Wie Tinnitus die Berufstätigkeit beeinflusst17. Februar 2026 Foto: Yura Yarema/stock.adobe.com Eine aktuelle Studie zeigt, dass Tinnitus die Berufstätigkeit beeinflusst: Es wurden Erwachsene mit Tinnitus befragt, von denen 18 Prozent angaben, ihrer Arbeitszeit reduzieren oder ihren Beruf aufgeben zu müssen. Für ihre Arbeit hatten die Forschenden von der Anglia Ruskin University (ARU) in Cambridge (Großbritannien) zusammen mit Kollegen von der University of Colorado und der Universität Linköping Daten von 449 Erwachsene mit Tinnitus erhoben. Die Mehrheit der Studienteilnehmer war berufstätig (64 %) und das mittlere Alter lag bei 54,4 Jahren. Generell reichen die Auswirkungen von Tinnitus von leichter Ablenkung bis hin zu starker Müdigkeit und Stress. Während viele Betroffene gut, leiden andere unter schweren Symptomen, die die Produktivität am Arbeitsplatz beeinträchtigen. Die Autoren wollten vor allem herausfinden, wie Tinnitus die Arbeitsleistung und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz beeinflusst. Die Studienergebnisse sind in „Brain Sciences“ veröffentlicht. Weitreichende Auswirkungen für manche Betroffene Wie die Untersuchung zeigt, sind die Auswirkungen bei manchen Betroffenen weitreichend: So gaben sieben Prozent der im Rahmen der Studie befragten Erwachsenen mit Tinnitus an, aufgrund der Erkrankung ihren Beruf aufgeben zu müssen. Weitere elf Prozent reduzierten ihre Arbeitszeit. Die Teilnehmenden beschrieben auch die verschiedenen Herausforderungen durch Tinnitus am Arbeitsplatz. Diese reichten von Konzentrationsschwierigkeiten, geringerer Produktivität bis hin zu Kommunikationsproblemen in Besprechungen. Viele berichteten außerdem von verstärkter Müdigkeit, langsamerer Aufgabenerledigung und erhöhter Fehleranfälligkeit. Andere schilderten indirekte Auswirkungen wie Angstzustände, Schlafstörungen, Frustration oder den Rückzug aus Gruppeninteraktionen. Das alles trug zu geringerer Arbeitszufriedenheit und -leistung bei. Mehrheit gibt an, dass Tinnitus das Berufsleben erschwert Es zeigte sich auch, dass einige Betroffene Wege gefunden haben, sich anzupassen – beispielsweise durch Bewältigungsstrategien oder eine veränderte Rolle im Beruf. Trotzdem gaben 72 Prozent der Teilnehmenden in offenen Fragen zu ihren Erfahrungen an, dass der Tinnitus ihr Berufsleben erschwert habe. Im Rahmen ihrer Studie hat das Team um Studienleiter Dr. Eldre Beukes, außerordentlicher Professor für Audiologie an der ARU, auch die Wirksamkeit eines internetbasierten kognitiven Verhaltenstherapieprogramms (ICBT) für Tinnitus untersucht. Knapp die Hälfte der Studienteilnehmer (200) absolvierte das ICBT. Wie sich erwies, ging die Teilnahme an diesem Programm mit deutlichen Verbesserungen der Arbeitsproduktivität einher. Nach Abschluss der Intervention berichteten deutlich weniger Teilnehmende von reduzierter Arbeitszeit. Außerdem erlebten viele eine messbare Linderung ihrer Tinnitus-Belastung sowie von Angstzuständen, Depressionen und Schlafstörungen. Qualitative Rückmeldungen zeigten zudem, dass sich die Betroffenen im Anschluss besser in der Lage fühlten, ihren Arbeitsalltag zu bewältigen. „Tinnitus ist weit mehr als nur ein anhaltendes Geräusch“ „Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass Tinnitus für manche Menschen weit mehr als nur ein anhaltendes Geräusch ist. Er kann ein Hindernis für den Erhalt einer stabilen Beschäftigung und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz darstellen und tritt häufig in Verbindung mit Hörverlust, Angstzuständen oder Schlafstörungen auf“, betonte Beukes im Hinblick auf die Studienergebnisse. Der Studienleiter erklärte zudem: „Dies hat wichtige Konsequenzen für Arbeitgeber und politische Entscheidungsträger. Unternehmen sollten Tinnitus als Erkrankung anerkennen, die die Produktivität beeinträchtigen und gegebenenfalls angemessene Anpassungen erfordern kann. Maßnahmen, die flexible Arbeitszeitmodelle, den Zugang zu Hörtechnologien und ein besseres Verständnis des Themas bei Führungskräften fördern, könnten es Betroffenen erleichtern, im Beruf zu bleiben.“ Rechtzeitige Unterstützung könnte Belastung verringern Beukes verwies darauf, dass die Ergebnisse nur vorläufig seien und eigentlich eine Kontrollgruppe zur Bestätigung der Effekte erforderlich wäre. Trotzdem sieht er in den Ergebnissen vielversprechende Hinweise darauf, dass gezielte Tinnitus-Interventionen Betroffenen helfen können, leistungsfähig und engagiert im Beruf zu bleiben. Er hob hervor: „Rechtzeitige Unterstützung kann zudem die persönlichen Belastungen und die damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen einer reduzierten Arbeitsfähigkeit verringern.“ (ja/BIERMANN)
Mehr erfahren zu: "PET/CT-Bildgebung bei Kopf-Hals-Tumoren: Aggressive Verläufe früh erkennen" PET/CT-Bildgebung bei Kopf-Hals-Tumoren: Aggressive Verläufe früh erkennen Biologische Eigenschaften aggressiver Kopf-Hals-Tumoren spiegeln sich in PET/CT-Bildgebung wider, so eine aktuelle Studie. Deren Ergebnisse schaffen damit die Grundlage, um personalisierter Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Mehr erfahren zu: "Australien: Schwerster Diphtherie-Ausbruch seit Jahrzehnten" Australien: Schwerster Diphtherie-Ausbruch seit Jahrzehnten Mehr als 220 Infizierte, ein möglicher Todesfall: Ein fast vergessenes Bakterium alarmiert Australiens Gesundheitsbehörden. Warum grassiert die Diphtherie vor allem in indigenen Gemeinschaften?
Mehr erfahren zu: "HNO-Verband warnt vor Aus für Terminvermittlung: „Millionen Patienten haben profitiert“" HNO-Verband warnt vor Aus für Terminvermittlung: „Millionen Patienten haben profitiert“ Im Hinblick auf das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz warnt der HNO-Berufsverband vor einem TSVG-Aus: Terminvermittlung und offene Sprechstunde hätten sich bewährt, für einen systematischen Missbrauch gebe es keine belastbaren Daten.