Wachsendes Risiko für Mütter und Babys ohne bessere Versorgung bei Typ-2-Diabetes

Forschende aus Großbritannien und Irland fordern dringende Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung von Frauen mit früh einsetzendem Typ-2-Diabetes vor, während und nach der Schwangerschaft. (Symbolbild: © nataliaderiabina/stock.adobe.com)

Forschende aus Großbritannien und Irland fordern dringende Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung von Frauen mit früh einsetzendem Typ-2-Diabetes vor, während und nach der Schwangerschaft, um dem wachsenden Risiko für Mütter und Babys entgegenzuwirken.

Der Aufruf folgt einer neuen Konsenserklärung, die von einer Expertengruppe aus Klinikern und Forschern aus Großbritannien und Irland erarbeitet wurde. Die Erklärung benennt kritische Wissenslücken und klare Prioritäten für zukünftige Forschung, um Frauen und ihre Babys besser zu unterstützen.

Dr. Sara White, Oberärztin für Frauengesundheit und Diabetes am King’s College London, erklärt: „Typ-2-Diabetes bei Frauen im gebärfähigen Alter nimmt zu, doch die Evidenz für eine sichere und wirksame Betreuung während der Schwangerschaft ist begrenzt. Aus der Erfahrung von Klinikern und Frauen mit Diabetes wissen wir, dass eine Diagnose von Typ-2-Diabetes in jungen Jahren das Risiko schwerwiegender Komplikationen während der Schwangerschaft sowie langfristiger Gesundheitsprobleme für Mutter und Kind erhöht. Dennoch konzentrierte sich die Forschung bisher hauptsächlich auf die Blutzuckereinstellung während der Schwangerschaft. Weitaus weniger Aufmerksamkeit wurde der Vorbereitung von Frauen auf die Schwangerschaft, der Unterstützung nach der Geburt und dem Verständnis der umfassenderen sozialen Faktoren, die die Gesundheitsergebnisse beeinflussen, gewidmet.“

Die kürzlich in der Fachzeitschrift „Diabetic Medicine“ veröffentlichte Konsensuserklärung fasst die Ergebnisse dreier umfangreicher systematischer Übersichtsarbeiten sowie die Diskussionen von Experten und Publikum auf der Jahrestagung von Diabetes UK im Jahr 2025 zusammen. Sie unterstreicht die dringende Notwendigkeit, die Konzeption und Durchführung der Versorgung dieser Frauengruppe zu überdenken.

Ungedeckte Bedürfnisse bei früh einsetzendem Typ-2-Diabetes

Claire Meek, Professorin für Chemische Pathologie und Diabetes in der Schwangerschaft an der University of Leicester, erklärte, der Mangel an Evidenz führe dazu, dass sowohl Frauen als auch Ärzte während der Schwangerschaft unzureichend unterstützt würden. Sie sagte: „Frauen mit früh einsetzendem Typ-2-Diabetes haben oft schon in jungen Jahren komplexe gesundheitliche Bedürfnisse, doch die bestehenden Systeme sind nicht auf diese Realität ausgelegt. Wir brauchen eine koordinierte, evidenzbasierte Versorgung, die vor der Schwangerschaft beginnt, nach der Geburt fortgesetzt wird und die vielfältigen sozialen und kulturellen Barrieren berücksichtigt, mit denen viele Frauen konfrontiert sind.“

Die Gruppe benennt mehrere Prioritätsbereiche, in denen Forschung und Veränderungen im Gesundheitswesen unmittelbare Wirkung zeigen könnten. Dazu gehören ein verbesserter Zugang zur präkonzeptionellen Beratung, die Förderung eines gesunden Gewichts vor, während und nach der Schwangerschaft sowie eine optimierte Nachsorge nach der Geburt, um langfristige Risiken wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren. Die Erklärung betont außerdem, wie wichtig es sei, Ungleichheiten im Zusammenhang mit sozialer Benachteiligung, ethnischer Zugehörigkeit, Sprachbarrieren und eingeschränktem Zugang zur Gesundheitsversorgung anzugehen.

Erfahrungen der Frauen in den Mittelpunkt stellen

Forschende heben hervor, dass die Erfahrungen von Frauen im Mittelpunkt zukünftiger Arbeit stehen müssen. Viele Frauen berichten, sich verurteilt oder stigmatisiert zu fühlen, unzureichend über Schwangerschaftsrisiken informiert zu sein und nach dem Ende der spezialisierten Mutterschaftsvorsorge keine Unterstützung zu erhalten.

Dr. Rita Forde, Dozentin an der Fakultät für Pflege und Hebammenwesen des University College Cork, ergänzt: „Mit einer gemeinsamen Forschungsagenda wollen wir gemeinsam mit Frauen und ihren Gemeinschaften entwickelte Studien beschleunigen, die die Lebensqualität dieser Frauen und ihrer zukünftigen Kinder verbessern.“

Die Konsenserklärung fordert Geldgeber, politische Entscheidungsträger und Verantwortliche im Gesundheitswesen zum sofortigen Handeln auf und warnt davor, dass ohne gezielte Investitionen die Zahl vermeidbarer Schäden für Frauen und Babys parallel zur zunehmenden Verbreitung von Typ-2-Diabetes im frühen Kindesalter weiter steigen wird.

Auch in Deutschland gewinnt früh einsetzender Typ‑2-Diabetes bei Frauen im gebärfähigen Alter an Bedeutung. Bisher fehlen jedoch flächendeckende, evidenzbasierte Versorgungsstrukturen, die Frauen vor, während und nach der Schwangerschaft optimal unterstützen. Die Erkenntnisse aus Großbritannien und Irland können hier wichtige Impulse für die Weiterentwicklung patientinnenzentrierter Betreuung liefern.

(lj/BIERMANN)

Außerdem interessant zum Thema Diabetes und Schwangerschaft:

GLP‑1‑Rezeptoragonisten in der Frühschwangerschaft: Risiko nur bei Diabetesbehandlung