Warum die Vogelgrippe in Rheinland-Pfalz und andernorts ein Risiko bleibt22. Januar 2026 (Symbolbild) Foto: © davit85 – stock.adobe.com Nur wenige Tiere haben sich in den vergangenen Tagen mit der Vogelgrippe nachweislich angesteckt. Dennoch gibt es keine Entwarnung. In Mittelhessen werden nach einem Vogelgrippe-Verdacht Sicherheitsmaßnahmen für Geflügelbetriebe erneut betont. Es gibt deutlich weniger neue Fälle der Vogelgrippe in Rheinland-Pfalz. Doch Expertinnen und Experten warnen davor, die Verbreitung der Krankheit als beendet anzusehen. Wie ist die aktuelle Lage in Rheinland-Pfalz? Nach Angaben des Landesuntersuchungsamtes (LUA) Rheinland-Pfalz gab es seit Oktober 2025 bis vergangenen Freitag Nachweise des Virus bei 102 Wildvögeln und zwei Geflügelhaltungen. Momentan stagnieren demnach die Fallzahlen praktisch. Mit Stand Freitag gibt es auch fast keine Aufstallungspflicht mehr in den Landkreisen. Diese gilt laut LUA nur noch für alle Geflügelhaltungen in den Gemeinden Eich, Gimbsheim und Hamm (Kreis Alzey-Worms) sowie in Worms. Ist dann jetzt wieder alles gut? Nicht wirklich. „Vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) wird das Risiko der Aus- und Weiterverbreitung des Erregers der Geflügelpest in wild lebenden Wasservogelpopulationen innerhalb Deutschlands noch immer als hoch eingeschätzt – ebenso das Risiko von Einträgen in Geflügelhaltungen durch direkte und indirekte Kontakte zu infizierten Wildvögeln“, heißt es vom LUA. „Wir werden achtsam bleiben müssen“, sagt Uta Wettlaufer-Zimmer, Tierärztin und Leiterin der Tiergesundheitsdienste beim LUA. Sie geht davon aus, dass das Virus erhalten bleibe. „Wir haben unterschiedliche Stämme, die in unterschiedlichen Regionen unterwegs sind“, sagt sie. Welche Rolle spielen Wasservögel und Zugvögel? „Das Problem ist, wenn wir dann so einen einzelnen Tümpel haben, wo diese Tiere verenden, dann müssen wir davon ausgehen, dass im Oberflächenwasser sich der Erreger noch eine Zeit lang hält“, erklärt die Tierärztin. Heißt: Gerade dort kann sich das Virus leichter übertragen. Guido Andres, Vorsitzender des Geflügelwirtschaftsverbandes Rheinland-Pfalz sagt: „Wir rechnen damit, dass wir vielleicht mal vier bis sechs Wochen Ruhe drin haben. Wir haben alle sehr große Bedenken, wenn der Vogelzug wieder losgeht.“ Dann könnten die Tiere hier wieder auf verseuchte Tiere treffen, vor allem, wenn sie an Gewässer gehen. Wie gehen Zoos & Co. damit um? Luisa Weich von der Falknerei Bad Marienberg hatte die Falknerei vergangenes Jahr zeitweise komplett geschlossen. Es hätten auch nur ausgewählte Helfer Zugang gehabt, und es habe strenge Hygienemaßnahmen gegeben, berichtet sie. Auch die Dächer seien geschlossen gewesen. Mittlerweile sind wieder auf. „Wir haben gerade Wintersaison. Aber so langsam machen wir die Tore wieder auf“, sagt Weich. Am 8. März soll es auch mit Besuchen wieder losgehen. Sorge macht ihr auch der Zug der Vögel. „Wir warten mal ab, wenn der Zug wieder zurückkommt“, sagt sie. Im Zweifel müsse man dann kurzfristig reagieren. Zoos haben gelernt mit der Vogelgrippe zu leben Im Zoo Neuwied wurden Mitarbeitende geschult, teilte der Zoo auf Anfrage mit. Auch auf Arbeitskleidung, Werkzeugnutzung und Desinfektionsregeln wurde demnach geachtet. Dem Zoo sei wichtig, Vögel vor einer Ansteckung zu schützen. „Aus diesem Grund sind all diejenigen Arten und Individuen, die ein längerer Aufenthalt in Innenbereichen oder solchen Gehegen, zu denen Wildvögel keine Zugangsoptionen haben, nicht beeinträchtigt, seit zweieinhalb Monaten in eben solchen Bereichen untergebracht.“ Wegen des abgeflachten Geschehens hätten einige Vogelgruppen wie Laufvögel, Hokkos und Kraniche derzeit aber regulären Zugang zu ihren Außenanlagen. Der Zoo behalte das Zuggeschehen im anstehenden Frühjahr im Blick und könne dann innerhalb von Stunden reagieren, sollte das Geschehen wieder aufflammen, schreibt ein Sprecher. „Mindestens bis dahin werden wir unser Sicherheitskonzept weiter bestehen lassen – was für unsere Gäste beinhaltet, dass derzeit nicht alle Vogelarten zu sehen sind.“ Ist die Vogelgrippe für Menschen gefährlich? „Ein konkretes Gesundheitsrisiko für den Menschen oder für andere Tiere geht von ihnen nach derzeitiger Einschätzung nicht aus“, schreibt das Landesuntersuchungsamt. „Berührt werden sollten tote Vögel aber auf keinen Fall, um möglicherweise vorhandene Viren nicht weiterzuverbreiten.