Vorzeitiges Ovarialversagen: Chlorogensäure könnte die Behandlungsmöglichkeiten erweitern23. September 2025 Foto: © Gatot/stock.adobe.com Laut Forschern der Jilin University (China) könnte Chlorogensäure (CGA) als nicht hormonelle Therapie bei vorzeitigem Ovarialversagen (POF) dienen. POF ist eine komplexe Fortpflanzungsstörung, die durch beschleunigten Follikelschwund, hormonelle Ungleichgewichte und häufig oxidative Schäden verursacht wird. Die Erkrankung kann genetische, autoimmune, umweltbedingte oder iatrogene Faktoren haben, eine Heilung ist jedoch derzeit nicht möglich. Hormontherapie ist die Standardbehandlung, kann aber langfristige Gesundheitsrisiken, einschließlich Brustkrebs, erhöhen, erklären die Autoren eingangs. Oxidativer Stress, verursacht durch einen Überschuss an reaktiven Sauerstoffspezies (ROS), ist eine Hauptursache für das Absterben von Eierstockzellen. Antioxidantien wie Melatonin, Resveratrol und Curcumin zeigten in Tiermodellen eine schützende Wirkung. CGA ist eine in Kaffee, Obst und Gemüse reichlich vorhandene Verbindung. Sie hat starke antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften und schützt nachweislich Darm- und Nervenzellen vor oxidativen Schäden. Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Darmmikrobiota für die reproduktive Gesundheit stellten die Forscher die Hypothese auf, dass CGA sowohl die Eierstöcke schützen als auch das mikrobielle Gleichgewicht bei POF wiederherstellen könnte. Die neuen Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Animal Advances“ veröffentlicht. Versuch mit Mäusen In dieser Studie untersuchten Forscher die Auswirkungen von CGA auf POF bei D-Galaktose-induzierten Mäusen durch eine Kombination physiologischer, histologischer, biochemischer und mikrobiologischer Analysen. Körpergewicht und ovarielle Organkoeffizienten wurden aufgezeichnet, Östruszyklen durch tägliche Vaginalabstriche überwacht und Serumhormonspiegel sowie die ovarielle AMH-mRNA-Expression gemessen. Die Follikelentwicklung wurde durch Zählen verschiedener Follikelstadien und Gelbkörper beurteilt, oxidative Stressmarker wie Katalase (CAT), totale antioxidative Kapazität (T-AOC) und Malondialdehyd (MDA) wurden quantifiziert, die Apoptose von Granulosazellen durch Färbung nachgewiesen und die Expression von mit oxidativem Stress in Zusammenhang stehenden Proteinen (p-AKT, Nrf2, HO-1) untersucht. Die Zusammensetzung der Darmmikrobiota wurde mittels 16S-rDNA-Sequenzierung mit Diversitäts-, taxonomischen und Biomarkeranalysen profiliert und Korrelationen zwischen bakteriellen Taxa und POF-bezogenen Parametern ermittelt. Hormonhaushalt verbessert Die Ergebnisse zeigten, dass CGA zwar weder das Körpergewicht noch den ovariellen Organkoeffizienten veränderte, hochdosiertes CGA jedoch normale Östruszyklen wiederherstellte, den Hormonhaushalt verbesserte (niedrigere FSH- und LH-Werte, höhere E2- und AMH-mRNA) und die ovarielle Reserve durch die Zunahme gesunder Follikel und Gelbkörper bei gleichzeitiger Verringerung atretischer Follikel erhöhte. CGA steigerte die CAT- und T-AOC-Aktivität signifikant, senkte den MDA-Gehalt und regulierte p-Akt, Nrf2 und HO-1 hoch, was auf eine Aktivierung antioxidativer Abwehrmechanismen hindeutet, so die Autoren. Ihre Mikrobiota-Analysen ergaben weiterhin, dass CGA die Beta-Diversität in Richtung eines gesunden Profils verschob, schädliche Taxa (CGA873, UBA636, Robinsoniella, Escherichia, Enterobacterales A, Enterobacteriaceae A) reduzierte und nützliche Gattungen (Allobaculum, Ileibacterium, Blautia A) anreicherte, was positiv mit verbesserten Hormonspiegeln, Follikelzahlen und einem besseren Antioxidantienstatus korrelierte, während schädliche Taxa mit Markern für Eierstockschäden in Verbindung gebracht wurden. Mögliches Therapeutikum mit doppelter Wirkung Diese Ergebnisse deuten laut den Wissenschaftlern darauf hin, dass CGA bei POF-Mäusen gleichzeitig die Funktionsstörung der Eierstöcke und die Dysbiose des Darms lindern kann, was sein Potenzial als Kandidat für ein Therapeutikum mit doppelter Wirkung unterstreicht. Als natürlicher Bestandteil häufig konsumierter Lebensmittel stellt CGA zudem eine potenzielle Alternative oder Ergänzung zur Hormontherapie dar und kann die Behandlungsrisiken potenziell reduzieren, so die Forscher. Obwohl die aktuellen Ergebnisse aus Tiermodellen stammen, bieten sie eine mechanistische Grundlage für die Erforschung diätetischer oder ergänzender Interventionen bei menschlichen Patienten, betonen die Forscher abschließend. (ri/BIERMANN)
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