Vogelgrippe – banger Blick auf zurückkehrende Zugvögel

(Symbolbild) Foto: © serkanmutan – stock.adobe.com

Nach einem steilen Anstieg im Herbst ist das Vogelgrippe-Geschehen inzwischen abgeflacht, geht aber weiter. Etwa drei Millionen gehaltene Tiere sind gekeult worden und zigtausend Wildvögel verendet. Bald kehren Zugvögel zurück, aber nicht nur die.

Nach einem Abflauen der Vogelgrippe in Deutschland könnte das Infektionsgeschehen nach Ansicht von Experten demnächst wieder anziehen. Grund sei zum einen der Frühjahrszug der Zugvögel, die vor allem ab Mitte Februar bis Ende März aus ihren Winterquartieren zurückkehrten, sagte Timm Harder vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bei Greifswald. „Man wird sehen, ob sich das Geschehen dann noch mal intensiviert.“ Denkbar wäre auch, dass die massive Aktivität des Erregers im Herbst und Winter zu einer gewissen Immunität bei den Vögeln geführt hat. 

„Die Behörden schauen mit Bangen auf den Frühjahrszug der Vögel und die Aufhebung der Wiederbesetzungssperren.“ Vor allem in bestimmten Regionen Niedersachsens seien Geflügelbetriebe nicht mit neuen Küken besetzt worden, nachdem ganze Bestände nach Vogelgrippe-Nachweisen getötet worden waren. Das senke die Dichte der Bestände vor allem in Gebieten mit sehr vielen Haltungen. Ab Februar, März würden diese Sperren aufgehoben, Wiederbelegungen durchgeführt und damit die Populationsdichte wieder steigen. „So dass dann auch parallel dazu wieder mehr Ausbrüche befürchtet werden“, erklärte Harder, der das Nationale Referenzlabor für Aviäre Influenza am FLI leitet. 

Experte: So viele Nachweise bei Wildvögeln wie nie zuvor 

Seit Anfang Oktober verzeichnet das FLI in Haltungen laut Harder mehr als 200 Ausbrüche der Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt. „Die Mehrzahl davon stammen aus dem November und Dezember letzten Jahres.“ Weiterhin gebe es aber drei bis fünf Ausbrüche pro Woche. Das Geschehen konzentriere sich aktuell eher auf Deutschland nördlich des Mains.

Insgesamt seien etwa drei Millionen gehaltene Tiere gekeult worden, 1,8 Millionen davon allein in Niedersachsen. Deutschlandweit seien das sehr hohe Zahlen, die aber auch schon in vorigen Seuchenzügen erreicht worden seien. 

Anders sehe es bei den Wildvögeln aus. „Wir haben seit erstem Oktober ungefähr zweieinhalbtausend positiv getestete Wildvögel. So viele haben wir vorher noch nie gehabt.“ Dabei sei die Dunkelziffer infizierter Vögel und auch verendeter Vögel wesentlich höher. „Von 100 verendeten Kranichen beprobt man vielleicht drei, vier, fünf.“ Allein die Zahl der in Deutschland verendeten Kraniche belaufe sich auf schätzungsweise knapp 20.000 Tiere. Ein derartiges Infektionsgeschehen bei Kranichen habe es hierzulande zuvor nicht gegeben. Zuletzt seien wieder verstärkt andere Arten betroffen, etwa Gänse, Greifvögel oder Schwäne. „Weiterhin gibt es regelmäßig Nachweise bei Wildvögeln eigentlich über das gesamte Bundesgebiet verteilt.“ 

Risiko für Wiederkäuer hierzulande wird als gering eingestuft

Zuletzt hatte der erste Vogelgrippe-Nachweis bei einer Kuh außerhalb der USA Aufsehen erregt. In der Milch eines Tieres in den Niederlanden waren Antikörper gegen den Erreger H5N1 gefunden worden. Dies ging aus einem Schreiben der niederländischen Agrarministerin an das Parlament hervor. Das Risiko schätzt das FLI nach eigenen Angaben trotz des neuen Falls für hiesige Wiederkäuer weiter als sehr gering ein – „solange es bei einem Einzelfall bleibt und weitere Untersuchungsergebnisse keine Hinweise auf eine weitere Viruszirkulation bei Rindern liefern“, hatte eine Sprecherin geschrieben.

