US-Studie: Patient ein Jahr nach weltweit erster Blasentransplantation wohlauf1. Juli 2026 Foto: © georgii/stock.adobe.com Ein Jahr nach der ersten Blasentransplantation bei einem Menschen ist der Patient wohlauf. Das berichten Forscher der University of California – Los Angeles Health Sciences (UCLA) (USA) in einer Studie. Dr. Nima Nassiri von der UCLA leitet die klinische Studie, die im Mai 2025 mit der Transplantation einer Niere und einer Blase bei einem 41-jährigen Krebsüberlebenden ihren Anfang nahm. Zum damaligen Zeitpunkt war der Patient auf Dialyse angewiesen. Er verfügte seit sieben Jahren über keine funktionierende Blase mehr. Nach diesem weltweit ersten Eingriff dieser Art kann er seine neue Blase nun uneingeschränkt nutzen. Nassiri leitet die neue Forschungsarbeit, die den Genesungsverlauf von dem Patienten an dem entscheidenden Meilenstein – sechs Monate nach der Transplantation – dokumentiert. Die Studie beschreibt nach Angaben der Forscher als erste ihrer Art den Verlauf einer menschlichen Blasentransplantation. Sie ist in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht. Stockende Genesung in der Anfangsphase Inzwischen ist der heute 43-jährige Patient wieder berufstätig und genoss sogar einen Kurzurlaub mit seiner Familie in Las Vegas (USA), berichtet die UCLA. Zudem habe er die Kiste voller medizinischer Ausrüstung hinter sich lassen können, die er bislang immer bei sich haben musste. „Ehrlich gesagt hätte ich nicht geglaubt, dass es dazu kommen würde – dass die Operation so erfolgreich verlaufen und ich aufwachen würde, ohne auch nur einen Katheter zu benötigen“, sagte der Patient. „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich wieder ein ganz normales Leben führen würde.“ Obwohl der Patient inzwischen wieder gesund ist, geriet seine Genesung in der Anfangsphase ins Stocken, wie aus der Studie hervorgeht. Am 25. Tag trat Urin aus einem Schlauch aus, der zur Blasenentleerung durch die Bauchdecke gelegt worden war. Die Stelle entzündete sich, und Nassiri operierte erneut, um das Leck zu schließen und den Schlauch zu entfernen, der als zusätzliche Absicherung neben einem neuen Katheter gedient hatte. Der Patient erholte sich rasch. Nach der Auswertung dieser Komplikation kamen Nassiri und sein Team zu dem Schluss, dass sie bei künftigen Transplantationen auf diese zusätzlichen „suprapubischen“ Schläuche verzichten können. Wissenschaftler: Fortschritte gegenüber bisheriger Behandlung Das von Nassiri und Kollegen entwickelte Transplantationsverfahren stellte laut den Forschern einen bedeutenden Fortschritt gegenüber der bisherigen Standardbehandlung für Patienten mit funktionsunfähiger Blase dar. Es handelte sich um die erste Transplantation einer Harnblase als eigenständiges, vaskularisiertes Organ mit eigener Blutversorgung. Das bislang übliche Verfahren besteht darin, eine Blase aus Darmgewebe zu formen. Diese Methode kann mit schwerwiegenden Infektionen oder stoffwechselbedingten Komplikationen einhergehen. In der neuen Studie beschreibt Nassiri, wie sein Team – angesichts der Tatsache, dass es sich um die erste Transplantation dieser Art handelte – bereits vor dem Eingriff die Erfolgskriterien festlegen musste. Nach 30 Tagen konnte der Patient 270 ml Urin halten und übertraf damit den Zielwert von 200 ml. Nach sechs Monaten lag das Fassungsvermögen bereits bei 600 ml. Dies entspricht der vollen Kapazität einer normalen, gesunden Harnblase. (ri/BIERMANN)
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