Vier Subtypen des Polyzystischen Ovarialsyndroms identifiziert

Betroffene mit Polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) leiden häufig unter hormonellen Störungen und Fertilitätsproblemen. Symbolbild: ©l1gend/stock.adobe.com

Anhand klinischer Daten hat ein internationales Forschungsteam vier Subtypen des Polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) identifiziert, die mit unterschiedlichen Stoffwechsel- und Fertilitätsproblemen assoziiert sind. Die Klassifizierung könnte neue Möglichkeiten für personalisierte Behandlungen bieten.

PCOS ist eine hormonelle Störung, die die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigt und weltweit etwa elf bis 13 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. Charakteristisch für die Erkrankung sind erhöhte Androgen-Spiegel und die damit verbundenen Symptome der Virilisierung. Außerdem tritt bei Betroffenen mit PCOS vermehrt eine Insulinresistenz auf, die ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Probleme bedingt.

In einer aktuellen Studie analysierte ein internationales Forschungsteam die klinischen Daten von mehr als 11.900 betroffenen Frauen über einen Zeitraum von 6,5 Jahren. Die Ergebnisse wurden in fünf internationalen Kohorten aus Asien, Europa und den USA bestätigt und nun in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlicht.

PCOS-Subtypen basierend auf klinischen Parametern

  • HA-PCOS (Hyperandrogener Phänotyp): Charakterisiert durch erhöhte Spiegel männlicher Sexualhormone. Diese Gruppe wies das höchste Risiko für Fehlgeburten im zweiten Trimester und die höchste Inzidenz von Fettstoffwechselstörungen auf.
  • OB-PCOS (Übergewicht-Adipositas-Phänotyp): Diese Gruppe wies einen höheren Body-Mass-Index (BMI), Insulinresistenz und die ausgeprägtesten Stoffwechselprobleme auf. Außerdem die niedrigste Lebendgeburtenrate, aber auch den höchsten Anteil an Frauen, die sich im Laufe der Zeit von PCOS erholten.
  • SHBG-PCOS (Hoher Spiegel des Sexualhormon-bindenden Globulins): Eine mildere Form von PCOS mit weniger Fertilitätsproblemen und dem geringsten Risiko für Diabetes und Bluthochdruck.
  • LH-PCOS (Erhöhtes luteinisierendes Hormon und Anti-Müller-Hormon): Diese Gruppe hatte das höchste Risiko für ein ovarielles Hyperstimulationssyndrom (OHSS) während einer In-vitro-Fertilisation (IVF) und die niedrigste Erholungsrate.

Es zeigten sich deutliche Unterschiede in den Schwangerschaftsraten, Lebendgeburten und Komplikationen zwischen den Subgruppen. „Frauen mit SHBG-PCOS erzielten die besten IVF-Ergebnisse, während OB-PCOS und HA-PCOS mit mehr Fehlgeburten und Stoffwechselkomplikationen wie Fettstoffwechselstörungen und Typ-2-Diabetes einhergingen“, erklärt Elisabet Stener-Victorin. Sie ist Professorin für Reproduktionsphysiologie am Institut für Physiologie und Pharmakologie des Karolinska Institutet (Schweden) und eine der Studienleiterinnen.

Neue Grundlage für personalisierte Behandlungen

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass unterschiedliche IVF-Strategien für bestimmte PCOS-Subgruppen besser geeignet sein können. „Frauen mit HA-PCOS sprachen beispielsweise besser auf den Transfer von gefrorenen Embryonen an als auf den Transfer von frischen Embryonen – ein Befund, der zukünftige Behandlungsmethoden beeinflussen könnte“, so Stener-Victorin.

Die Forschenden erhoffen sich von den Ergebnissen eine neue Form der personalisierten Medizin für diese Patientinnen. „Die Identifizierung von Subgruppen innerhalb des PCOS ermöglicht eine Präzisionsmedizin, bei der die Behandlung auf das individuelle Risikoprofil jeder Frau zugeschnitten werden kann“, sagt Stener-Victorin.

Im Rahmen des Projekts haben die Forschenden das webbasierte Tool PcosX entwickelt, mit dem Patientinnen anhand von neun standardisierten klinischen Parametern in Subgruppen eingeteilt werden können. Die Erkenntnisse dieser internationalen Zusammenarbeit könnten laut Stener-Victorin die Diagnose, Behandlung und Nachsorge von Frauen mit PCOS maßgeblich verändern.

(mkl/BIERMANN)