Viren sollen bösartigen Hirntumor stoppen8. Juni 2018 Prof. Ulrike Naumann im Labor (Foto: Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)//Fotograf: Ingo Rappers) Die Lebenserwartung von Patienten mit Glioblastom beträgt nach der Diagnose trotz Operation, Bestrahlung und Chemotherapie meist nur etwa ein Jahr. Doch nun macht ein neuer Therapieansatz Hoffnung, das gefährliche Tumorwachstum eindämmen zu können. „Wir entwickeln spezielle Viren, die den Tumor zerstören sollen“, sagte Prof. Ulrike Naumann. Die Biologin forscht am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen und arbeitet mit gentechnisch veränderten Adenoviren, die normalerweise Schnupfen verursachen. Diese Viren wurden so verändert, dass sie gezielt für den Kampf gegen Krebszellen eingesetzt werden können. Das Virus infiziert die Tumorzelle und beginnt, sich dort zu vermehren. „Durch die vielen neu entstehenden Viren platzt die Tumorzelle und die frei werdenden Viren befallen weitere, umliegende Krebszellen.“ Andere Körperzellen bleiben unbeschädigt. Aufgrund der künstlich erzeugten Virusinfektion wird außerdem das körpereigene Immunsystem auf die Tumorzellen aufmerksam und kann so die Tumorzerstörung selbst weiter vorantreiben. „Zurzeit testen wir die Wirkungen eines bestimmten Adenovirus, das direkt in den Tumor gespritzt wird, sich nur dort vermehren kann und die Tumorzellen abtötet. Gleichzeitig ist das Virus mit einem Gen bewaffnet, das die körpereigne Immunabwehr gegen die Krebszellen stärkt.“ Patientenstudie kurz vor dem Start Seit rund zehn Jahren forscht das Team von Naumann zusammen mit dem Münchner Wissenschaftler und Virologen Prof. Per Sonne Holm an den speziellen Adenoviren, die nach dem üblichen langen Genehmigungsverfahren ab Ende des Jahres an Patienten getestet werden sollen. Der Kampf gegen das Glioblastom ist der Wissenschaftlerin inzwischen zur Lebensaufgabe geworden: „Der Tumor ist einfach faszinierend, weil er so extrem ist und so anpassungsfähig. Daher bin ich nach vielen Jahren der Forschung unendlich gespannt, welche Ergebnisse die klinische Studie bringen wird.
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