Unterscheidung von Zöliakie und Reizdarmsyndrom: Reicht eine serologische Untersuchung aus?22. Juni 2017 © nerthuz – fotolia.com Zöliakie und Reizdarmsyndrom sind 2 unterschiedliche Erkrankungen, die jedoch ähnliche Symptome besitzen. Häufig kommt es daher zu einer verspäteten Diagnose. In den internationalen Richtlinien wird empfohlen, Reizdarm-Patienten per serologischer Untersuchung auf Zöliakie zu testen. Britische Mediziner um den Gastroenterologen Prof. Alexander C. Ford vom Leeds Gastroenterology Institute haben nun in einer großen Metaanalyse herausgefunden, dass eine solche Untersuchung womöglich gar nicht so eindeutige Ergebnisse hervorbringt. Sie schlossen für ihre Analyse insgesamt 36 Studien mit 15.256 Teilnehmern ein. Die Studien stammten aus den Medline-, Embase- oder Embase-Classic-Datenbanken und waren bis einschließlich Mai 2016 veröffentlicht worden. Berücksichtigte Tests auf Zöliakie waren jene auf Antigliadin-Antikörper (AGA), endomysiale Antikörper (EMA), Transglutaminase-Antikörper im Gewebe (tTG) sowie Zwölffingerdarm-Biopsien bei positiven Testergebnissen. Von allen Studienteilnehmern trafen auf 60,8 % (n=9275) die Kriterien für ein Reizdarmsyndrom zu. Die gepoolten Odds Ratio (OR) für positive IgA AGA, EMA und/oder tTG sowie Biopsiebefunde bei Reizdarm-Patienten vs. Kontrollen lagen bei 3,21 (95 %-Konfidenzintervall [KI] 1,55-6,65), 2,75 (95 %-KI 1,35-5,61) bzw. 4,48 (95 %-KI 2,33-8,60). Die OR stiegen allerdings nicht an, wenn es sich um Zöliakie-Fälle unter den Reizdarmsyndrom-Patienten aus nordamerikanischen Studien handelte. Auch bei populationsbasierten Studien fielen die Ergebnisse uneinheitlich aus. In allen Unterarten des Reizdarmsyndroms war die Prävalenz für die Diagnose einer Zöliakie anhand des Biopsiebefundes signifikant erhöht. Da die Ergebnisse einiger Studien heterogene seien, könne laut Ansicht der Autoren keine eindeutige Aussage getroffen werden. Insgesamt sei die Prävalenz positiver serologischer Tests und Biopsie-gestützte Zöliakie-Diagnosen unter Patienten mit Symptomen eines Reizdarmsyndroms signifikant höher, verglichen mit gesunden Kontrollen. Allerdings scheint es keinen eindeutigen Nutzen für Patienten in Nordamerika oder in niedergelassenen Praxen zu geben, schreiben sie. Autoren: Irvine AJ. et al. Korrespondenz: Prof. Alexander C. Ford, Leeds Gastroenterology Institute, St. James’s University Hospital, Leeds, Großbritannien; [email protected] Studie: Screening for Celiac Disease in Irritable Bowel Syndrome: An Updated Systematic Review and Meta-analysis Quelle: Am J Gastroenterol 2017;112(1):65–76. Web: www.nature.com/ajg/journal
Mehr erfahren zu: "Hämoglobin: Unterstützung der Lunge im Kampf gegen Grippeviren?" Hämoglobin: Unterstützung der Lunge im Kampf gegen Grippeviren? Hämoglobin kann wahrscheinlich mehr, als nur Sauerstoff durch den Körper zu transportieren: Es könnte auch Immunzellen in der Lunge helfen, Influenzaviren abzuwehren.
Mehr erfahren zu: "Termingarantie? Koalition ringt um „gesetzlich oder privat“" Termingarantie? Koalition ringt um „gesetzlich oder privat“ Für die gesetzlichen Krankenkassen sind bessere Bedingungen für Versicherte bei der Terminvergabe „überfällig“. In der schwarz-roten Koalition werden Rufe nach Änderungen dringlicher. Kommt das duale System von gesetzlicher und privater […]
Mehr erfahren zu: "Nach Ministeriumspatzer: Tabaksteuer-Gesetz tritt aus Versehen in Kraft" Nach Ministeriumspatzer: Tabaksteuer-Gesetz tritt aus Versehen in Kraft Ab 2027 sollten die Tabaksteuern steigen und das Rauchen verteuern, so dachte man. Von wegen – ein Steuergesetz gilt schon jetzt, zumindest noch. Das sei keine Absicht gewesen, heißt es […]