Verbliebene Serum-C-Peptid-Sekretion bei Patienten mit Typ-1-Diabetes27. November 2023 © Syda Productions – stock.adobe.com (Symbolbild) Entgegen der Annahme, dass ein T1D zu einem absoluten Insulinmangel führt, haben viele Personen mit T1D noch Jahre nach der Diagnose zirkulierendes C-Peptid. Forschende untersuchten nun Faktoren, die die C-Peptid-Konzentration im Serum von T1D-Patienten beeinflussen und deren Assoziation mit diabetischen Komplikationen. So konnten sie zeigen, dass Personen noch Jahrzehnte nach der T1D-Diagnose Restwerte von C-Peptid im Serum aufweisen und dass selbst niedrige C-Peptid-Konzentrationen mit einem günstigen Komplikationsprofil korrelieren. Die Längsschnittanalyse umfasste neu diagnostizierte T1D-Patienten aus der Universitätsklinik Helsinki, Finnland, für die wiederholte stichprobenartige C-Peptid- und Glukosemessungen im Serum innerhalb von 3 Monaten nach der T1D-Diagnose und ≥1-mal später erfolgten. Die langfristige Querschnittsanalyse umfasste Teilnehmern aus 57 Zentren in Finnland. Bei ihnen war ein T1D nach dem 5. Lebensjahr diagnostiziert worden, sie hatten innerhalb 1 Jahres nach der Diagnose eine Insulinbehandlung begonnen und ihre C-Peptid-Konzentration lag <1,0 nmol/l (FinnDiane-Studie). Zudem wurden T1D-Patienten der DIREVA-Studie eingeschlossen. An der Längsschnittanalyse nahmen 847 Personen (Alter <16 Jahre) und 110 Probanden (Alter ≥16 Jahre) teil. In dieser Kohorte korrelierte das Alter bei der Diagnose stark mit dem Rückgang der C-Peptid-Sekretion. Die Querschnittsanalyse umfasste 3984 Teilnehmer aus FinnDiane und 645 aus DIREVA. In dieser Patientenpopulation wiesen 19,4% der FinnDiane-Teilnehmer bei einer mittleren Erkrankungsdauer von 21,6 Jahren eine restliche Serum-C-Peptid-Sekretion (>0,02 nmol/l) auf. Diese war mit einem signifikant geringeren polygenen T1D-Risiko assoziiert vs. keine Rest-Serum-C-Peptid-Sekretion (p<0,0001). Weiterhin korrelierte verbliebenes Serum-C-Peptid invers mit Bluthochdruck, HbA1c und Cholesterin, aber auch unabhängig mit mikrovaskulären Komplikationen (adjustierte [a] OR 0,61; 95%-KI 0,38–0,96; p=0,033 für Nephropathie und aOR 0,55; 95%-KI 0,34–0,89; p=0,014 für Retinopathie). Fazit Obwohl bei Kindern mit multiplen Autoantikörpern und HLA-Risikogenotypen rasch ein absoluter Insulinmangel auftrat, hatten viele Jugendliche und Erwachsene noch Jahrzehnte nach der Diagnose einen Rest an zirkulierendes C-Peptid im Serum. Das polygene Risiko für Typ-1- und Typ-2-Diabetes wirkte sich auf das Rest-Serum-C-Peptid aus. Selbst niedrige C-Peptid-Konzentrationen im Restserum schienen mit einem günstigen Komplikationsprofil verbunden zu sein. (je) Autoren: Harsunen M et al. Korrespondenz: Tiinamaija Tuomi; [email protected] Studie: Residual insulin secretion in individuals with T1D in Finland: longitudinal and cross-sectional analyses Quelle: Lancet Diabetes Endocrinol 2023;11(7):465–473. Web: https://doi.org/10.1016/S2213-8587(23)00123-7
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