Vaping: Lungenschäden auch durch die Geräte selbst?5. Dezember 2019 Mediziner vermuten, dass möglicherweise von E-Zigaretten selbst freigesetzte Substanzen, nicht durch die verdampften Liquids allein, Lungenschädigungen entstehen könnten. (Foto: © aleksandr_yu/Adobe Stock) Forscher, die einen Patienten mit Hartmetall-Pneumokoniose untersucht haben, berichten in einer aktuellen Studie, dass die Erkrankung in diesem Fall wahrscheinlich durch Vaping verursacht wurde. Der Krankheit erzeugt ein ungewöhnliches und charakteristisches Schädigungsmuster der Lunge, das zu Atembeschwerden führt. Es wird in der Regel bei Menschen diagnostiziert, die mit sogenannten Hartmetallen wie Kobalt oder Wolfram arbeiten, beispielsweise beim Schärfen von Werkzeugen, beim Polieren von Diamanten oder bei der Herstellung von Zahnersatz. Den Forschern zufolge ist die aktuell im „European Respiratory Journal“ veröffentlichte Kasuistik der erste bekannte Fall, bei dem die Krankheit mit Vaping in Verbindung gebracht wurde. In einem kommentierenden Artikel in derselben Ausgabe der Zeitschrift erklärt die European Respiratory Society, warum sie E-Zigaretten nicht als Hilfsmittel zur Raucherentwöhnung empfiehlt. Die Fallbericht wurde von Kirk Jones, Professor für Pathologie, und Rupal Shah, Assistenzprofessor für Medizin in der Abteilung für Lungen-, Intensiv-, Allergie- und Schlafmedizin, beide von der University of California in San Francisco, und deren Kollegen vorgestellt. Jones erklärt: „Bei der Diagnose der Hartmetall-Pneumokoniose wird eine Probe des Lungengewebes des Patienten unter dem Mikroskop untersucht. Sie hat ein charakteristisches und ungewöhnliches Aussehen, das bei anderen Krankheiten nicht beobachtet wird. Im Rahmen der Diagnosestellung suchen wir nach einer beruflichen Exposition gegenüber Metallstäuben oder -dämpfen, normalerweise Kobalt, als Ursache. Dieser Patient hatte keine bekannte Exposition gegenüber Hartmetall, daher haben wir die Verwendung einer E-Zigarette als mögliche Ursache identifiziert.“ Bei der Hartmetall-Pneumokoniose verschlingen geschädigte Lungenzellen andere Zellen und bilden „Riesenzellen“, die unter dem Mikroskop gut sichtbar sind. Es kann zu einer dauerhaften Vernarbung in der Lunge des Patienten kommen, mit Symptomen wie Atembeschwerden und chronischem Husten. Diese Vernarbung persistiert, auch wenn bei einigen Patienten eine leichte Besserung eintreten kann, wenn die Betroffenen keinen Hartmetallstäuben mehr ausgesetzt sind und sie mit Steroiden behandelt werden. Als die Forscher die E-Zigarette des Patienten testeten, fanden sie Kobalt im freigesetzten Dampf sowie andere giftige Metalle – Nickel, Aluminium, Mangan, Blei und Chrom. Auch in älteren Studien ist schon festgestellt worden, dass diese Metalle in Dampf anderer E-Zigaretten enthalten sind. Forscher gehen davon aus, dass die Metallverunreinigungen von den Heizspiralen in Dampfgeräten stammen und nicht von den eigentlich verdampften Substanzen. „Die Exposition gegenüber Kobaltstaub ist außerhalb einiger spezifischer Industriezweige äußerst selten“, erklärt Shah. „Dies ist der erste bekannte Fall einer metallinduzierten Toxizität in der Lunge, die auf Vaping zurückzuführen ist und zu einer langfristigen, wahrscheinlich dauerhaften Vernarbung der Lunge des Patienten geführt hat. Wir glauben, dass nur eine sehr kleine Untergruppe von Menschen, die Kobalt ausgesetzt sind, diese Reaktion zeigt. Das Problem ist aber, dass die durch Hartmetall verursachte Entzündung E-Zigaretten-Nutzern erst dann bewusst wird, wenn die Vernarbung irreversibel geworden ist, wie bei diesem Patienten.“ „Vaper suchen oftmals nach einer sichereren Alternative zum Rauchen“, ergänzt Jones. „Unsere Aufgabe als Pneumologen ist es jedoch, sich sich Gedanken über die Substanzen zu machen, die in die Lunge eingeatmet werden. Dies gilt insbesondere für jene Substanzen, die unsere normalen Abwehrmechanismen umgehen können, wie diese ultrafeinen Nebel. Wir glauben, dass dies mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur erneut geschehen wird, sondern bereits geschehen ist, aber noch nicht erkannt wurde. Einer der Hauptgründe für die Veröffentlichung dieser Kasuistik ist es, unsere Kollegen über die möglichen Risiken, die mit dem Vapen verbunden sind, zu informieren.“ Der Kommentar der European Respiratory Society zur Raucherentwöhnung hebt einige der Probleme hervor, die mit der Verwendung von E-Zigaretten als Alternative zum Rauchen verbunden sind. Das Fazit lautet: „Die Strategie zur Reduktion von Schäden durch Tabakkonsum basiert auf wohlmeinenden, aber falschen oder undokumentierten Behauptungen oder Annahmen.“ Koautor Jørgen Vestbo, Professor für Pneumologie an der Universität von Manchester sagt: „Die Erforschung von E-Zigaretten ist noch immer nicht so weit wie die Erforschung des herkömmlichen Rauchens. Es gibt jedoch eine Reihe neuer Studien, die belegen, dass das Vaping Einfluss auf die Lungen hat. Zudem seheh wir jetzt immer mehr Patienten, bei denen akute, Vaping-bedingte Lungenerkrankungen diagnostiziert werden.“ „E-Zigaretten sind gesundheitsschädlich, führen zu Nikotinsucht und können evidenzbasierte Instrumente zur Nikotinentwöhnung niemals ersetzen. Sowohl die Ärzteschaft als auch die Öffentlichkeit sollten sich über eine neue Welle von Lungenerkrankungen Sorgen machen, die durch ein Produkt verursacht werden, das von der Tabakindustrie stark beworben wird.“
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