Verändertes Erbgut bei Leukämie fördert auch Entzündungen im Körper14. April 2020 Foto: © DOC RABE Media/Adobe Stock Analysen von Zellsignalen geben Aufschluss über den Ursprung starker Entzündungssymptome, die bei verschiedenen Blutkrebsformen vorkommen – und liefern mögliche Therapieansätze: Bei etwa einem Viertel der Patienten, die an Juveniler myelomonozytärer Leukämie (JMML) leiden, lassen sich in den veränderten Leukämiezellen Mutationen im KRAS-Gen nachweisen. Die davon betroffenen Personen leiden besonders oft an Entzündungszeichen wie Fieber, Gewichtsverlust und Milzvergößerung. Bisher war nicht bekannt, wie die teils starken Entzündungsbeschwerden mit der Krebserkrankung zusammenhängen. Ein Team von Forschenden der Universität Freiburg um Prof. Robert Zeiser und Prof. Tilman Brummer hat nun nachgewiesen, dass die krebsauslösende Mutation im KRAS-Gen auch die Entzündungszeichen hervorruft. Durch das nun bessere Verständnis der Symptome können Ärzte in Zukunft neue Medikamente entwickeln, die das Voranschreiten der Leukämien im Körper blockieren. Das KRAS-Gen steuert die Herstellung des Proteins K-Ras, welches die Zellen anweist, zu wachsen oder sich zu teilen. Das Protein sorgt dafür, dass sich Zellen nur dann vermehren, wenn im Körper neue Zellen gebraucht werden. Ist K-Ras aufgrund einer Mutation im Erbgut in manchen Zellen übermäßig aktiv, teilen diese sich ungebremst – und es entsteht Krebs. Zeiser und sein Team fanden nun heraus, dass K-Ras zusätzlich eine wichtige Rolle in der Immunantwort spielt: Über den Proteinkomplex NLRP3 – auch NLRP3 Inflammasom genannt – führt es zur Ausschüttung von zwei entzündungsfördernden Botenstoffen: Interleukin-1β und Interleukin-18. Diesen Vorgang konnten die Forschenden in Zellen aus Blutproben von Leukämiepatienten nachweisen. Hemmten die Forschenden nun die Bildung der Botenstoffe durch Medikamente, linderte diese Behandlung nicht nur die Entzündungssymptome, sondern es verlangsamte auch das Tumorwachstum. „Es ist ein vielversprechendes Ergebnis, das auch mit anderen Studien in Einklang steht, in denen gezeigt wurde, dass krebsverursachende Mutationen die Produktion der Interleukin-Botenstoffe beeinflussen“, erklärt Zeiser. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Signalwege, deren Störung zur Entstehung von Krebs führt, auch direkt mit den Signalprozessen der Immunantwort zusammenhängen. Zeiser ist Mitglied der Exzellenzcluster CIBSS und BIOSS der Universität Freiburg sowie Arzt in der Abteilung für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg und leitet die dortige Abteilung für Tumorimmunologie. Brummer forscht am Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung der Universität Freiburg. Eines der Ziele des Exzellenzclusters CIBSS – Centre for Integrative Biological Signalling Studies ist es, die Verflechtung verschiedener Signalprozesse in Immun- und Tumorzellen besser zu verstehen. In dem Cluster erforscht Zeiser mit Kollegen verschiedener Fachbereiche, wie molekulare Signale im Körper funktionieren, und wie sich darauf basierend Therapien entwickeln lassen.
Mehr erfahren zu: "AML: Weltweit erste Zelllinie mit Fusionsgen KMT2A::SEPTIN6 identifiziert" AML: Weltweit erste Zelllinie mit Fusionsgen KMT2A::SEPTIN6 identifiziert Forschende des Leibniz-Instituts DSMZ − Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH haben erstmals eine Modellzelllinie für eine seltene Form der Akuten myeloischen Leukämie (AML) identifiziert.
Mehr erfahren zu: "IQWiG zu 15 Jahren AMNOG: „Man muss es nur wollen“" IQWiG zu 15 Jahren AMNOG: „Man muss es nur wollen“ In 1000 frühen Nutzenbewertungen hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nach eigenen Angaben vieles gesehen – darunter zahlreiche Dossiers zu Wirkstoffen in großen Indikationen ohne vergleichende […]
Mehr erfahren zu: "Tumorlysesyndrom: Frühe Rasburicase-Gabe senkt Risiko für Nierenversagen und Tod" Tumorlysesyndrom: Frühe Rasburicase-Gabe senkt Risiko für Nierenversagen und Tod Eine frühzeitige Behandlung mit dem Enzym Rasburicase kann bei Patienten mit Tumorlysesyndrom das Risiko für Nierenversagen oder Tod deutlich senken. Darauf deutet eine US-Analyse von mehr als 1.200 Betroffenen hin.