Von Büffeln in Brandenburg und modernen Impfkonzepten: Mit MKS ist immer zu rechnen19. Oktober 2026 Selbst nach über 100 Jahren intensiver Forschung immer aktuell: die Maul- und Klauenseuche. Sie gab den Anstoß für die Gründung des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems bei Greifswald, das am 10.10.1910 offiziell seine Arbeit aufnahm. Deutschland erlebte 2025 den ersten Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) nach vier seuchenfreien Jahrzehnten. Betroffen waren extensiv gehaltene Wasserbüffel auf einem kleinen Betrieb im Bundesland Brandenburg, direkt vor den Toren Berlins, wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erinnert. Epidemiologische Untersuchungen datierten den Zeitpunkt der Einschleppung des Virus auf Ende Dezember 2024. Obwohl der Eintragungsweg weiterhin ungeklärt ist, so das FLI, ist eine Einschleppung durch den Menschen z. B. über das Mitbringen viruskontaminierter Lebensmittel aus von der MKS betroffenen Ländern am wahrscheinlichsten. Woher kam das Virus und warum blieb die große Katastrophe aus? Genetische Analysen zeigten, dass das in Brandenburg aufgetretene MKS-Virus zur Viruslinie O/ME-SA/SA-2018 gehörte und nahezu identisch mit einem Virus war, das Ende November 2024 im Osten der Türkei nachgewiesen wurde. Die Untersuchungen belegen zudem, dass diese Viruslinie ursprünglich aus Südasien stammt. Es sich daraufhin über Westasien ausgebreitet hat und durch den Austausch genetischen Materials mit anderen MKS-Viren weiter verändert hat, wie das FLI erklärt. Eine Netzwerkanalyse ergab eine minimale Vernetzung der tierhaltenden Betriebe in der betroffenen Region. Ausbruchssimulationen sagten ein geringes Potenzial für eine Weiterverbreitung voraus. Dies bewahrheitete sich, da der deutsche Ausbruch letztendlich auf einen einzigen Bestand begrenzt blieb. Zudem konnte er durch die strengen behördlichen Maßnahmen schnell eingedämmt werden. Dennoch betont auch der begrenzte Ausbruch das ständige und unvorhersehbare Risiko einer Einschleppung des MKS-Virus. Angesichts der weltweiten Verbreitung der MKS sind eine frühzeitige Erkennung durch eine hohe Aufmerksamkeit von Tierhaltern und Tierärzten und routinierte Differentialdiagnostik ebenso wichtig wie das sofortige Handeln direkt nach einem Nachweis. Hierzu ist auch die internationale Zusammenarbeit von Veterinärbehörden, Laboren und Experten unerlässlich. MKS-Impfkonzept sollte im Europäischen Tiergesundheitsrecht etabliert werden Bei der Bekämpfung von Tierseuchen kann die Impfung eine zentrale Rolle spielen. Insbesondere bei MKS muss der Impfstoff auf das Ausbruchsvirus abgestimmt sein, um einen Schutz zu erzielen und eine Verbreitung zu minimieren. In der EU werden nach geltendem Recht allerdings auch die im Zuge der Tierseuchenbekämpfung geimpften Tiere letztendlich getötet. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) setzt sich dafür ein, gesunde geimpfte Tiere am Leben zu lassen und einer normalen Nutzung zuzuführen. Dies sollte entsprechend wieder im Europäischen Tiergesundheitsrecht verankert werden. Hierzu erschien jetzt in der Fachzeitschrift „Vaccine“ ein wissenschaftlicher Kommentar, der diese Forderung ausführlich begründet. Das MKS-Virus ist einer der gefürchtetsten und folgenschwersten Krankheitserreger bei Wiederkäuern und Schweinen weltweit. Es kann sich durch den grenzüberschreitenden Transport von Tieren, tierischen Erzeugnissen und Nebenprodukten rasch ausbreiten. Die wirtschaftlichen Folgen sind schwerwiegend. Denn zu den Bekämpfungsmaßnahmen gehören nicht nur Tötungen betroffener Bestände. Auch weitreichende und langwierige Transport- und Handelsverbote in vielen Bereichen der Agrar-, Lebensmittel- und Ernährungswirtschaft sind Teil des Maßnahmenpaketes. Insbesondere Drittländer stellen umgehend Importe aus betroffenen Staaten ein, betont das FLI. Geschichtsträchtiger Fakt: Friedrich Loeffler vermeldete am 10.10.1910 die Aufnahme der Forschungen zur MKS am heutigen Hauptstandort Insel Riems des nach ihm benannten Instituts. Das Thema MKS ist auch nach 116 Jahren nach wie vor aktuell.
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