Vater des Medikamenten-freisetzenden Ballonkatheters international ausgezeichnet18. März 2024 Professor Bruno Schellers Erfahrung als praktischer interventioneller Kardiologe am Universitätsklinikum des Saarlandes fließt in seine Forschung ein. Foto: ©Rüdiger Koop/Universität des Saarlandes Sein Verfahren kam weltweit bereits millionenfach zum Einsatz und half, das Leben vieler Patienten zu verbessern. Der Herzspezialist Prof. Bruno Scheller hat den mit Medikamenten beschichteten Ballonkatheter entwickelt – eine der wichtigsten Therapiemethoden bei verengten Blutgefäßen. Ungezählte Patientinnen und Patienten auf der ganzen Welt wurden inzwischen mit dem Ballonkatheter behandelt, der mit Medikamenten beschichtet ist. Viele von ihnen verdanken diesem Verfahren eine bessere Lebensqualität, vielen blieben dadurch weitere Operationen und Schmerzen erspart. Entwickelt hat diese Methode, die heute zu den anerkanntesten und wirksamsten Therapien bei verengten Blutgefäßen zählt, Prof. Bruno Scheller von der Universität des Saarlandes zusammen mit dem inzwischen emeritierten Professor für experimentelle Radiologie Ulrich Speck von der Berliner Charité. Sowohl bei Herzkranzgefäßen, aber auch bei verengten Blutgefäßen in den Beinen kommt sie zum Einsatz. Seit einem Vierteljahrhundert forschen Scheller und Speck daran, das Verfahren immer weiter zu optimieren. Für seine herausragende Forschungs- und Entwicklungsarbeit, welche „die Zukunft der Versorgung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf der ganzen Welt mitprägen“, hat Scheller jetzt den Clinical Research Excellence Award, den Exzellenzpreis für klinische Forschung, erhalten. Die Auszeichnung wurde am 14. März im Rahmen der „Global Cardiovascular Awards“ in London (Vereinigtes Königreich) verliehen. Bei dieser Galaveranstaltung wurden international wegweisende Errungenschaften auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgezeichnet. „Professor Scheller war führend bei der Erforschung des mit Medikamenten beschichteten Ballonkatheters und leitete die ersten klinischen Studien zum Nachweis der Sicherheit und Wirksamkeit dieser Technologie. Er gilt nach wie vor als Wegbereiter für einen Ansatz, der sich in Herzkatheterlaboren auf der ganzen Welt immer mehr durchsetzt”, erklärt Will Date, Herausgeber der internationalen Zeitschrift „Cardiovascular News“. Scheller, Professor für Klinische und Experimentelle Interventionelle Kardiologie an der Universität des Saarlandes, leitet das Herzkatheterlabor am Universitätsklinikum in Homburg und wurde bereits vielfach ausgezeichnet. 2021 verlieh ihm die europäische Fachgesellschaft für Kardiovaskuläre und Interventionelle Radiologie (CIRSE) ihren „Exzellenz- und Innovations-Preis“. Schon seit Ende der 1970er Jahre wurden Engstellen in den Herzkranzgefäßen oder anderen Arterien des Körpers mit aufblasbaren Ballonkathetern aufgeweitet. Das Problem dabei: Das Gefäß wird zwar durchlässig – aber oft nicht lange. „In vielen Fällen ist beim einfachen Ballonkatheter das Ergebnis nicht dauerhaft und das Gefäß verengt sich erneut, indem die zuvor gedehnte Stelle überwuchert wird. Dies macht weitere Eingriffe wie erneute Aufweitungen notwendig“, erklärt Scheller. Seit Ende der 1990iger Jahre arbeitete der Kardiologe zusammen mit Speck daran, Medikamente, die ein erneutes Verengen verhindern können, direkt vor Ort ins Gefäß zu bringen. Hierbei machten die Forscher eine überraschende Entdeckung. „Wir fanden heraus, dass es nicht nötig ist, den