Allergien und Asthma: Leitlinien berücksichtigen Folgen des Klimawandels8. September 2026 Symbolbild: © Wolfilser – stock.adobe.com Bei der Versorgung von Allergischer Rhinitis und Asthma unterstreichen die neuen EAACI-Leitlinien die zunehmende Bedeutung von Pollenmonitoring, Umweltprognosen und Prävention. Allergische Rhinitis und Asthma zählen heute zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und betreffen weltweit Hunderte Millionen Menschen. Ein begünstigender Faktor ist der Klimawandel, der Pollensaisons verlängert, die Pollenkonzentrationen in der Luft erhöht und Pollen möglicherweise allergener macht. Die in „Allergy“ veröffentlichten Leitlinien der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) zeigen, dass ein wirksames Allergiemanagement über die medikamentöse Behandlung hinausgeht. So gewinnen auch moderne Systeme zum Pollenmonitoring, Umweltprognosen und präventive Maßnahmen zunehmend an Bedeutung. Die neuen Leitlinien heben hervor, dass auch die Umwelt, in der Patienten leben, ein wichtiger Bestandteil des Allergiemanagements ist. Der Klimawandel führt dazu, dass viele Pflanzen früher mit der Pollenfreisetzung beginnen und diese länger andauert als noch vor wenigen Jahrzehnten. Gleichzeitig kann Luftverschmutzung die allergenen Eigenschaften von Pollen verstärken und entzündliche Reaktionen in den Atemwegen intensivieren. Experten betonen daher die Notwendigkeit, medizinisches Wissen mit Umwelt- und meteorologischen Daten zu verknüpfen. Integrierter Ansatz soll Behandlung optimieren „Die neuen EAACI-Leitlinien stellen einen wichtigen Schritt hin zu einem umfassenderen Ansatz für die Behandlung und Kontrolle allergischer Atemwegserkrankungen dar. Sie zeigen, dass sich ein wirksames Management nicht allein auf Pharmakotherapie und allergenspezifische Immuntherapie beschränken kann. Ebenso wichtig ist es, die Auswirkungen von Umweltfaktoren, insbesondere die Exposition gegenüber Pflanzenpollen, zu verringern“, erklärt Prof. Marek Jutel von der Abteilung für Klinische Immunologie der Medizinischen Universität Wrocław in Polen und Mitautor der Leitlinien. Wie Jutel hervorhebt, ist dies nicht nur für einzelne Patienten bedeutsam. „Aus Public-Health-Sicht betonen die Leitlinien die Bedeutung präventiver Maßnahmen, die ein Umweltmonitoring sowie die Zusammenarbeit von Ärzten, Aerobiologen, Meteorologen und für die öffentliche Gesundheit zuständigen Institutionen einschließen. Ein solcher integrierter Ansatz ermöglicht nicht nur eine wirksamere Behandlung einzelner Patienten, sondern auch die Verringerung der Zahl von Krankheitsverschlechterungen, die eine notfallmedizinische Intervention oder eine stationäre Behandlung erfordern.“ Pollenprognosen so wichtig wie Wettervorhersagen Bis vor Kurzem basierten Informationen zu Pollenkonzentrationen hauptsächlich auf manuellen Messungen, deren Ergebnisse erst verzögert verfügbar waren. Heute gewinnen automatisierte Messstationen zunehmend an Bedeutung, da sie Daten nahezu in Echtzeit bereitstellen. Dadurch können wesentlich präzisere Prognosen und Warnsysteme für Patienten entwickelt werden. „Der Klimawandel führt dazu, dass Pollensaisons früher beginnen und länger andauern, während viele Pflanzenarten größere Mengen an Pollen mit höherem allergenem Potenzial produzieren. In dieser Situation werden das Monitoring von Pollenkonzentrationen und der Einsatz moderner Prognosesysteme immer wichtiger, da sie eine frühzeitige Identifizierung von Zeiträumen mit erhöhter Allergenexposition ermöglichen“, erläutert Mitautorin Dr. Magdalena Żemelka-Wiącek aus Wrocław. Sie ergänzt, dass diese Informationen zahlreichen Gruppen nutzen können. Patienten können ihre täglichen Aktivitäten wirksamer planen, Maßnahmen zur Reduktion der Exposition ergreifen und die Behandlung gemäß den Empfehlungen ihres Arztes rechtzeitig beginnen. Ärzten steht ein zusätzliches Instrument zur Unterstützung