Unnötige Eingriffe vermeiden – geplante DZHK-Studie untersucht, wem ein implantierter Defibrillator wirklich nutzt

Ingo Eitel leitet die geplante DZHK-Studie, die untersucht, welche Herzschwäche-Patienten von einem Defibrillator profitieren. Foto: privat

Eine geplante Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) soll überprüfen, ob Ärzte mithilfe einer Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens bereits vor der Implantation eines Defibrillators (Defi) besser beantworten können, welche Herzschwäche-Patienten von einem solchen Gerät profitieren.

Studien zeigen, dass Patienten mit einer nicht-ischämischen dilatativen Kardiomyopathie (NIDCM) mit einem implantierten Defi keinen Überlebensvorteil haben, obwohl die Pumpleistung des Herzens stark eingeschränkt ist. „Vielen Patienten profitieren von den verbesserten Medikamenten“, sagt Prof. Ingo Eitel, Direktor des Universitären Herzzentrums Lübeck und Leiter der DZHK-Studie CMR-ICD-DZHK22. Das gilt jedoch nicht für alle, denn innerhalb von fünf Jahren sterben ca. 30 Prozent von ihnen an einem durch bösartige Rhythmusstörungen ausgelösten plötzlichen Herztod.

Erhöhtes Risiko bei vernarbten Herzen

Mit der nun geplanten DZHK-Studie wollen die Forscher deshalb herausfinden, ob ein fibrotisches Herz bei NIDCM-Patienten ein zusätzliches Kriterium sein könnte, mit dem die Ärzte erkennen können, wer einen Defi benötigt. Denn die gefährlichen Herzrhythmusstörungen treten besonders bei vorliegender Fibrose auf, welche man heute mithilfe der MRT feststellen kann. In der Studie untersuchen die Ärzte alle Patienten mit einer NIDCM und einer dauerhaft stark reduzierten Pumpleistung im MRT. Patienten mit einem fibrotischem Herzen werden dann in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhält einen Defibrillator, die andere nicht. Parallel werden die Studienteilnehmer gemäß den aktuellen Leitlinien zur Herzschwäche-Therapie optimal versorgt. 760 Patienten sollen an der fünfjährigen Studie teilnehmen, die an bis zu 60 Zentren in Deutschland geplant ist.

Fehlschocks können zu Depressionen führen

„Beim implantierten Defibrillator zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine auf den einzelnen Patienten abgestimmte Therapie bei Herzschwäche ist. Denn diese Erkrankung hat viele Ursachen und wirkt sich dementsprechend unterschiedlich aus“, so Eitel. Sollte sich die Hypothese der DZHK-Wissenschaftler bestätigen, könnten unnötige Defi-Implantationen bei NIDCM-Patienten zukünftig vermieden werden und damit auch unnötige Risiken: „Ein großes Problem sind Fehlschocks, bei denen der Defibrillator ohne Grund auslöst. Sie sind psychisch sehr belastend und können den Patienten traumatisieren, sodass Angststörungen und Depressionen entstehen“, sagt Eitel. Außerdem können Komplikationen auftreten, wenn das Gerät implantiert wird oder die Batterien ausgetauscht werden müssen.“

Positive Ergebnisse der Studie würden auch die Behandlungs-Leitlinien für diese Form der Herzschwäche verändern.