VSOU-Kongress zwischen Zeitenwende, Zukunft und Big-Waves

Kongress-Präsidentschaftsteam Markus Arand und Catharina Chiari. Foto:hr/BIERMANN

„Zeitenwende. Aufbruch in die Zukunft“ – unter diesem Motto startete am 16. April der VSOU-Kongress 2026 unter der Leitung von Prof. Markus Arand und Prof. Catharina Chiari. Ein Highlight war die feierliche Eröffnung mit dem inspirierenden Vortrag des Big-Wave-Surfers Freddy Olander.

Zeitenwende – ein Begriff, der den politischen und gesellschaftlichen Diskurs prägt, wie auch Dr. Bodo Kretschmann, erster Vorsitzender der Vereinigung Süddeutsche Orthopädie und Unfallchirurgie (VSOU), in seinem Grußwort betonte. Sicherheiten seien brüchiger, Gewissheiten würden neu verhandelt, führte er weiter aus. Aber die Neugestaltung von Systemen sei auch „eine Chance unsere Zeitenwende“ zu gestalten. Der Kongress sei ein Ort für kluge Analysen, kontroverse Diskussionen und den Mut, neue Wege zu gehen.

„Fantastisches Programm“ auf dem VSOU-Kongress 2026

„Neue Wege gehen“ ist gleichzeitig das Motto des kommenden DKOU im Oktober in Berlin – „als wäre es abgesprochen“, so Dr. Wolfgang Böker, einer von drei DKOU-Präsidenten scherzhaft. Er verriet, dass er immer sehr gerne nach Baden-Baden komme. Der Kongress könne in diesem Jahr mit „einem fantastischen Programm“ aufwarten, das alle aktuell wichtigen Themen abdecke, hob DKOU-Kongresspräsident Prof. Frank Hildebrand hervor. Der dritte DKOU-Kongresspräsident Dr. Jörn Dohle ergänzte, dass sowohl der VSOU-Kongress als auch der DKOU bewiesen, dass keinesfalls nur noch Spezial-Kongressen die Zukunft gehöre.

So sieht es auch die österreichische Kongresspräsidentin Chiari: „Generalisten-Kongresse galten als abgeschafft – ich sehe das anders.“ Es sei schön, alle ins Boot zu holen. Und der VSOU-Kongress 2026 steht für sie als Zeichen eines Zusammenrückens der Region Deutschland/Österreich/Schweiz (DACH). So bezeichnete auch Kretschmann den Kongress als „Auftakt für einen DACH-Kongress“, man wolle sich öffnen.

Für Chiari hatte das Schlagwort „Zeitenwende“ aus dem Kongress-Motto auch eine persönliche Bedeutung. Sie sei nach Prof. Andrea Meurer und Prof. Tina Histing, die 2014 beziehungweise 2025 die Tagungsleitung innehatten, wieder eine Kongresspräsidentin und das sei eine „zeitgemäße Entwicklung“. Kongresspräsident Arand verband mit dem Begriff Zeitenwende vor allem berufspolitische Themen – etwa die Finanzierung der Kliniken, Mitarbeitergewinnung oder die Integration fremdsprachlicher Mitarbeiter. All diese Themen spiegeln sich auch im Programm des VSOU-Kongresses 2026 wider.

Kongress-Highlights: „Wenn was schief gelaufen ist“ und KI

Dabei griff Arand vor allem zwei Sessions am Samstag, den 18. April heraus. Zum einen die Prime-Time-Session „Mein schwierigster Fall: Wie agieren, wenn was schief gelaufen ist?“. Hier werden zwei Fälle vorgestellt, auch juristisch eingeordnet und diskutiert. Als Zweites legte der Kongresspräsident dem Publikum die Sitzung „Prime-Time: KI“ nahe. Denn Arand ist sich sicher: „Das Thema KI wird die Welt komplett und nachhaltig auf den Kopf stellen“.

Zum Thema der Keynote auf dem VSOU-Kongress 2026 hat Arand einen ganz persönlichen Bezug. Er erzählte von einem Surf-Erlebnis im Urlaub, als ihn „eine Welle voll erwischt“ habe. „Ich bin da glücklich wieder herausgekommen, aber ich möchte auch meine Bewunderung teilen, für das was ihr da macht“, richtete sich Arand an den Big-Wave-Surfer Freddy Olander, den Keynote-Speaker auf der Eröffnungsveranstaltung.

Big-Wave-Surfer Freddy Olander. Foto: hr/BIERMANN

Der in Berlin geborene Olander, der inzwischen in Nazaré in Portugal lebt, fand als Teenager zum Surfen. Aus dem Urlaubs-Hobby wurde später eine Leidenschaft, die im Laufe der Zeit durch eine noch größere Leidenschaft abgelöst wurde: Big-Wave-Surfen. „Ich beschreibe meine Leidenschaft gerne als Emotionsbad“, so Olander über seine Faszination das Big-Wave-Surfen. Er betrieb den Extremsport für mehrere Jahre bevor er recht spät – mit Mitte 30 – beschloss, den Sport professionell auszuüben.

Big-Wave-Surfen – Teamarbeit und Risikomanagement

Die speziellen besonders hohen Wellen kommen an bestimmten Orten, zu bestimmten Zeiten vor. Die höchsten Big Waves – bis zu 30 Meter und mehr – kann man in Nazaré erleben. Wie Olander ausführte, braucht es ein Team, um auf diesen wirklich großen Wellen zu surfen, so müsse sich der Surfer von einem Jet-Ski ziehen lassen und es brauche Jet-Ski und Fahrer für Rettungseinsätze. All das funktioniere nur auf Vertrauensbasis, denn der Sport ist lebensgefährlich. Deshalb sei auch das Risikomanagement enorm wichtig, wie der Wellen-Profi betonte.

„Das Risiko zu kalkulieren ist ungemein schwierig in unserem Sport.“ Jede Welle und jede Situation sei anders. Es gehe darum Risiken zu minimieren und sich vorzubereiten. Das bedeute Prozesse und Prozeduren so lange zu üben, bis jedes Teammitglied wisse, was im Notfall zu tun sei, so Olander weiter. Zur Vorbereitung gehörten aber auch nachhaltiges körperliches Training und die „Justierung des Mindsets“: Dabei gehe es darum, sich das eigene Mindset und sowie die eigenen Reaktionsmuster bewusst zu machen, erläuterte Olander in seiner Keynote zum VSOU-Kongress 2026. (ja/BIERMANN)