therapeutischer Entscheidungen zur Verfügung, während Institutionen des öffentlichen Gesundheitswesens organisatorische und edukative Maßnahmen für Phasen mit dem höchsten Risiko frühzeitig vorbereiten können. Frühzeitige Behandlung entscheidend Die Experten weisen darauf hin, dass viele Betroffene die Behandlung erst beginnen, wenn die Beschwerden belastend werden. Die neuen Leitlinien zeigen, dass eine angemessene Vorbereitung vor der Pollensaison zu einer wirksameren Krankheitskontrolle beitragen kann. „Menschen mit Allergischer Rhinitis und Asthma sollten wissen, gegen welche Pflanzenpollen sie sensibilisiert sind, damit sie die Behandlung entsprechend ihrem individuellen Behandlungsplan rechtzeitig beginnen können. Sie sollten nicht warten, bis die Symptome voll ausgeprägt sind. Ein Behandlungsbeginn vor Beginn der Pollensaison ermöglicht häufig eine bessere Krankheitskontrolle und verringert das Risiko von Exazerbationen“, betont Jutel. Jutel verweist zudem auf den sogenannten Priming-Effekt, bei dem die Schleimhäute schrittweise empfindlicher werden, noch bevor erste klinische Symptome auftreten. In der Praxis können auch einfache Maßnahmen zur Verringerung des Pollenkontakts hilfreich sein, beispielsweise der Verzicht auf längere Aufenthalte im Freien bei hohen Pollenkonzentrationen, das Schließen von Fenstern, ein Wechsel der Kleidung nach der Rückkehr nach Hause oder das Haarewaschen. Diese Maßnahmen ersetzen jedoch weder die Behandlung noch die allergenspezifische Immuntherapie, die weiterhin die einzige Methode darstellt, mit der der natürliche Verlauf allergischer Erkrankungen beeinflusst werden kann. Eine einzelne Prognose reicht nicht aus Die Autoren betonen, dass Pollenmonitoring allein zur Risikoeinschätzung nicht ausreicht. Der Schweregrad der Symptome wird auch durch Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftschadstoffe und plötzliche Wetterereignisse wie Gewitter beeinflusst. Die Zukunft von Warnsystemen liegt daher in der Kombination von Daten aus unterschiedlichen Quellen. Solche Lösungen können insbesondere bei Episoden des sogenannten Gewitterasthmas bedeutsam sein, bei denen abrupte Wetterveränderungen zu einem starken Anstieg schwerer Asthmaexazerbationen führen können. Die Leitlinien empfehlen zudem, die Kapazitäten von Notaufnahmen und asthmaassoziierten Versorgungsstrukturen während Phasen mit dem höchsten Risiko zu stärken. Weiterhin weisen die Autoren darauf hin, dass es keine einzelne universelle Lösung für alle Patienten gibt. Jeder Mensch weist ein unterschiedliches Sensibilisierungsprofil, einen unterschiedlichen Krankheitsverlauf und eine unterschiedliche Empfindlichkeit gegenüber Umweltfaktoren auf. Sowohl die Behandlung als auch die Empfehlungen zur Verringerung der Pollenexposition sollten daher individualisiert werden. (ins)
Mehr erfahren zu: "Samenflüssigkeit kann Infektion durch Mpox-Viren begünstigen" Samenflüssigkeit kann Infektion durch Mpox-Viren begünstigen Sperma kann in Zellkulturen die Aufnahme von Mpox-Viren in Hautzellen erleichtern, so das Ergebnis einer aktuellen Studie von Forschenden aus Deutschland.
Mehr erfahren zu: "Gassen zum BStabG: „Wir werden eine Zäsur in der Versorgung Gesetzlich Krankenversicherter erleben“" Gassen zum BStabG: „Wir werden eine Zäsur in der Versorgung Gesetzlich Krankenversicherter erleben“ Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, hat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) auf der KBV-Vertreterversammlung in Berlin scharf kritisiert.
Mehr erfahren zu: "„Die Praxen müssen die Hoheit über ihre Terminorganisation behalten“" „Die Praxen müssen die Hoheit über ihre Terminorganisation behalten“ Eine Digitalisierung, die Praxen entlastet und die Versorgung verbessert, forderte Dr. Sibylle Steiner, Mitglied des Vorstands der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), auf der KBV-Vertreterversammlung in Berlin am 4. September.