USA: Transfusionsassoziiertes Alpha-Gal-Syndrom nach Zeckenstich

Bei bereits gegen Alpha-Gal sensibilisierte Empfänger der Blutgruppe 0 kann das Risiko allergischer Reaktionen erhöht sein, wenn sie Thrombozyten- oder Plasmaeinheiten der Blutgruppen B oder AB erhalten (Symbolbild: © Cherries – stock.adobe.com).

Das durch Zecken übertragene Alpha-Gal-Syndrom kann nicht nur eine Allergie gegen Säugetierfleisch und tierische Produkte verursachen, sondern offenbar auch die sichere Transfusion von Plasma oder Thrombozyten beeinträchtigen.

Das Alpha-Gal-Syndrom (AGS) ist eine schwerwiegende, durch Zeckenstiche vermittelte Allergie gegen das Kohlenhydrat-Epitop Galactose-α-1,3-Galactose (Alpha-Gal). Auslöser sind insbesondere Zeckenstiche, darunter Stiche der Lone-Star-Zecke (Amblyomma americanum). Die Allergie wird durch den Verzehr von Säugetierfleisch wie Rind-, Schweine- und Lammfleisch sowie durch weitere Produkte dieser Tiere, etwa Milchprodukte und Gelatine, ausgelöst. Eine AGS-Reaktion kann verzögert auftreten und schwere Symptome wie Urtikaria, Bauchschmerzen und Anaphylaxie verursachen.

Eine multizentrische Studie im „JAMA Internal Medicine“ legt nahe, dass das Alpha-Gal-Syndrom (AGS) bei bestimmten Patienten auch die sichere Gabe von Blutplasma- oder Thrombozytentransfusionen erschweren kann. Das Dartmouth Hitchcock Medical Center (DHMC) von Dartmouth Health in Lebanon (USA) verzeichnete in den vergangenen Jahren eine Zunahme schwerer, teils lebensbedrohlicher allergischer Reaktionen bei Patienten der Blutgruppe 0 nach Gabe von Thrombozyten- oder Plasmaeinheiten von Spendern der Blutgruppen B oder AB.

Einfluss auf zukünftige Transfusionspraxis

Die DHMC-Pathologen Dr. Nancy M. Dunbar und Dr. Richard M. Kaufman stellten die Hypothese auf, dass diese Patienten infolge von Zeckenstichen bereits Anti-Alpha-Gal-Antikörper aufweisen könnten. Krankenhäuser in Regionen mit einer höheren Konzentration von AGS-Patienten, wie das DHMC, könnten daher ebenfalls eine Zunahme allergischer Reaktionen bei Empfängern der Blutgruppe 0 beobachten, wenn diese Einheiten der Blutgruppen B oder AB erhielten. Das internationale Forschungsteam berichtet nun, dass das transfusionsassoziierte Alpha-Gal-Syndrom (TRAGS) eine potenzielle Manifestation des AGS ist und bei den Sicherheitspraktiken transfusionsmedizinischer Einrichtungen berücksichtigt werden sollte.

„Wir gehen davon aus, dass dies die Transfusionspraxis in den USA verändern wird, zumindest in Regionen mit hoher AGS-Prävalenz“, so Kaufman. „Das DHMC hat bereits aufgehört, Patienten der Blutgruppe 0 Thrombozyten der Blutgruppen B oder AB zu transfundieren, um mögliche Schädigungen dieser Patienten zu vermeiden.“

Signifikant mehr Reaktionen an neun US-Standorten

Die Studie wurde an 40 Standorten in fünf Ländern durchgeführt und umfasste die Analyse von mehr als 550.000 Thrombozyten- und Plasmatransfusionen. An den neun US-Standorten der Studie in Regionen mit hohen AGS-Prävalenzen wurden bei Empfängern der Blutgruppe 0, die Einheiten der Blutgruppen B oder AB erhielten, im Vergleich zu Empfängern der Blutgruppe 0, die Einheiten der Blutgruppe 0 erhielten, signifikant mehr allergische Transfusionsreaktionen gemeldet.

„Der Klimawandel und die daraus resultierende stärkere Ausbreitung von Zecken führen zu Erkrankungen und Symptomen, die wir zuvor nicht beobachtet haben, und wir gewinnen weiterhin in Echtzeit Erkenntnisse darüber“, so Dunbar. „Das AGS ist eine besonders faszinierende und herausfordernde durch Zecken übertragene Erkrankung, da es diese lebensbedrohliche Allergie verursacht, die der Patient zuvor nicht hatte, und wir wissen nun, dass das Risiko für AGS-Patienten mit Blutgruppe 0 noch größer ist. Wir hoffen, dass andere Krankenhäuser, insbesondere in Regionen mit hohen Zeckenpopulationen, dem Beispiel des DHMC folgen und bei Patienten der Blutgruppe 0, die eine Thrombozyten- oder Plasmatransfusion benötigen, Einheiten der Blutgruppen B und AB vermeiden. Auch wenn dies eine besonders vorsichtige Maßnahme ist, könnte sie dem Patienten das Leben retten.“ (ins)