US-Studie zur SARS-CoV-2-assoziierten Sepsis: Häufiger und tödlicher als bisher angenommen4. Oktober 2023 Foto: © Zerbor/stock.adobe.com Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass SARS-CoV-2 in der Anfangsphase der COVID-19-Pandemie eine häufigere und tödlichere Ursache für eine Sepsis war als bisher angenommen. Für eine aktuell veröffentlichte Studie werteten Forschende unter der Leitung von Mitarbeitern des Brigham and Women’s Hospital (USA) elektronische Patientenakten (EHR) an fünf Krankenhäusern des Gesundheitssystems Mass General Brigham aus, um die Raten von SARS-CoV-2-assoziierter Sepsis während der COVID-19-Pandemie zu ermitteln. Das Team stellte fest, dass SARS-CoV-2 in den ersten zweieinhalb Jahren der Pandemie für etwa einen von sechs Sepsisfällen verantwortlich war. Die in „JAMA Network Open“ veröffentlichten Forschungsergebnisse lassen die Schlussfolgerung zu, dass Ärzte die Art und Weise, wie sie eine Sepsis behandeln, überdenken sollten. Gleichzeit liefert die Analyse einen Rahmen für die zukünftige Überwachung der viralen Sepsis. „Die meisten Menschen, auch Mediziner, setzen die Sepsis mit einer bakteriellen Infektion gleich“, erläutert Hauptautorin Dr. Claire Shappell von der Abteilung für Pneumologie und Intensivmedizin am Brigham and Women’s Hospital. „Dies spiegelt sich in Behandlungsrichtlinien und Maßen der Versorgungsqualität wider, die für Patienten mit Verdacht auf Sepsis eine sofortige Antibiotikagabe vorsehen. Allerdings können Virusinfektionen, einschließlich solche durch SARS-CoV-2, dieselbe fehlregulierte Immunantwort auslösen, die zu Organfunktionsstörungen führt, wie bei einer bakteriellen Sepsis.“ Bisher wurde nur vergleichsweise wenig zur durch Viren verursachten Sepsis geforscht. Um ein vollständiges und genaueres Bild von Sepsisfällen zu erhalten, wertete das Team während des Untersuchungszeitraumes EHR aus. „Bisherige Bemühungen, die Belastung durch die SARS-CoV-2-assoziierte Sepsis zu quantifizieren, waren aufgrund inkonsistenter Definitionen und das zu seltene Erkennen einer viralen Sepsis eingeschränkt“, erklärt Seniorautor Chanu Rhee von der Abteilung für Infektionskrankheiten am Brigham and Women’s Hospital. „Unsere früheren Untersuchungen haben gezeigt, dass die EHR-basierte Überwachung im Vergleich zu administrativen Datensätzen genauere Schätzungen der Sepsis-Inzidenz und -Outcomes liefern kann, aber diese Methode wurde bisher nicht speziell für die Sepsis im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 oder anderen Viren angewendet.“ Das Team quantifizierte die Inzidenz von und Mortalität aufgrund SARS-CoV-2-assoziierter Sepsis anhand klinischer Kriterien in Anlehnung an die Definition einer Sepsis-Surveillance laut dem Center for Disease Control and Prevention (CDC), die positive SARS-CoV-2-Tests und klinische Anzeichen einer Organfunktionsstörung umfassen. Mithilfe von EHR-Daten aus dem Zeitraum März 2020 bis November 2022 identifizierte das Team 431.017 Krankenhauseinweisungen von 261.595 Personen. In dieser Phase der Pandemie waren 5,4 Prozent der Krankenhauseinweisungen auf SARS-CoV-2-Infektionen zurückzuführen, und 28,2 Prozent dieser hospitalisierten Patienten litten an einer SARS-CoV-2-assoziierten Sepsis. Die Mortalitätsrate unter Patienten mit SARS-CoV-2-assoziierter Sepsis war zunächst hoch: Sie betrug 33 Prozent in den ersten drei Monaten der Pandemie. Mit der Zeit ging diese Rate jedoch zurück und näherte sich schließlich der Mortalitätsrate bei vermuteter bakterieller Sepsis an (ca. 14,5%), die während des gesamten Untersuchungszeitraumes stabil blieb. Die Studienautoren bestätigten außerdem, dass sich anhand ihrer Definition einer elektronischen Überwachung anhand des EHR-Datensatzes des Mass General Brigham Fälle von Virussepsis, die durch SARS-CoV-2-Infektionen verursacht wurden, genau identifizieren ließen. Das Design der Studie und die Nutzung von EHR-Daten bieten laut den Autoren einen Rahmen für zukünftige Forschungsarbeiten zur Sepsis im Zusammenhang mit anderen Viren, einschließlich Influenza und des Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV). Das Forschungsteam hofft, diese Methode auf größere und landesweit repräsentative Datensätze anwenden zu können, um verallgemeinerbare epidemiologische Daten zur Virussepsis angeben zu können. „Unsere Studie macht auf die Last und die schlechten Outcomes im Zusammenhang mit viraler Sepsis aufmerksam und zeigt gleichzeitig den Nutzen der Verwendung von EHR-basierten Algorithmen zur Überwachung sowohl viraler als auch bakterieller Sepsis auf“, fasst Shappell zusammen. „Wir hoffen auch, dass unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass die Sepsis keine Einheitserkrankung ist, sondern dass Ärzte ihre Diagnose und Behandlungsstrategie an das Syndrom und den wahrscheinlichen Erreger jedes Patienten anpassen müssen.“
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