Virusverbreitung bei HPV-Geimpften

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Eine Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) bei Jungen und Mädchen führt zu einer Herdenimmunität gegen die geimpften Hochrisikovarianten, ermöglicht es aber anderen Virusvarianten, sich in der Bevölkerung zu verbreiten.

Dieses Ergebnis, das kürzlich im Fachjournal „Cell Host & Microbe“ vorgestellt wurde, beschreibt laut der Studienautorinnen und -autoren die Veränderungen in der Verbreitung von HPV-Varianten, wenn ein Impfprogramm auf einzelne Varianten abzielt.

Die Forschenden der aktuellen Studie untersuchten die Ausbreitung von unterschiedlichen HPV-Varianten in insgesamt 33 Gemeinden in Finnland. In einigen Gemeinden erhielten sowohl Mädchen als auch Jungen bis 15 Jahre eine Impfung gegen die HPV-Varianten 16 und 18, in manchen Gemeinden wurden dagegen nur Mädchen geimpft und in anderen Gemeinden wurden keine Impfungen gegen HPV vorgenommen. Im Abstand von vier und acht Jahren nach der Impfung testeten die Forschenden auf das Vorkommen von sechzehn unterschiedlichen HPV-Varianten. Das Ergebnis: Die Herdenimmunität war in den Gemeinden am stärksten, in denen Mädchen und Jungen sich impfen ließen, allerdings breiteten sich dort die HPV-Varianten, gegen die nicht geimpft wurde, stärker aus. Die Forschenden sehen in ihren Ergebnissen wichtige Implikationen für die Strategie, HPV und die damit einhergehenden Erkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs, einzudämmen.

HPV-Infektionen gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen weltweit. Von den insgesamt über 200 HPV-Varianten können Niedrigrisiko-Typen, wie vor allem HPV6 und HPV11 zu Genitalwarzen und Hochrisiko-Typen, wie HPV16 und HPV18 zu bösartigen Tumoren führen. Um das Risiko einer HPV-Infektion zu reduzieren, empfiehlt die Ständige Impfkommission seit 2007 die HPV-Impfung für Mädchen zwischen neun und 14 Jahren und seit 2018 auch für Jungen. 2021 haben in Deutschland 54 Prozent der Mädchen und 27 Prozent der Jungen bis zu ihrem 15. Lebensjahr die HPV-Impfung vollständig erhalten [I]. Gynäkologinnen und Gynäkologen bieten Frauen für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs zwischen 20 und 34 Jahren den sogenannten PapAbstrich und bei Frauen über 35 Jahre alle drei Jahre einen zusätzlichen HPV-Test an [II]. Nur der HPV-Test untersucht vorhandene Virusvarianten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte 2020 die 90-70-90 Strategie, mit der sie gegen Gebärmutterhalskrebs vorgehen will [III]: Bis 2030 sollen 90 Prozent der Mädchen bis zu ihrem 15. Lebensjahr die vollständige HPV-Impfung erhalten haben. 70 Prozent der Frauen bis 35 Jahre sollen mit einem aussagekräftigen HPV-Test gescreent worden sein, und dann noch einmal bis zu ihrem 45. Lebensjahr. Und 90 Prozent der Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs leiden, sollen eine entsprechende Behandlung erhalten können.

Quellen:

[I] Robert Koch-Institut: Repräsentativbefragungen im Studienmodul 2 der Interventionsstudie zur Steigerung der HPV-Impfquoten in Deutschland (InveSt HPV). Stand: 14.09.2023.

[II] Gemeinsamer Bundesausschluss: Gebärmutterhalskrebs Früherkennung für Frauen ab 35 Jahren – Informationen zum Angebot der gesetzlichen Krankenversicherung. Stand: November 2022.

[III] World Health Organization (2020): Global strategy to accelerate the elimination of cervical cancer as a public health problem.