“ In Deutschland ist noch kein Fall bei einem Menschen bekannt geworden, wie das Robert Koch-Institut schreibt. „Ob sich ein bestimmtes Vogelinfluenzavirus genetisch so verändern und an den Menschen anpassen kann, dass es von Mensch zu Mensch übertragbar wird, lässt sich nicht vorhersagen.“ Tierärztin Wettlaufer-Zimmer sagt: „Wir müssen darauf achten, dass es nicht auf die Menschen überspringt.“ Deshalb gebe es auch die klare Ansage der Ständigen Impfkommission, dass sich Menschen mit Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln die saisonale Grippeimpfung geben lassen sollten. Das verhindere laut Tierärztin vor allem das Risiko, dass ein Mensch gleichzeitig beide Influenzaviren in sich trage – also den bereits in Menschen verbreiteten und den Auslöser der Vogelgrippe. Denn dann könnte sich das Virus an den Menschen anpassen. Hessen Vogelgrippe-Verdacht: Bauernverband mahnt zur Vorsicht Nach einem Verdacht auf Vogelgrippe und der Tötung von 19.000 Masthähnchen in einem Betrieb in Mittelhessen ruft der Hessische Bauernverband die Betriebe erneut zu Sicherheitsmaßnahmen auf. Nötig sei eine engmaschige Überwachung der Bestände und die sofortige Meldung von Auffälligkeiten wie einer erhöhten Sterblichkeit, erklärte eine Verbandssprecherin auf Anfrage. Auch Funde verendeter Wildvögel sollten umgehend gemeldet und die Sicherheitsmaßnahmen wie Hygieneregeln und Zugangskontrollen strikt eingehalten werden. Das Veterinäramt des Landkreises Gießen hatte die Tötung der Masthähnchen in dem Betrieb im Hungener Stadtteil Utphe angeordnet. Bei Untersuchungen des Landesbetriebs Hessisches Landeslabor war der Erreger H5 nachgewiesen worden. Nun stehen noch Ergebnisse des Friedrich-Loeffler-Instituts aus, die nach Worten eines Kreissprechers in Kürze vorliegen dürften. Schutzmaßnahmen wurden erst im Dezember aufgehoben Das Veterinäramt bereitet eine Schutzzone mit drei Kilometern Radius sowie eine Überwachungszone mit zehn Kilometern Radius rund um den Betrieb im Stadtteil Utphe vor. „Damit sind Beschränkungen für das Verbringen von Geflügel und Geflügelprodukten sowie die Pflicht zur Aufstallung verbunden“, hatte der Landkreis erklärt. Da sich die Zonen auch auf einen Teil des nahen Wetteraukreises erstrecken, sei man mit dortigen Behörden in Abstimmung, so der Sprecher. Erst im Dezember hatte der Landkreis die zuvor dort wegen der Geflügelpest geltenden Allgemeinverfügungen wieder aufgehoben. Damit war unter anderem die Stallpflicht für Geflügel wieder aufgehoben worden. Zu früh sei es für diesen Schritt aber nicht gewesen, sagte der Sprecher. Zum einen sei der größte Teil des Vogelzuges vorüber gewesen, zum anderen habe es keine gehäuften Totfunde oder Erreger-Nachweise von Wildvögeln mehr gegeben. Man habe zudem darauf hingewiesen, dass der Erreger nicht verschwunden sei. Ähnlich äußerte sich auch der Bauernverband. „In Hungen haben wir die Besonderheit, dass mehrere Seen in der Region sind, an denen Wildvögel überwintern oder rasten. Damit dürfte sich der Infektionsdruck in der Luft erhöht haben.“ Es sei anzunehmen, dass sich die Situation verschärfen könnte, wenn die Zugvögel wieder in die Sommerquartiere ziehen, noch lasse sich dies aber nicht sagen. Auch in der Wetterau mussten 2.700 Tiere getötet werden Wie der Erreger tatsächlich in den Hungener Geflügelbestand kam, sei bislang nicht nachvollziehbar, sagte der Landkreis-Sprecher. Der Betrieb habe vorbildlich gehandelt. Seit den ersten Nachweisen der Vogelgrippe in Hessen im vergangenen Herbst hatte es noch einen weiteren Betrieb in Hessen getroffen, und zwar in Rockenberg im Wetteraukreis. Dort mussten 2.700 Tiere getötet werden. Mehrere Landkreise haben derweil die Stallpflicht für Geflügel aufgehoben. In den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und im Kreis Offenbach gilt das nach Angaben der Pressestellen seit Montag. Schon seit Sonntag darf Geflügel in der Landeshauptstadt Wiesbaden ebenfalls wieder ins Freie gelassen werden, wie die Stadt bekanntgab. In einigen anderen hessischen Landkreisen wurde die Stallpflicht bereits Anfang