissenschaftlich weiterzuentwickeln“, kommentiert Chefarzt Gakis.

(ms)