„Versuchen unser Menschenmögliches“16. April 2020 Foto: © Kiryl Lis – Adobe Stock FAU-Transfusionsmediziner Prof. Holger Hackstein über den Einsatz des COVID-19-Immunplasmas. „Der große Vorteil des COVID-19-Immunplasmas ist, dass wir es sofort für die Patiententherapie einsetzen können“, erklärt Prof. Dr. Holger Hackstein, der an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) den Lehrstuhl für Transfusionsmedizin und Cell-Engineering inne hat und Leiter der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen ist. Nachdem der Mediziner in der vergangenen Woche die Erlaubnis seitens der Behörden erhalten hat, aus dem Blut genesener COVID-19-PatientInnen Immunplasma herzustellen, stehen nun die ersten Behandlungen in Erlangen an. PatientInnen mit schweren Krankheitsverläufen bekämen durch diese Bluttransfusion den Schutz des Immunsystems passiv übertragen und seien dann besser geschützt gegen die lebensbedrohliche Viruserkrankung. Aus China und anderen Ländern kämen schon erste wissenschaftliche Ergebnisse und die seien außerordentlich positiv, betont Hackstein. „Es ist gerade in PNAS, einer sehr hochrangigen internationalen Zeitschrift, eine erste Pilotstudie publiziert worden, die sehr positive Ergebnisse gezeigt hat. Ich wäre sehr froh, wenn wir das hier auch replizieren können.“ Kontrollierte klinische Studien zur Wirksamkeit von COVID-19-Immunplasma gibt es noch nicht, sie werden jedoch aktuell von verschiedenen Seiten initiiert. Daneben arbeiten ForscherInnen weltweit daran, die Antikörper im Labor zu vermehren. „Aber diese Entwicklungen sind von der klinischen Anwendung noch relativ weit entfernt“, sagt Hackstein. Im Moment gebe es natürlich einen großen Mangel an dem Immunplasma. „Wir tun hier das Menschenmögliche.“ Mittlerweile gebe es weitere transfusionsmedizinische Institute in Bayern, die jetzt ebenfalls diesen Weg gehen. Es bleibe deshalb zu hoffen, dass sich die Angebotssituation demnächst verbessere. „Aber letztendlich weiß keiner wirklich genau, wie sich die nächsten Wochen entwickeln werden“, sagt Hackstein. Wie sich die Arbeit des Transfusionsmediziners seit der COVID-19-Pandemie verändert hat, wie spezielle Regelungen des Arzneimittelrechts die aktuelle Arbeit erleichtern und wie er die Vorbereitungen des Uni-Klinikums Erlangen einschätzt, darüber spricht Prof. Dr. Holger Hackstein aktuell in einem YouTube-Talk mit Gastgeber Prof. Dr. Joachim Hornegger, Präsident der FAU: https://www.youtube.com/watch?v=2hKYPI7hnYQ Eine Übersicht aller Videotalks ist zu finden unter: www.fau.de/corona/videos/
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