Verbessertes Darmmikrobiom mit Cholesterinsenkern

Fredrik Backhed (Foto: © Johan Wingborg)

Laut einer aktuellen europäischen Studie gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen einem besseren Zustand der Darmmikrobiota und einer der am häufigsten Gruppen von Cholesterinsenkern: Statinen.

Schon in der Vergangenheit war ein Zusammenhang zwischen dem Darmmikrobiom und verschiedenen kardiovaskulären und Stoffwechselerkrankungen beobachtet worden. Jetzt zeigt die neue Untersuchung, dass sich die Darmmikrobiota von Teilnehmern an derselben, die Statine einnahmen, verbesserte. Welche direkten Mechanismen hinter diesem Zusammenhang stehen, weiß man nicht. Aber die Ergebnissen dieser ersten großen Veröffentlichung von MetaCardis (Metagenomics in Cardiometabolic Diseases), einem EU-Verbundprojekt mit 14 Forschungsgruppen aus sechs Ländern, sind eindeutig.

Einer der Autoren ist Fredrik Bäckhed, Professor für Molekulare Medizin an der Sahlgrenska-Akademie der Universität Göteborg, der sich mit der Rolle der Darmmikrobiota im Stoffwechsel befasst. „Obwohl die Studie keinen Kausalzusammenhang liefert”, sagt er, „ist es aufregend zu sehen, wie ein etabliertes und klinisch verwendetes Medikament die Darmmikrobiota verändern kann. Die Zeit wird zeigen, ob Statine Bakterien im Darm direkt beeinflussen oder ob sich diese Medikamente sowohl auf Darm- als auch auf Immunzellen auswirken, die wiederum dazu beitragen, die das Mikrobiom zu modifizieren.”

Mit MetaCardis soll geklärt werden, ob und wie gut die Mikrobiota mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht werden kann. Im Rahmen des Projekts wurden mehr als 2000 Europäer mit unterschiedlich starken Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sorgfältig untersucht.

Die Darmmikrobiota ist in verschiedene Hauptgruppen unterteilt (Enterotypen), die sich von Person zu Person unterscheiden. Eine davon – Bact2 – tritt häufiger bei Patienten mit entzündlicher Darmerkrankung, Multipler Sklerose und Depression auf. In der aktuellen Studie stellten die Wissenschaftler fest, dass dieser Enterotyp auch bei Patienten mit Adipositas (18%) signifikant häufiger vorkam als bei Menschen ohne Adipositas (4%) – eine Beobachtung, die in einer unabhängigen belgischen Studie bestätigt wurde.

Die positive und bisher unbekannte Wirkung der von den Forschern identifizierten Statine bestand darin, dass der Anteil der Personen mit Bact2 in der Gruppe unter Statintherapie abnahm, was zu einer normaleren Darmmikrobiota führte. Zusammen eröffnen die verschiedenen Studienergebnisse in Zukunft neue Behandlungsformen, bei denen Medikamente zur Veränderung der Darmmikrobiota eingesetzt werden können. „Vielleicht können Medikamente wie Statine verwendet werden, um die Ökologie im Darm zu verändern. Aber das erfordert weitere Studien”, merkt Bäckhed an.

(ac)