Verletzungen beim Kitesurfen – Fälle, Analysen und sportmedizinische Erkenntnisse12. Mai 2025 Foto: Nasrul-Ma-Arif – stock.adobe.com Kitesurfen hat sich längst vom Trendsport zu einer etablierten Wassersportdisziplin entwickelt und ist seit 2024 auch olympisch. Die Faszination für die Kombination aus starkem Wind und spektakulären Sprüngen birgt jedoch ein erhöhtes Verletzungs-Risiko, wie ein Experte auf dem GOTS-Kongress 2025 erläutert. „Schwere Verletzungen beim Kitesurfen entstehen vor allem durch die enormen Kräfte, die bei Stürzen aus großer Höhe auf die Wasseroberfläche wirken, sowie durch unkontrollierte Landungen, die zu unnatürlichen Belastungen des Körpers führen”, erklärt Dr. Michael Humenberger, Oberarzt an der Uniklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Wien. Häufige Verletzungsursachen seien unsanfte Landungen nach Sprüngen, die oft zu Sehnenverletzungen der unteren Extremitäten führen, sowie Start- oder Landeprobleme mit dem Kite, die nicht selten Schädel-Hirn-Traumata nach sich ziehen. Die schwersten Unfälle ereigneten sich, wenn der Kitesurfer die Kontrolle über den Kite verliert – beispielsweise durch plötzliche Windböen oder falsche Lenkmanöver – und gegen Hindernisse wie Bäume, Felsen oder andere feste Gegenstände geschleudert wird. Zusätzliche Risiken gingen von den scharfen Finnen des Boards sowie den straffen Kite-Leinen aus. Auch das Ertrinken, wenn auch selten, zähle zu den tragischen Unfallfolgen. Die meisten Verletzungen ereignen sich Humenberger zufolge beim Starten und Landen des Kites, meist aufgrund von unausgereifter Technik und Mangel an Erfahrung. Hier seien vor allem Kopf- und Rumpfverletzungen, Thoraxtraumata inklusive Rippenfrakturen, Bandrupturen am Knie und Sprunggelenk, sowie Frakturen typisch. Schwere Schädelverletzungen, Becken- und Wirbelsäulenbrüche kommen laut Humberger zwar seltener vor, sind jedoch besonders folgenschwer. Besonders herausfordernd seien Kitesurf-Situationen auf offener See. Ein tragisches Beispiel ist der Fall eines jungen Athleten, der sich beim Kiten beide Beine brach und bei ablandigem Wind auf dem offenen Meer trieb, berichtet der Experte und mahnt: „In solchen Situationen müssen nicht nur Rettungskräfte und Mediziner, sondern auch die Sportler selbst optimal vorbereitet sein.” „Für die breite Masse gilt Kitesurfen heute nicht mehr als Extremsport, dennoch bleibt das Verletzungsrisiko vergleichbar mit dem von Skifahren oder Mountainbiken. Eine gute Vorbereitung ist essenziell“, betont Humenberger. „Interessanterweise treten die meisten Unfälle nicht bei Anfängern auf, da hier meist unter kontrollierten Bedingungen geübt wird. Entscheidender ist ein strukturierter Lernprozess, der grobe Lenkfehler und kritische Fehlentscheidungen minimiert. Fast alle Kitesurfer durchlaufen heutzutage eine fundierte Ausbildung in speziellen Kite-Schulen“, weiß der Experte. Der 40. GOTS-Kongress bietet eine Plattform für den interdisziplinären Austausch zu diesen und weiteren sportmedizinischen Fragestellungen.
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