Januar aufgehoben, darunter der Schwalm-Eder-Kreis, der Kreis Bergstraße und die Landkreise Marburg-Biedenkopf, Groß-Gerau und Darmstadt-Dieburg. Kreis Gießen hob die Stallpflicht im Dezember auf Im Landkreis Kassel und dem gesamten Gebiet der Stadt Kassel erfolgte die Aufhebung der Stallpflicht am 14. Januar. Dasselbe gilt auch für die Stadt Frankfurt und den Rheingau-Taunus-Kreis. Im Werra-Meißner-Kreis endete die Stallpflicht bereits am 12. Januar. Bereits im Dezember hatten neben dem Kreis Gießen auch der Main-Taunus-Kreis, der Hochtaunuskreis, der Vogelsbergkreis und der Landkreis Limburg-Weilburg die Stallpflicht aufgehoben. Brandenburg Neuer Fall der Vogelgrippe: Im Osten Brandenburgs ist eine Putenmast betroffen. 18.000 Tiere werden getötet. Nach einem Abflauen der Vogelgrippe-Welle ist die Tierseuche bei einem Putenmast-Betrieb mit 18.000 Tieren im Kreis Märkisch-Oderland ausgebrochen. Die Tiere müssen getötet werden. Das Friedrich-Loeffler-Institut als nationales Referenzlabor bestätigte das Virus, wie das Agrarministerium am Nachmittag mitteilte. Seit Oktober ist es der 16. Vogelgrippe-Fall in Betrieben in Brandenburg. Die nun betroffene Putenmast liegt laut Kreisverwaltung bei Manschow, einem Ortsteil der Gemeinde Küstriner Vorland, nicht weit von der polnischen Grenze entfernt. Eine Sperrzone mit Auflagen für Geflügelhalter wird eingerichtet. Landkreis: Tausende Wildgänse an der Oder Die Geflügelpest, auch Vogelgrippe genannt, ist eine bei vielen Vogel- und Geflügelarten häufig tödlich verlaufende Infektionskrankheit. Wildvögel können das hochansteckende Virus H5N1 in große Geflügelbetriebe einschleppen. Derzeit sammelten sich Tausende Wildgänse an der Oder, sagte eine Sprecherin des Landkreises Märkisch-Oderland. Welle von Ausbrüchen im vergangenen Herbst Seit Anfang September gab es in Deutschland eine Vielzahl von Geflügelpest-Ausbrüchen in Agrarbetrieben. In Brandenburg mussten im Herbst wegen der Tierseuche bislang um die 200.000 Tiere getötet werden, vor allem Gänse, Enten, Puten und Hühner. Zuletzt mussten im Dezember 26.500 Tiere in einer Hühnerzucht im Kreis Havelland getötet werden. Thüringen Deutliche Entspannung bei Geflügelpest in Thüringen: Im vergangenen Herbst hat die Vogelgrippe die Thüringer Geflügelhalter in Atem gehalten. Nun hat sich die Situation entspannt – aber nicht überall. Nach den großen Vogelgrippe-Ausbrüchen im Herbst hat sich die Lage in Thüringen entspannt. Seit Anfang des Jahres sei das H5N1-Virus lediglich viermal festgestellt worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Dabei handle es sich um Schwäne im Unstrut-Hainich-Kreis. Hausgeflügelbestände seien derzeit nicht betroffen. Im vergangenen Herbst hatte die Geflügelpest unter anderem unter Kranichen am Stausee Kelbra grassiert und Hunderte Todesfälle verursacht. Auch mehrere Geflügelbetriebe waren betroffen. In weiten Teilen des Freistaats galt eine Stallpflicht für Geflügel. Die ist inzwischen fast überall aufgehoben. In zwei Ortsteilen im Eichsfeld gibt es laut Ministerium aber aktuell wieder strengere Vorgaben für Geflügelhalter. Hintergrund ist ein Ausbruch in einem Legehennenbestand im nahen Landkreis Göttingen in Niedersachsen.
Mehr erfahren zu: "Tiergesundheit erfordert mehr Zeit am Tier und vernünftige Gebühren" Tiergesundheit erfordert mehr Zeit am Tier und vernünftige Gebühren Die Tiergesundheit hat eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung – sowohl in der Lebensmittelproduktion und -sicherheit als auch für Haustiere und ihre Besitzer. Sie ist aber auch entscheidend für die nationale Sicherheit, […]
Mehr erfahren zu: "Städte verändern das tierische Sozialverhalten" Städte verändern das tierische Sozialverhalten Städte wirken massiv auf das soziale Miteinander von Tieren. Eine Übersichtsarbeit von Wissenschaftlerinnen der Universität Bielefeld zeigt: Urbanisierung verändert das tierische Sozialverhalten von der Wahl der Partner bis zum Zusammenleben […]
Mehr erfahren zu: "Der letzte Stachelbilch Europas" Der letzte Stachelbilch Europas Ein Team des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und der Ludwig-Maximilians-Universität München findet einen 11,6 Millionen Jahre alten Nachweis des Nagetiers in der Fundstelle […]