Viele Kinder mit Grippe im Krankenhaus

Die Grippewelle rollt. Auch viele Kinder sind betroffen. (Foto: © Marija – stock.adobe)

Der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) zufolge haben die meisten Kinder, die zurzeit wegen einer akuten Atemwegsinfektion ins Krankenhaus kommen, eine Grippe.

Über die Weihnachtsferien sei die Zahl der stationären Aufnahmen leicht zurückgegangen. Seit dem Ende der Ferien steige sie wieder. Nach Einschätzung von Nicole Töpfner, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), ist das aktuelle Geschehen aber nicht unüblich. Die Zahl der Grippefälle liege im erwartbaren Bereich. „Es gibt keine Hinweise auf schwerere Verläufe als in den Vorjahren“, erklärte die Oberärztin an der Pädiatrischen Infektiologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden.

Die Informationen der DGPI beruhen auf den Angaben von rund 50 Kinderkliniken in ganz Deutschland, die wöchentlich die Zahl der akuten Atemwegsinfektionen melden.

Grippewelle nimmt an Fahrt auf

Influenzaerkrankungen betreffen zurzeit alle Altersgruppen, wie das Robert Koch-Institut in seinem aktuellen Wochenbericht zu akuten Atemwegsinfektionen berichtet. Die im Abwasser gemessene Viruslast des Influenza-Typs A ist den Angaben zufolge in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Die Influenza B-Viruslast lag auf einem niedrigen Niveau.

Dass immer mehr Menschen an der saisonalen Grippe erkranken, zeigt sich auch an den Meldedaten: In der Woche vom 5. bis 11. Januar wurden dem RKI bislang knapp 20.500 labordiagnostisch bestätigte Grippefälle gemeldet. In der Woche zuvor waren es rund 14.930. Die Werte können sich durch später eingehende Meldungen noch ändern. Da nur noch selten getestet wird, ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Schwere Verläufe in allen Altersgruppen

Schwere Influenza-Verläufe traten vergangene Woche in allen Altersgruppen auf, wie aus Daten von Krankenhäusern hervorgeht. Bei mehr als jedem zweiten Patienten zwischen zwei und 34 Jahren, der wegen einer schweren akuten respiratorischen Infektion (SARI) ins Krankenhaus musste, wurde laut RKI Influenza diagnostiziert. 

Zu wenige Kinder mit erhöhtem Risiko sind geimpft

Die Impfung gegen die saisonale Influenza wird Menschen empfohlen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Dazu zählen unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, medizinisches Personal, Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie Menschen mit Vorerkrankungen, auch Kinder.

Laut der Kinderärztin Töpfner sind Kinder mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf viel zu selten geimpft. „Die Impfung wird nicht gut angenommen.“

 135.000 Influenza-Fälle in den Kliniken

Kinder tragen den Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zufolge erheblich zur Verbreitung der jährlichen Influenza-Epidemie bei. Die Experten fordern daher, eine Influenza-Impfung für alle ab dem sechsten Lebensmonat. Die Grippesaison würde dann deutlich anders verlaufen, so die Meinung der Experten.

In der Saison 2024/2025 wurden in den Kliniken laut Divi 135.000 Influenza-Fälle behandelt, davon 30.000 Kinder.

Das höchste Risiko für schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts ältere Menschen. Die Zahl der Todesfälle könne bei den einzelnen Grippewellen stark schwanken, von mehreren hundert in einer Saison bis mehr als 25.000 in der Saison 2017/18. Diese Saison sind bisher 225 Todesfälle an das RKI übermittelt worden. 95 Prozent seien 60 Jahre oder älter gewesen.

Influenza ist kein „Schnüpfchen“

Influenza ist eine ernstzunehmende Krankheit und kein „Schnüpfchen“, wie Experten der DIVI immer wieder betonen. Gerade Kinder könnten schwer an dem Virus erkranken.

Wie ist die Lage auf den Intensivstationen, auch auf denen für Erwachsene? Derzeit sei dem DIVI nicht bekannt, dass es größere Versorgungsengpässe auf den Intensivstationen gebe, sagte eine Sprecherin. Ein Drittel der Intensivstationen in Deutschland meldeten derzeit einen eingeschränkten Betrieb. Das bedeutet, dass geplante Operationen verschoben werden müssen, um akute Fälle behandeln zu können. 

Ob die hohe Auslastung im Zusammenhang mit Atemwegsinfektionen liege, könne sie anhand der Meldedaten nicht sagen, erklärte die Sprecherin.

Vergangenes Jahr hätten zu dieser Zeit aber deutlich mehr Intensivstationen eingeschränkt arbeiten müssen. Der Wert sei also noch moderat.

Den Daten des RKI zufolge wurde vergangene Woche bei 34 Prozent der SARI-Fälle, die intensivmedizinisch behandelt wurden, Influenza diagnostiziert.