Warum atopische Ekzeme häufig im Kindesalter beginnen13. März 2026 © Halfpoint – stock.adobe.com (Symbolbild) Forschende haben einen Mechanismus im frühkindlichen Immunsystem identifiziert, der die Entstehung atopischer Ekzeme erklären könnte. Bestimmte Immunzellen reagieren in dieser Lebensphase besonders sensibel auf Allergene. Atopische Ekzeme betreffen nahezu jedes vierte Kind und treten häufig bereits früh im Leben auf. Sie können zudem anderen allergischen Erkrankungen, darunter Asthma und Nahrungsmittelallergien, vorausgehen. Bislang war jedoch unzureichend verstanden, warum die Erkrankung so eng mit der frühen Kindheit verknüpft ist. Ein Forschungsteam von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York (USA) hat einen zentralen biologischen Mechanismus identifiziert, der erklärt, warum atopische Ekzeme so häufig bereits im Kindesalter auftreten. Die in einem jungen Mausmodell durchgeführte Studie zeigte, dass bestimmte Immunzelltypen in der Haut der frühen Lebensphase deutlich reaktiver sind als im Erwachsenenalter, was zur erhöhten Anfälligkeit von Kindern für Entzündungen und allergische Hauterkrankungen beitragen könnte. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden in „Nature“. Zeitfenster mit erhöhter Vulnerabilität „Wir haben gezeigt, dass das Allergierisiko sehr früh im Leben geprägt wird, wenn das Immunsystem der Haut biologisch darauf programmiert ist, übermäßig stark auf Allergene zu reagieren – mit weitreichenden Konsequenzen für das Verständnis der Entstehung und Behandlung immunvermittelter Erkrankungen“, sagt die Letztautorin Dr. Shruti Naik von der Icahn School of Medicine. „Indem wir die Zellen und hormonellen Signale identifizieren, die dieses kritische Zeitfenster erhöhter Vulnerabilität steuern, eröffnen wir die Möglichkeit, Strategien zu entwickeln, die allergische Erkrankungen verhindern können, bevor sie sich im Sinne des atopischen Marsches von der Haut auf Lunge, Gastrointestinaltrakt und andere Organe ausbreiten“. Die Forschenden stellten fest, dass ein spezifischer Immunzelltyp, die dendritische Zelle, in der Haut junger Mäuse anders funktioniert als bei Erwachsenen. Diese Zellen reagieren nicht auf sämtliche Reize überschießend – treffen sie jedoch auf Allergene, antworten sie schneller und ausgeprägter und bereiten so früh im Leben den Boden für Entzündung und atopisches Ekzem. In erwachsener Haut sind dieselben Zellen deutlich weniger reaktiv. Um zu verstehen, warum Allergien häufig bereits im frühen Kindesalter beginnen, setzten die Forschenden neugeborene Mäuse Alltagsallergenen wie Hausstaubmilben und Schimmel aus. Im Gegensatz zu erwachsenen Mäusen entwickelten die Jungtiere eine ausgeprägte kutane Entzündung, was auf ein kurzes frühkindliches Zeitfenster hinweist, in dem das Immunsystem der Haut besonders empfindlich ist. Dendritische Zellen lösen allergische Reaktionen aus Die Forschenden führten diese Reaktion auf dendritische Zellen zurück, die kurz nach der Geburt außergewöhnlich aktiv sind und allergische Entzündungsreaktionen auslösen. Wurde dieser Signalweg blockiert, entwickelten die Jungtiere keine allergischen Hautreaktionen. Das Team fand zudem heraus, dass Säuglinge nicht über normale Spiegel von Stresshormonen, insbesondere Glucocorticoiden, verfügen, die später dazu beitragen, Immunreaktionen zu begrenzen, sodass sich allergische Reaktionen in dieser Phase leichter etablieren können. Bemerkenswerterweise konnten Anzeichen derselben immunologischen Aktivität in Hautproben von Kindern mit früh beginnendem atopischem Ekzem, nicht jedoch in Proben Erwachsener nachgewiesen werden, was darauf hindeutet, dass dieses frühkindliche Zeitfenster auch beim Menschen von Bedeutung ist. Besonderheiten des frühkindlichen Immunsystems „Diese Arbeit war nur durch eine echte Klinik-zu-Labor-Kooperation möglich – Erkenntnisse aus der pädiatrischen Versorgung haben die Fragestellungen im Labor maßgeblich beeinflusst“, so Mitautorin Dr. Emma Guttman-Yassky von der Icahn School of Medicine. Indem die Forschenden allergische Erkrankungen dort untersuchten, wo sie tatsächlich beginnen – im frühen Leben – und klinisch relevante Allergene und Krankheitsmerkmale modellierten, konnten sie Immunmechanismen identifizieren, die in Erwachsenenmodellen gar nicht auftreten. Durch die Aufdeckung der Besonderheiten des frühkindlichen Immunsystems wurde verständlich, warum atopische Ekzeme so häufig bereits im Säuglingsalter beginnen. „Über das atopische Ekzem hinaus unterstreicht diese Studie einen zentralen Aspekt der Medizin“, sagt Naik. „Kinder sind immunologisch keine kleinen Erwachsenen. Ihr Immunsystem folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten, und das Bewusstsein für diese Unterschiede ist entscheidend, um allergische, immunvermittelte Erkrankungen, die im Kindesalter beginnen, zu verstehen und letztlich zu verhindern“. Als nächstes planen die Forschenden, Möglichkeiten zu prüfen, diese frühkindlichen Immunwege zu blockieren, um allergische Erkrankungen zu stoppen, bevor sie sich von der Haut auf andere Organe ausbreiten. (ins)
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