Vestibularisschwannom: G-BA nimmt stereotaktische Radiochirurgie in ambulanten Leistungskatalog auf22. Juli 2022 Foto: Yurii Kibalnik/stock.adobe.com Die stereotaktische Radiochirurgie ist vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) für die Behandlung von Vestibularisschwannomen in den ambulanten Leistungskatalog aufgenommen worden. Vestibularisschwannome sind selten vorkommende gutartige Tumore im Gehirn, die typischerweise vom Gleichgewichtsnerv ausgehen. Im Vergleich zu einer chirurgischen Tumorentfernung hat die stereotaktische Radiochirurgie nachweislich Vorteile: Sie ist für die Patientin oder den Patienten schonender und es kommt anschließend seltener zu Gesichtslähmungen und Hörverlust. Ein Krankenhausaufenthalt ist in der Regel nicht erforderlich. Voraussichtlich ab April 2023 können niedergelassene Fachärztinnen und Fachärzte die stereotaktische Radiochirurgie für gesetzliche Versicherte nutzen und abrechnen. „Mit der stereotaktischen Radiochirurgie, die teilweise auch als Gamma- oder Cyberknife bezeichnet wird, steht zukünftig eine neue ambulante Therapieoption zur Verfügung. Denn der Nutzen für Patientinnen und Patienten, die einen behandlungsbedürftigen gutartigen Tumor am Gleichgewichtsnerv haben, ist im Vergleich zu einer chirurgischen Entfernung deutlich. Ob patientenrelevante Vorteile auch bei der Behandlung von Hirnmetastasen, zerebralen arteriovenösen Malformationen oder Hypophysenadenomen nachweisbar sind, prüfen wir derzeit“, so Dr. Monika Lelgemann, unparteiisches Mitglied im G-BA. Stereotaktische Radiochirurgie – hochdosierte und präzise Bestrahlung Die stereotaktische Radiochirurgie (SRS) ist eine besondere Form der Strahlentherapie bei Krebserkrankungen: Mit einer hohen Strahlendosis wird präzise ausschließlich das Tumorgewebe behandelt und so das umliegende Gewebe geschont. Für diese Hochpräzisionsbestrahlung sind eigens entwickelte Geräte notwendig. Diese können entweder mit Kobalt-60-Gammastrahlungsquellen ausgerüstet oder als Linearbeschleuniger konstruiert sein. Werden bei der Bestrahlung Kobalt-60-Gammastrahlungsquellen eingesetzt, wird die SRS auch „Gammaknife“ genannt; werden Linearbeschleuniger verwendet, spricht man von „Cyberknife“. Neue ambulante Therapiealternative bei Vestibularisschwannom Da ein Vestibularisschwannom typischerweise vom Gleichgewichtsnerv ausgeht, kann die Erkrankung mit einer Hörminderung, Tinnitus, Schwindelgefühl und Gesichtslähmungen verbunden sein. Die Diagnose wird meist ab einem Alter von 50 Jahren gestellt. Die Inzidenz liegt bei 1 bis 2 pro 100.000 Einwohnern. Nicht jedes Vestibularisschwannom ist unmittelbar behandlungsbedürftig, eine Option ist auch das sogenannte beobachtende Abwarten („watchful waiting“). Wird es aufgrund der Größe, des Wachstumsverhaltens oder der mit ihm verbundenen Symptomatik als behandlungsbedürftig eingestuft, kommen neben der SRS eine mikrochirurgische Entfernung und eine herkömmliche Strahlentherapie in Frage.
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