Unterscheidung progressiver von nichtprogressiver fibrotischer Lungenerkrankung: Lymphozytenanteil aus BAL-Flüssigkeit lässt Rückschlüsse zu

LONDON (Biermann) – Die Identifizierung von Patienten mit Lungenfibrose, bei denen das Risiko für eine Progression besteht, kann als Leitfaden für die Behandlung dienen. Autoren einer in Großbritannien durchgeführten Studie befassten sich nun damit, den Nutzen der Kombination einer bronchoalveolärer Lavage (BAL) zur Baseline und Computertomographie (CT) bei der Unterscheidung zwischen progressiver und nichtprogressiver Lungenfibrose zu untersuchen.

Es stellte sich heraus, dass eine Lymphozytose in der BAL bei Patien­ten mit ausgedehnter Fibrose oder Muster einer gewöhnlichen interstitiellen Pneumonie (UIP) im CT selten ist. Bei Patienten ohne UIP-Muster oder mit begrenzter Fibrose war ein BAL-Lymphozytenanteil von ~25 % mit einer geringeren Progressionswahrscheinlichkeit assoziiert.

Die Ableitungskohorte bestand aus Fällen mit Lungenfibrose, bei denen im Rahmen einer diagnostischen Abklärung eine BAL erfolgte. Die Validierungskohorte rekrutierten die Forschenden prospektiv mit identischen Einschlusskriterien. Zu Beginn fanden Thorax-CT-Scans, die der Bestimmung des Ausmaßes der Fibrose und des UIP-Musters dienten, sowie die Analyse des Lymphozytenanteils in der BAL statt. Zur Definition des Krankheitsverlaufs zogen die Wissenschaftler eine jährliche Abnahme der forcierten Vitalkapazität von >10 % oder Tod innerhalb eines Jahres heran. Die multivariate logistische Regression diente ihnen zur Identifizierung der Determinanten des Ergebnisses. Die optimalen binären Schwellenwerte, bei denen das Ausmaß der Fibrose im CT und der Lymphozytenanteil in der BAL das Fortschreiten der Krankheit unterscheiden können, ermittelten sie mittels der maximalen Wilcoxon-Rank-Statistik.

BAL-Lymphozytenanteil, UIP-Muster und Fibroseausmaß waren in der Ableitungskohorte signifikant und unabhängig voneinander mit dem Fortschreiten der Krankheit assoziiert (n=240). Als binäre Schwellenwerte für einen erhöhten BAL-Lymphozytenanteil und eine ausgedehnte Fibrose bestimmten die Autoren 25 % bzw. 20 %.

Ein erhöhter BAL-Lymphozytenanteil war bei Patienten mit UIP-Muster (n=8 von 135; 5,9 %) oder mit ausgedehnter Fibrose (n=7 von 144; 4,9 %) selten. In der Validierungskohorte (n=290) zeigte sich, dass ein erhöhter BAL-Lympho­zytenanteil bei Patienten mit nicht ausgedehnter Fibrose oder keinem UIP-Muster mit einer signifikant geringeren Wahrscheinlichkeit für eine Krankheitsprogression asso­ziiert war. (sh)

Autoren: Barnett JL et al.
Korrespondenz: Anand Devaraj; [email protected]
Studie: Combination of BAL and Computed Tomography Differentiates Progressive and Non-progressive Fibrotic Lung Diseases
Quelle: Am J Respir Crit Care Med 2023;208(9):975–982
doi: 10.1164/rccm.202305-0796OC