Wirkstoff über längere Zeit im Gefäß freizusetzen, um zu verhindern, dass es sich wieder verengt. Vielmehr zeigten unsere Ergebnisse, dass bereits eine kurze Arzneimittelgabe hierfür ausreicht. Dadurch konnten wir den gesamten Eingriff neu denken“, erklärt Scheller, der in Homburg auch daran forscht, die Behandlung von Herzinfarkten zu verbessern und auch andere Herzerkrankungen mit dem Katheter zu behandeln. Seine Erfahrung als praktischer interventioneller Kardiologe an der Universitätsklinik fließt dabei in seine Forschung ein. 2003 lief in Homburg die erste klinische Studie mit einem Ballonkatheter, den die Forscher mit dem Medikament Paclitaxel und weiteren Zusatzstoffen beschichtet hatten. „Der Wirkstoff Paclitaxel hemmt das Zellwachstum. Wird der Ballon aufgeblasen und die Gefäße damit aufgeweitet, wird gleichzeitig das Medikament in die Gefäßwände eingebracht, so dass es dort über Wochen und Monate verbleiben und wirken kann“, erklärt Scheller. Die Substanzen, die helfen, den Wirkstoff zielgenau auszuliefern, lösen sich nach ihrem Einsatz restlos auf. „Es verbleiben keinerlei Fremdkörper oder Rückstände im Gefäß und die Heilung wird nicht behindert“, sagt der Kardiologe. Der Ballonkatheter ist also ein vergleichsweise kleiner Eingriff, dem Patienten bleibt dadurch mitunter ein größerer Eingriff wie der Einsatz so genannter Stents erspart, das sind flexible Metallgeflechte, die in das Gefäß eingebracht werden, um es offenzuhalten. Ziel Schellers Forschung ist es, zukünftig solch dauerhafte Implantate im Gefäß vollständig zu vermeiden. Seit Scheller und Speck ihre ersten Studienergebnisse 2006 in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten, hat sich die Methode weltweit durchgesetzt. In zahlreichen weiteren klinischen Studien konnten die Wirksamkeit und Sicherheit des beschichteten Ballonkatheters belegt werden: Nachweislich verhindert er die Wiederverengung – und dies sogar in bereits vorhandenen Stents. Das Verfahren des mit Medikamenten beschichteten Ballonkatheters hat inzwischen für die Behandlung von verengten Herzkranzgefäß-Stents den höchsten Empfehlungs- und Evidenzgrad in den Europäischen Leitlinien zur Herzkranzgefäßtherapie erreicht. Auch in der Behandlung von Oberschenkelarterien sind sie mittlerweile Therapiestandard. Ebenso kommt die Methode bei langstreckigen Verengungen in den Unterschenkelarterien sowie verengten Dialyse-Zugängen, so genannten Shunts, zum Einsatz. „Sehr großes Interesse besteht derzeit daran, die Methode auch am Herzen bei Verengungen einzusetzen, die erstmals behandelt werden – auch um die langfristigen negativen Auswirkungen dauerhaft eingesetzter Stents zu vermeiden“, erklärt Scheller. Seine Arbeitsgruppe hat hierzu in den vergangenen Jahren wegweisende Ergebnisse unter anderem in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht. Scheller arbeitet mit seiner Arbeitsgruppe in Homburg daran, die beschichteten Ballonkatheter weiter zu verbessern. Die Mediziner entwickeln auch spezielle Anwendungen und Spezialballons sowie alternative Medikamente, mit denen die Ballons beschichtet werden. Auch forscht Scheller etwa an Verfahren, um kleinste Risse in der inneren Gefäßschicht zu vermeiden, die bei der herkömmlichen Behandlung mit Ballonkathetern auftreten können. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hatte Schellers Professur bis Ende Oktober 2017 für zehn Jahre mit insgesamt rund 1,1 Millionen Euro gefördert.
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