Meckelnburg-Vorpommern

Geflügelpest in Bützow – Schutzzone eingerichtet

Alarm im Kreis Rostock: Welche Regeln jetzt für Hühner, Enten & Co. gelten und wie sich Halter vor dem Virus schützen können.

In einer privaten Geflügelhaltung in Bützow (Kreis Rostock) hat es einen Ausbruch der hochansteckenden Geflügelpest gegeben. Um zu verhindern, dass die Krankheit in andere Tierhaltungen übertragen wird, hat der Landkreis Vorkehrungen getroffen. Dazu gehört eine Schutzzone mit einem Radius von drei Kilometern um den betroffenen Betrieb sowie eine Überwachungszone mit einem Radius von zehn Kilometern.

In der Schutzzone liegen die Stadt Bützow mit dem Ortsteil Wolken sowie die Gemeinde Steinhagen mit dem Ortsteil Neuendorf, in der Überwachungszone die weiteren Gemeinden des Amtes Bützow-Land sowie Teile der Ämter Güstrow-Land und Schwaan.

In der Schutzzone müssen Geflügelhalter die Zahl der gehaltenen und verendeten Tiere sowie jede Veränderung dem Veterinäramt melden. Der Bestand muss täglich kontrolliert werden. Dazu muss das Geflügel vor Kontakt mit Wildvögeln geschützt und von Gewässern ferngehalten werden. Ist dies nicht möglich, gilt eine Stallpflicht.

Der Landkreis rät allen Geflügelhaltern dringend dazu, Fütterung und Tränken nur im Stall vorzunehmen – unabhängig davon, ob sie in einer der betroffenen Ortschaften wohnen.

Niedersachsen/Bremen

In Bremen und im Raum Goslar greifen jetzt strengere Regeln für Geflügelbetriebe. Was Landwirte jetzt beachten müssen.

Wegen Ausbrüchen der hochansteckenden Geflügelpest in Niedersachsen haben einige Regionen Vorgaben für Geflügelbetriebe verschärft. In einigen Stadtteilen Bremens und in Teilen des Landkreises Goslar gilt nun eine Überwachungszone, wie die Behörden mitteilten.

Welche Regionen betroffen sind 

Bremen reagiert damit auf einen Ausbruch der Tierkrankheit in einem Betrieb im Landkreis Oldenburg. Die Zone erstreckt sich auf die Stadtteile Werderland, Industriehäfen, Seehausen, Neustädter Hafen, Strom, Sodenmatt sowie auf Teile von Vegesack, Grohn, St. Magnus, Burg Gramke, Oslebshausen, Rablingshausen, Woltmershausen, Mittelshuchting und Kirchhuchting.

Der Landkreis Goslar verschärft teilweise die Vorgaben, weil in der Gemeinde Osterwiek im benachbarten Landkreis Harz in einem Geflügelbetrieb die Geflügelpest festgestellt wurde.

Wie gefährlich die Geflügelpest ist

In den betroffenen Regionen gelten ab sofort strikte Regel für Geflügelbetriebe. So müssen die Tiere im Stall bleiben, der nur mit besonderer Schutzkleidung betreten werden darf. Vögel, frisches Geflügelfleisch und Eier dürfen nicht ein- oder ausgeführt werden, teilte die Behörden weiter mit. Geflügelhalter sind außerdem verpflichtet, dem Veterinärdienst Details zu ihren Tieren zu melden.

Die Geflügelpest ist hochansteckend und nimmt bei vielen Vogelarten rasch einen tödlichen Verlauf. Für die Bevölkerung besteht nach Einschätzung des für Tierseuchen zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts kein besonderes Risiko. Doch der Kontakt zu toten Vögeln sollte in jedem Fall vermieden werden.