Vorbeugung von Vorhofflimmern nach Bypass-Operation: Etablierte Praxis hinterfragen18. September 2024 Ab welchem Kaliumspiegel ist die Supplementierung nach einer Bypass-Operation wirklich nötig und hilfreich? Dieser Frage widmete sich die Studie TIGHT K. (Symbolfoto: ©luchschenF/stock.adobe.com) Die multizentrische Studie TIGHT K zeigt, dass geringere Kaliumgaben sicherer, schonender und kosteneffizienter zur Vorbeugung einer häufigen Komplikation nach Bypass-Operation sind. Vorhofflimmern ist eine häufige Komplikation nach Bypass-Operationen, die bei bis zu 30 Prozent der Patienten auftritt und das Risiko für weitere gesundheitliche Probleme sowie längere Krankenhausaufenthalte erhöht. Kalium spielt eine wesentliche Rolle bei der Regulierung des Herzrhythmus, weshalb es nach Herzoperationen oft zusätzlich in relativ hohen Dosen verabreicht wird, um das Risiko von Herzrhythmusstörungen zu verringern. Diese Praxis beruht jedoch nicht auf gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen und birgt Risiken: Denn eine übermäßige Kaliumzufuhr kann zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Kreislaufbelastungen sowie Magen-Darm-Beschwerden führen. Zudem ist die routinemäßige Kaliumgabe mit erheblichen Kosten verbunden, da sie kumulativ einen hohen personellen und materiellen Aufwand erfordert. Unter der Leitung von Prof. Benjamin O’Brien, Direktor der Klinik für Kardioanästhesiologie und Intensivmedizin am Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC), wurde deshalb die Studie TIGHT K durchgeführt. Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob die gängige Praxis, den Kaliumspiegel nach einer koronaren Bypass-Operation auf hohem Normalniveau zu halten, wirklich effektiv ist, um Vorhofflimmern nach der Operation zu verhindern. An TIGHT K beteiligten sich 1690 Patienten an 23 Herzchirurgie-Zentren in Großbritannien und Deutschland. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine Gruppe erhielt Kalium bereits ab einem Ausgangs-Spiegel von 4,5 mEq/L oder weniger, während die andere Gruppe Kalium erst dann verabreicht bekam, wenn der Kaliumspiegel niedriger war als der untere Grenzwert des Normalbereichs (<3,6 mEq/L). Zentrales Ergebnis der in „JAMA“ publizierten und auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in London (Vereinigtes Königreich) vorgestellten Studie ist, dass in beiden Gruppen nahezu identische Häufigkeiten von Vorhofflimmern nach der Bypass-Operation auftraten. Pro Patient konnten bei der niedriger dosierten Kaliumgabe im Durchschnitt rund 110 Euro eingespart werden. Angesichts der Gesamtzahl von mehr als 35.000 Bypass-Operationen pro Jahr in Deutschland könnte die entsprechende Modifikation der Standardtherapie einen erheblichen Beitrag zur Senkung der Gesundheitskosten leisten. „Unsere Ergebnisse haben das Potenzial, die klinische Praxis nach Herzoperationen grundlegend zu verändern“, sagt O’Brien, „im Sinne einer evidenzbasierten Medizin, die auch etablierte medizinische Praxis immer wieder auf den Prüfstand neuer Erkennisse stellt. Wir sehen hier großes Potenzial, sowohl die Patientenversorgung als auch die Ressourcennutzung weiter zu optimieren.“
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