Verborgenes Vorhofflimmern bei Diabetes

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Einer großen Berner Studie zufolge weisen Menschen mit Diabetes deutlich häufiger asymptomatisches Vorhofflimmern auf als Menschen ohne Diabetes. Zudem treten Herzkreislaufprobleme wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Hirnschlag bei Diabetikerinnen und Diabetikern mit Vorhofflimmern häufiger auf. 

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Bei unter 40-Jährigen tritt es bei etwa 5 von 1000 Personen auf. Dieser Wert steigt auf über 100 Betroffene pro 1000 bei Personen über 80 Jahre. Bekannt ist, dass Diabetes ein Risikofaktor für Herzkreislaufkrankheiten und neurologische Erkrankungen ist. Unklar war, wie die verschiedenen Phänotypen von Vorhofflimmern bei Personen mit bzw. ohne Diabetes auftreten. Dies untersuchte nun eine Forschungsgruppe des Inselspitals, Universitätsspital Bern und der Universität Bern in der Studie Swiss-AF mit 2411 Vorhofflimmerpatienten. Von diesen hatten 420 zustäzlich (17,4 Prozent) eine Diabetesdiagnose. Das mittlere Alter betrug 73 Jahre. Als zusätzliche Aspekte der Studie wurden Angaben zu Komorbiditäten in den Bereichen Herz-Kreislauf/Neurologie und zur Lebensqualität erhoben.

Personen mit Diabetes oft mit unbemerktem Vorhofflimmern

In der Regel bemerken Patientinnen und Patienten ein Vorhofflimmern aufgrund eines unregelmäßigen und schnellen Herzschlags. Die jüngst im „Journal of the American Heart Association“ publizierte Studie zeigte zur Überraschung der Forschenden, dass Vorhofflimmern bei Personen mit Diabetes viel häufiger asymptomatisch auftrat als bei der Vergleichsgruppe. Erstautorin PD Dr. Arjola Bano, Forscherin am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern und Universitätsklinik für Kardiologie, macht deutlich: „Dieses Resultat ist für die Betroffenen wichtig: Es ist zu vermuten, dass Vorhofflimmern bei Diabetikern möglicherweise übersehen, bzw. erst spät untersucht wird. Damit könnten die nötigen Vorsorgemaßnahmen wie Blutverdünnung nicht rechtzeitig eingeleitet werden. Das Risiko für Folgeschäden, zum Beispiel eines Hirnschlags, steigt.“

Die Gruppe mit Diabetes zeichnet sich außerdem durch eine erhöhte Anzahl an Personen mit Bluthochdruck, Herzinfarkt und Herzversagen aus. Besonders Personen unter Insulin-Therapie, also mit einem fortgeschrittenen Diabetes, erlitten häufiger Herzinfarkte und Herzversagen. Bei den neurologischen Problemen ergab sich ein ähnliches Bild. Verglichen mit den Nichtdiabetikern erlitten Personen mit Diabetes häufiger einen Hirnschlag und litten unter Hirnschäden.

Folgestudie als laufendes Screening sinnvoll

Prof. Christoph Stettler, Direktor und Chefarzt der Universitätsklinik für Diabetologie, Endokrinologie und Metabolismus (UDEM) sieht in den Ergebnissen einen wichtigen Ansatz für die Zukunft: „Sollte sich der Verdacht erhärten, dass bei Diabetikerinnen und Diabetikern ein asymptomatisches, nicht wahrgenommenes Vorhofflimmern öfter auftritt, müssten wir diese Gruppe generell früher und systematischer untersuchen.“

Der Studienleiter Prof. Tobias Reichlin, stellvertretender Chefarzt der Universitätsklinik für Kardiologie, erläutert: „Durch die Zusammenarbeit der Fachbereiche der Kardiologie, der Neurologie und der Diabetologie ergeben sich nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern vor allem auch praktische Vorteile für die Patientinnen und Patienten. Eine Folgestudie bei Diabetespatienten mit implantierbaren Herzmonitoren als laufendes Screening für Vorhofflimmern könnte uns weitere Erkenntnisse über die Erkrankung und vor allem über möglichen Behandlungen liefern.“