Unkomplizierte Appendizitis: Antibiotikatherapie ist günstiger als OP

Arzt tastet den Bauch einer jungen Patientin ab. (Foto: © HENADZY – stock.adobe.com)

Die Appendektomie ist nicht nur der häufigste chirurgische Eingriff, der bei stationären Krankenhausaufenthalten von Kindern durchgeführt wird, sondern auch einer der teuersten. Eine im „Journal of the American College of Surgeons (JACS)“ veröffentlichte Studie zeigt nun, dass die ausschließliche Gabe von Antibiotika bei einer unkomplizierten Blinddarmentzündung eine kostensparende Alternative zur Operation ist.

„Wir wissen, dass die nichtoperative Behandlung der Blinddarmentzündung sicher und wirksam ist. Daher ist es also interessant zu wissen, ob die nichtoperative Behandlung auch kosteneffektiv ist. Unsere Studie trägt zur Beantwortung dieser Frage bei“, erklärte Studienmitautor Peter C. Minneci, MD, FACS, Vorsitzender der Abteilung für Chirurgie am Nemours Children’s Health in Wilmington, USA. „Diese Kostenanalyse zeigt, dass die nichtoperative Behandlung einer unkomplizierten akuten Appendizitis bei Kindern im Vergleich zu einer sofortigen Operation die kosteneffektivste Behandlungsstrategie über ein Jahr ist.“

Antibiotika versus dringende Operation

Die Analyse basierte auf einer Überprüfung der Daten von mehr als 1000 Patienten im Alter von sieben bis 17 Jahren, die zwischen 2015 und 2018 in mehreren Krankenhäusern im Mittleren Westen der USA wegen unkomplizierter akuter Appendizitis behandelt wurden. Die Eltern hatten die Wahl zwischen zwei Behandlungsstrategien – Antibiotika allein oder eine sofortige laparoskopische Appendektomie. Die nichtoperative Behandlung bestand aus einer mindestens 24-stündigen intravenösen Antibiotikagabe. Patienten, deren Symptome nicht abklangen, wurden noch im selben Krankenhaus einer laparoskopischen Appendektomie unterzogen.

Das Kostenverhältnis beider Interventionen (Kosten für den ersten Krankenhausaufenthalt, Wiedereinweisungen und ungeplante Besuche in der Notaufnahme) errechneten die Autoren auf Basus des Pediatric-Health-Information-Systems, das Daten von etwa 50 Kinderkrankenhäusern erfasst. Die von den Patienten angegebenen Werte für die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Arbeitsunfähigkeitstage (ein Maß für die Zeit, in der sie der Schule fernbleiben und Schmerzen haben) wurden 30 Tage beziehungsweise ein Jahr nach der Behandlung ermittelt. Mithilfe einer standardisierten Umfrage wurden die Kinder gefragt, wie es ihnen im täglichen Leben geht und wie sie ihre Lebensqualität einschätzen.

Für diese Analysen betrachteten die Forscher die Lebensqualitätswerte nach 30 Tagen und wandelten sie in Datenpunkte um. Die Werte für das qualitätsbereinigte Lebensjahr reichten von null bis eins, wobei eins für perfekten Gesundheitszustand und keine Probleme steht und niedrigere Werte eine Verschlechterung des Gesundheitszustands und Funktionsstörungen widerspiegeln, wobei ein Wert von null den Tod bedeutet. Ein qualitätsbereinigter Lebensjahreswert, der einen normalen Gesundheitszustand ohne Probleme anzeigt, liegt bei etwa 0,95. Die qualitätsbereinigten Lebensjahreswerte wurden für jeden Patienten ausgewertet und verglichen. Die Patienten wurden ein Jahr lang beobachtet, und die durchschnittlichen Gesamtkosten für jede Strategie wurden in Dollar 2023 berechnet.

Wichtigste Ergebnisse

Von 1068 Patienten entschieden sich 370 für eine alleinige Antibiotikabehandlung und 698 für eine dringende laparoskopische Appendektomie. Die Ergebnisse zeigen durchschnittliche Kosten von 9791 US-Dollar und 0,884 qualitätsbereinigte Lebensjahre pro Patient für die laparoskopische Appendektomie und 8044 USDollar und 0,895 qualitätsbereinigte Lebensjahre pro Patient für die nichtoperative Behandlung.

Die nichtoperative Behandlung erwies sich somit nicht nur als kostengünstiger, sondern in drei Analysen auch als effektiver, einschließlich einer Analyse unter Verwendung von Arbeitsunfähigkeitstagen und alternativen Methoden zur Berechnung der Lebensqualität und der Kosten über ein Jahr.

„Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass die alleinige Gabe von Antibiotika für Kinder sicher und wirksam ist, und dass diese Strategie auch kosteneffektiv ist“, erklärte Minneci. „Kurz gesagt, die nichtoperative Behandlung ist eine sichere und kosteneffektive Ersttherapie und eine vernünftige Alternative zur Operation.“

Die Autoren der Studie erklärten, dass als nächster Schritt die Raten des Behandlungsversagens und die Kosteneffektivität der ambulanten nichtoperativen Behandlung und der laparoskopischen Appendektomie mit Entlassung am selben Tag untersucht werden sollten.