Was fördert die Aggressivität kindlicher Neuroblastome?

FOXR2 produzierende Neuroblastom-Zellen einer Zelllinie. (Quelle: F. Schmitt-Hoffner/KiTZ)

Wissenschaftler des Hopp-Kindertumorzentrums Heidelberg (KiTZ), des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Universität Heidelberg haben einen wichtigen Schlüssel zur aggressiven Ausbreitung von Neuroblastomen gefunden: FOXR2 heißt das Protein, das auch Rückschlüsse auf den Krankheitsverlauf bei diesen häufigen kindlichen Tumoren zulässt.

In ihren aktuell veröffentlichten Arbeiten, konnten die Forscher des Hopp-Kindertumorzentrums Heidelberg (KiTZ) und des Deutschen Krebsforschungszentrums nicht nur den Einfluss von FOXR2 auf das aggressive Wachstum von Neuroblastomen nachweisen, sondern auch einen Zusammenhang zwischen FOXR2 und einem weiteren, bereits zuvor bekannten Krebstreiber in Neuroblastomen erkennen: Das Protein MYCN blockiert die Entwicklung von Vorläuferzellen in reife Nervenzellen, so ass sie unbegrenzt teilungsfähig bleiben und zu bösartigen Krebszellen entarten können.

„Wir haben in unseren Studien herausgefunden, dass die MYCN-Konzentrationen in FOXR2-bildenden Tumoren stark erhöht sind und dass MYCN durch FOXR2 stabilisiert wird“, sagt Felix Schmitt-Hoffner, Wissenschaftler am KiTZ und Erstautor der Publikation. „Die übermäßige Produktion von MYCN ist ein bereits bekannter Risikofaktor in Neuroblastomen. Bei dem Stabilisierungseffekt durch FOXR2 könnte es sich um einen alternativen Mechanismus handeln, der den MYCN-Spiegel auch ohne die genomische Vervielfältigung des MYCN-Gens in die Höhe treibt.“ Die Daten der wissenschaftlichen Untersuchung stammen aus der Analyse mit Tumorproben von insgesamt 1030 Patienten.

„Mit FOXR2 haben wir einen unabhängigen prognostischen Faktor identifiziert, der bei Kindern mit Neuroblastomen die Einteilung in Risikogruppen weiter verbessern kann“ erläutert Marcel Kool, Arbeitsgruppenleiter am KITZ und am DKFZ. „Außerdem könnten unsere Erkenntnisse zur Stabilisierung von MYCN durch FOXR2 die schlechten Prognosen einiger Betroffenen erklären und Ansatzpunkte für neue therapeutische Ansätze liefern.“ FOXR2 ist bei etwa neun Prozent der Neuroblastom-Patienten vorhanden und meist mit einer schlechten Prognose verbunden.

KiTZ-Wissenschaftler Frank Westermann, Abteilungsleiter am DKFZ und ebenfalls Leiter der Studie ergänzt: „Um die Erkenntnisse für neue therapeutische Ansätze zu nutzen, suchen wir nun gezielt nach Wirkstoffen, die sich gegen FOXR2 richten“.

Originalpublikation:
Schmitt-Hoffner F. et al. FOXR2 stabilizes MYCN protein and identifies non-MYCN-amplified neuroblastoma patients with unfavorable outcome. Journal of Clinical Oncology, 10. Juni 2021