Vestibuläre Haarzellen und Gleichgewichtssinn

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Eine Studie an Mäusen zeigt einen starken Zusammenhang zwischen vestibulären Haarzellen im Innenohr und der Fähigkeit, Gleichgewicht zu halten und sich zu orientieren.

Unter der Leitung von Mathieu Beraneck untersuchten Forscher der Universität Paris Cité/CNRS und der Universität Barcelona, wie stark der Zusammenhang zwischen vestibulären Haarzellen im Innenohr und dem Gleichgewicht ist. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden in „eNeuro“ veröffentlicht.

Beraneck erklärte: „Nach 200 Jahren Forschung an diesem System konnte noch immer niemand die für das Gleichgewicht notwendige Anzahl von Haarzellen nachweisen. Unsere Studie ist daher ein erster Schritt zur Beantwortung dieser lange bestehenden Frage.“

Bei Mäusen untersuchte das Team, wie empfindlich Gleichgewichts- und Orientierungsfähigkeit auf den Verlust vestibulärer Haarzellen im Innenohr reagieren. Durch dosisabhängige ototoxische Läsionen induzierten die Forschenden bei den Mäusen graduell vestibuläre Dysfunktion. Diese quantifizierten sie mittels Testung des vestibulookulären Reflexes. Anschließend korrelierte das Team die vestibuläre Dysfunktion mit dem Verlust an Typ-I- beziehungsweise Typ-II-Haarzellen der Ampulla und der Makulaorgane.

Wie viele vestibuläre Haarzellen braucht es, damit der Gleichgewichtssinn funktioniert?

Für die normale Funktion der Gleichgewichtsorgane waren 80 Prozent dieser Haarzellen erforderlich. Eine minimale Funktion hingegen konnten die Studienautoren bereits mit 50 Prozent der Zellen beobachten. Wie die Autoren schreiben, deuten ihrer Ergebnisse darauf hin, dass vor allem die Typ-I-Haarzellen die vestibuläre Funktion, wie sie in der Studie getestet wurde beeinflussen. Typ-II-Haarzellen schienen eine geringere Rolle zu spielen.

Mit Blick auf Therapieoptionen betonte Beraneck, die Studienergebnisse legten nahe, dass sich das Gleichgewicht durch die Wiederherstellung der Population vestibulärer Haarzellen im Innenohr verbessern könnte. Als mögliche Interventionen kämen beispielsweise Gentherapie infrage. Als „konservative Ziel“ sieht Beraneck die Wiederherstellung von mindestens 50 Prozent der Haarzellen. (ja/BIERMANN)