Verliert Deutschland den Anschluss in der Genommedizin?12. Dezember 2018 Grafik: (c) flashmovie/Fotolia Anlässlich des TMF-Workshops „OMICS in Medical Research“ kamen am 10. Dezember rund 100 Genomics-Experten in Berlin zusammen, um über Entwicklungen und Herausforderungen der Genommedizin in Deutschland zu diskutieren. Die Experten kritisierten, dass die deutsche Wissenschaft in der Genommedizin international derzeit massiv den Anschluss verliert. „Zwar ist die Genomforschung bei uns durch einige Leuchtturm-Einrichtungen sehr gut aufgestellt, aber sie findet nicht den Weg in die breite Anwendung der Patientenversorgung“, stellt Prof. Michael Krawczak, Vorstandsvorsitzender der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF), fest. Die genomische Medizin entwickelt sich rasant: aus der Therapiesteuerung von Tumorerkrankungen sowie in der Diagnostik seltener Erkrankungen ist sie heute nicht mehr wegzudenken. Durch die Sequenzierung des gesamten Genoms können medikamentöse Therapien gezielt auf die genetische Beschaffenheit des Tumors zugeschnitten werden. So eröffnen sich spezifischere und effizientere Behandlungsoptionen für die betroffenen Patienten. TMF: Deutschland verliert international den Anschluss International gebe es in vielen Ländern große Initiativen, die die Genomik in die medizinische Versorgung integrieren sollen, so die TMF. Dahinter stecke die Erkenntnis, dass die Genomsequenzierung für die Diagnostik, Prävention und Behandlung von Erkrankungen im Sinne einer personalisierten Medizin zukünftig unabdingbar ist. In England läuft seit 2012 das „Genomics England Project“, in dem knapp 100.000 Genome vorwiegend aus den Bereichen Krebs und seltene Erkrankungen sequenziert wurden. Die USA haben mit dem „All of Us“ Programm und Frankreich mit „France Médecine Genomique 2025“ ähnliche Programme aufgesetzt. In Deutschland gibt es derzeit keine vergleichbaren Initiativen. „Die deutsche Wissenschaft verliert derzeit massiv den Anschluss in der Genommedizin“, stellt Jürgen Eils von der Uniklinik Heidelberg auf dem Workshop in Berlin fest. Nationale Strategie für die Genomforschung fehlt Was fehlt, sei eine nationale übergreifende Strategie, die die Genommedizin auf eine breite Basis stellt. „In Deutschland gibt es einige Spitzeneinrichtungen, die die klinische Sequenzierung z. B. in der Krebsmedizin oder bei der Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen unterstützen. Aber das reicht längst nicht aus. Wir brauchen eine genomische Medizin, die bei den Patienten in der Versorgung ankommt und dabei im Schulterschluss mit der Forschung agiert“, fordert Krawczak.
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