Verdauungssystem und Nieren: Marathonlaufen verursacht vorübergehenden Stress

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Selbst bei Freizeitsportlern kann das Laufen eines Marathons das Verdauungssystem und die Nieren erheblich belasten. Dies geht aus einer neuen Studie hervor. Daten dazu hatten die Forschenden beim Boston-Marathon im Jahre 2024 erhoben.

Der Boston-Marathon, der erstmals im Jahr 1897 stattfand, ist der älteste jährlich stattfindende Marathonlauf der Welt. Mit seinen extrem strengen Qualifikationszeiten gilt er als die Königsdisziplin im Ausdauersport.

Nun belegt die aktuelle Veröffentlichung im „Journal of Applied Physiology“: Das Training für einen erfolgreichen Marathonlauf ist zwar gut für den Bewegungsapparat und das Herz. Doch der Zeit- und Energieaufwand für die 42,2 Kilometer lange Strecke belastet manche anderen Organe stark.

Teilnehmerangaben zu unterschiedlichen körperlichen Beschwerden

In ihrer Studie werteten die Wissenschaftler Blut- und Urinproben von 60 für den Boston-Marathon 2024 qualifizierten Läufern aus. Die untersuchten Sportler waren zwar zu sehr guten Leistungen fähig, gehörten aber nicht der Weltspitze an. Die Studienautoren sammelten Proben vor und nach dem Rennen.

Zudem machten die Läufer Angaben zu gastrointestinalen Beschwerden während des Laufes (z. B. Sodbrennen, Reflux, Magenkrämpfe, Erbrechen, Durchfall) sowie zu anderen Symptomen wie Muskelkrämpfen, Kopfschmerzen, Durst, Schwindel und Fieber. Bei den Probanden handelte es sich nahezu zu gleichen Teilen um Männer und Frauen. Für die Analyse teilten die Wissenschaftler die Probanden in Altersgruppen ein.

Erhöhte Biomarker für Darm- und Nierenbelastung

Die Forschenden beobachteten nach dem Marathon einen deutlichen Anstieg mehrerer Biomarker, die auf eine erhöhte Organbelastung hindeuten. So wiesen beispielsweise 75 Prozent der Studienteilnehmer erhöhte Werte des intestinalen Fettsäure-bindenden Proteins auf. Dieses Protein gilt als Marker für eine Schädigung der Darmbarriere.

Fast alle Läufer zeigten zudem erhöhte Kreatininwerte, ein Zeichen für Nierenbelastung. In älteren Studien hatten Wissenschaftler gezeigt, dass sich diese Marker bei den meisten Teilnehmern innerhalb von 24 Stunden nach einem Marathonlauf wieder normalisieren.

Für bemerkenswert halten es die Studienautoren, dass es offenbar keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen hinsichtlich der gastrointestinalen Symptome oder des Flüssigkeitshaushaltes während und nach dem Marathonlauf gab. Auch das biologische Geschlecht und das Alter hatten keinen Einfluss auf die Nierenfunktion nach dem Lauf.

Wetterbedingungen und Streckenverlauf könnten eine Rolle spielen

Die Wetterbedingungen am Tag des Marathons lagen bei etwa 19 Grad Celsius, die relative Luftfeuchtigkeit bei 47 Prozent. Die Wissenschaftler beobachteten, dass die Wärme in Verbindung mit dem hohen Anteil an bergab führenden Streckenabschnitten wahrscheinlich zu stärkeren physiologischen Reaktionen führte, als sie bei kühleren Temperaturen und einer flacheren Strecke zu erwarten gewesen wären.

„Diese Ergebnisse sollten bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Minimierung verschiedener gastrointestinaler und renaler Komplikationen im Zusammenhang mit Marathonläufen berücksichtigt werden, um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Freizeit- und Wettkampfmarathonläufern gleichermaßen zu fördern“, schreiben die Forschenden um Erstautor Zachary J. McKenna, der mit der University of Arkansas und zwei Krankenhäusern in Dallas (beide USA) assoziiert ist.

(ac)