Visuelle Suche: Kontext ermöglicht effektivere Strategien16. Oktober 2023 Visuelle Scanningpfade die mittels Eyetracker registriert und analysiert wurden.Illustration.© Seitz/LMU Ablenkende Reize können dazu beitragen, dass das visuelle System effektivere Suchstrategien entwickelt, zeigen Psychologen der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Menschen sind permanent einer Flut von Ereignissen ausgesetzt, die auf die Sinnesorgane einprasseln. Obwohl das Gehirn über beeindruckende Verarbeitungsfähigkeiten verfügt, ist seine Kapazität begrenzt. Daher können wir nicht alle gleichzeitig verfügbaren Ereignisse und Informationen bewusst wahrnehmen, sondern müssen uns auf einen begrenzten Teilbereich konzentrieren. Die neurokognitiven Mechanismen dieser selektiven Aufmerksamkeit haben Forschende am Beispiel der Visuellen Suche untersucht und gezeigt, dass kontextbezogene Hinweisreize einen Einfluss haben: Wenn das gesuchte Zielobjekt in einer bestimmten räumlichen Anordnung anderer Objekte platziert ist, wird es schneller gefunden. Menschen reagieren also schneller auf einen Zielreiz, wenn dieser in einer konstanten Anordnung von Ablenkerreizen eingebettet ist. Nach der vorherrschenden Theorie ist der Grund dafür, dass die relative Position des Zielreizes im Verhältnis zu den Ablenkerreizen im Langzeitgedächtnis gespeichert wird. Ein Team um Prof. Thomas Geyer vom Department Psychologie der LMU hat nun jedoch mithilfe einer neuartigen Eyetracking-Scanpath-Analyse gezeigt, dass kontextuelle Effekte weniger durch spezifische Erinnerungen hervorgerufen werden. Stattdessen tragen sie erheblich dazu bei, dass das visuelle System neue Fähigkeiten entwickelt und effektivere Scanningstrategien erlernt. Die kontextbezogene Erleichterung der visuellen Suche sehen die Autoren als Nebenprodukt dieses Effekts. „Dies hat große Auswirkungen auf unser Verständnis von visueller Suche und adaptivem Verhalten im Allgemeinen“, sagt Geyer. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass visuelle Scanningstrategien erlernbar sind und als bedeutsame Schnittstelle zwischen sensorischer Information und Aufmerksamkeitsselektion dienen.“ Das bedeutet auch, dass Augenbewegungen nicht nur Folge einer fokussierten Verschiebung der Aufmerksamkeit sind. Stattdessen tragen sie aktiv dazu bei, die Aufmerksamkeit auf Objekte zu richten, die höchstwahrscheinlich relevante Informationen für die weitere Verarbeitung enthalten – noch bevor die eigentliche Aufmerksamkeitsauswahl stattfindet.
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