Unkomplizierte Appendizitis bei Kindern: Antibiotika allein können auch zum Erfolg führen

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Die Appendizitis ist die häufigste Ursache für abdominale Operationen im Kindesalter. Es ist jedoch auch eine nicht chirurgische Behandlung möglich, wie eine Studie von Medizinern des Midwest Pediatric Surgery Consortium (USA) zeigt.

Die Autoren unter der Leitung von Dr. Peter Minneci und Dr. Katherine Deans vom Center for Surgical Outcomes Research at Nationwide Children’s Hospital in Columbus stellten fest, dass mit Antibiotika allein Kinder mit einer unkomplizierten Blinddarmentzündung erfolgreich behandeln ließen. Die Antibiotikatherapie war nach einem Jahr mit weniger Tagen, an denen die Kinder in ihrer Aktivität eingeschränkt waren, verbunden.

Von 1068 Patienten aus zehn Gesundheitszentren, die an der Studie teilnahmen, erlitten 67,1% derjenigen, bei denen zunächst nur Antibiotika verabreicht worden waren, bis zum Nachsorgetermin nach einem Jahr keine unerwünschten Nebenwirkungen. Auch war bei diesen innerhalb eines Jahres keine zusätzliche Appendektomie nötig gewesen. Patienten in der Gruppe ohne Operation waren an durchschnittlich 6,6 Tage in ihrer Aktivität eingeschränkt gewesen, verglichen mit 10,9 Tagen in der Patientengruppe mit Operation. Auch die Erziehungsberechtigten der Kinder, die ausschließlich Antibiotika erhalten hatten, hatten im Zusammenhang mit der Erkrankung an weniger Tagen ihrer Arbeit fernbleiben müssen.

Bei der aktuellen Untersuchung handelt es sich um die Erweiterung einer ersten Pilotstudie von Minneci und Deans aus dem Jahr 2015, in der laut den Autoren erstmals die Wirksamkeit und Sicherheit einer nicht chirurgischen Behandlung von Kindern mit Appendizitis nachgewiesen wurde. Die Pilotstudie hatte ergeben, dass Kinder, die aufgrund einer unkomplizierten Blinddarmentzündung in ein Krankenhaus eingeliefert wurden und bei denen man sich für eine Antibiotikatherapie entschied, ohne den üblichen chirurgischen Eingriff sicher wieder nach Hause entlassen werden konnten. Als unkompliziert galt eine Appendizitis dann, wenn das betroffene Kind mindestens seit 48 Stunden keine Bauchschmerzen hatte, die Zahl der weißen Blutkörperchen unter 18.000 lag und sich mittels Ultraschall oder Computertomographie kein Blinddarmdurchbruch feststellen ließ sowie verifiziert werden konnte, dass der Appendix höchsten 1 cm dick war und es zudem keinen Hinweis auf einen Abszess oder Kotstein gab.

„Die Patienten brauchen für die Operation eine Vollnarkose, und es besteht eine Wahrscheinlichkeit von einem bis zwei Prozent für größere und von fünf bis zehn Prozent für geringfügigere Komplikation“, erklärt Minneci. „Zudem werden die Patienten definitiv postoperative Schmerzen und Einschränkungen haben. Solche behandlungsbedingten Behinderungen spielen für Kinder eine große Rolle, weil sie Einschränkungen bei Aktivitäten bedeuten, die sich direkt auf ihre Entwicklung und Lebensqualität auswirken können – wie Schule, Sport und Ferien.“

Um möglichst genau den klinischen Alltag abzubilden, wurde in der Studie eine Entscheidungshilfe verwendet, mit der die Eltern der Patienten über die Vorteile und Risiken beider Behandlungsoptionen aufgeklärt wurden. Die Raten einer komplizierten Appendizitis waren in den beiden Behandlungsgruppen vergleichbar. Ebenso berichteten die Patienten und deren Eltern nach 30 Tagen über eine ähnliche Zufriedenheit mit der Versorgung beziehungsweise nach einem Jahr bezüglich der Lebensqualität.

Nun könne man untersuchen, wie man diese Erkenntnisse am besten weiterverbreitet, meinen die Studienautoren. Ein Umdenken bei der Behandlung von Patienten sei immer schwierig, so Deans. Momentan bestünden Unterschiede zwischen Chirurgen einerseits und Patienten und deren Eltern andererseits bei dem Verständnis davon, was ein Behandlungserfolg ist. „Chirurgen tendieren dazu, sich für Operationen zu begeistern, und eine Appendektomie ist ein bewährtes und zuverlässiges Verfahren. Einige Patienten möchten jedoch eine Operation unter allen Umständen vermeiden. Unsere Untersuchung illustriert, wie wirksam es ist, Patienten und deren Familien in der klinischen Praxis ein nicht chirurgisches Vorgehen anzubieten. So können wir uns beim Appendizitis-Management von einem Einheits-Versorgungsansatz wegbewegen und jedes Kind basierend auf individuellen Wünschen behandeln.“