Wechsel an der Spitze der DGE: Martin Fassnacht will Nachwuchs fördern und Endokrinologie berufspolitisch stärken6. Juli 2026 Prof. Martin Fassnacht hat das Präsidentenamt der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) übernommen. Copyright: Universitätsklinikum Würzburg Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hat einen neuen Präsidenten: Prof. Martin Fassnacht, Leiter des Lehrstuhls für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Würzburg, übernahm zum 1. Juli 2026 das Präsidentenamt. In seiner dreijährigen Amtszeit will er vor allem den endokrinologischen Nachwuchs fördern und den Anliegen der DGE berufspolitisch Gehör verschaffen. Die Endokrinologie ist für viele häufige und komplexe Erkrankungen relevant – von Diabetes mellitus, Adipositas und Osteoporose bis hin zu Erkrankungen der Schilddrüse und Nebennieren. Dennoch ist das Fach in Deutschland vergleichsweise klein: Auf 100.000 Einwohnende kommen nur 1,1 Endokrinolog:innen (wir berichteten). In den meisten europäischen Ländern sind mindestens zwei, teilweise bis zu zehn Endokrinolog:innen für die gleiche Einwohnerzahl tätig. Für Fassnacht folgt daraus ein klarer Auftrag: Die Fachgesellschaft müsse junge Ärzt:innen sowie Wissenschaftler:innen für das Fach gewinnen. Zugleich müsse sie deutlicher machen, welchen Beitrag die Endokrinologie für eine moderne, spezialisierte Versorgung leistet. Nachwuchs und Berufspolitik im Blick Ein zentrales Anliegen seiner Präsidentschaft ist die Nachwuchsförderung. „Nachwuchs für die Endokrinologie zu gewinnen, ist entscheidend für die Versorgung unserer Patient:innen“, betont Fassnacht. „Wir müssen junge Menschen früh für Hormone begeistern, sie in Klinik und Forschung fördern und ihnen zeigen, dass die Endokrinologie ein wissenschaftlich spannendes und gesellschaftlich relevantes Fach ist.“ Darüber hinaus will der neue DGE-Präsident die berufspolitische Stimme der Endokrinologie stärken. Viele endokrinologische Erkrankungen sind komplex, verlaufen chronisch und erfordern Zeit, spezialisiertes Wissen und eine enge Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen. Gerade diese sprechende und koordinierende Medizin sind bisher im Gesundheitssystem nicht ausreichend abgebildet. „Wir müssen deutlicher zeigen, welchen Beitrag unser Fach für die Versorgung von Patient:innen leistet – in Kliniken, Praxen, Forschungseinrichtungen und in der interprofessionellen Zusammenarbeit“, betont Fassnacht. Dazu gehöre auch, politische Reformen im Gesundheitswesen aus endokrinologischer Perspektive zu begleiten und sich aktiv einzubringen. Ziel müsse es sein, spezialisierte endokrinologische Versorgung langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln. Mit positivem Blick nach vorn Für seine Amtszeit setzt Fassnacht nicht allein auf einzelne Projekte, sondern auch auf den Zusammenhalt in der endokrinologischen Fachgemeinschaft: Er möchte sich dafür einsetzen, dass die DGE eine breite wissenschaftliche Heimat für alle ist, die sich mit Hormonen beschäftigen – Ärzt:innen, Forschende, Endokrinologie-Assistent:innen, Diabetes- und Ernährungsberater:innen sowie weitere Berufsgruppen. „Gute Endokrinologie entsteht im Team“, so Fassnacht. „Als Fachgesellschaft müssen wir all diejenigen einbinden, die dieses Fach klinisch, wissenschaftlich und praktisch voranbringen.“ Dank an den scheidenden Präsidenten Mit dem Amtswechsel endet die Präsidentschaft von Prof. Jan P. Tuckermann. Die DGE dankt ihm für sein großes Engagement und die Impulse, die er in den letzten vier Jahren seiner Amtszeit für die Fachgesellschaft gesetzt hat, unter anderem in der Nachwuchsförderung, der stärkeren Implementation der Grundlagenwissenschaften und der erweiterten Aktivitäten der Berufspolitik. „Professor Tuckermann hat die DGE mit hoher fachlicher Kompetenz, großer Verlässlichkeit und viel Einsatz vertreten“, sagt Fassnacht. „Ich freue mich darauf, auf dieser Arbeit aufzubauen und die DGE gemeinsam mit dem Präsidium, den Sektionen, Arbeitsgemeinschaften und Mitgliedern weiterzuentwickeln.“ Weitere Wechsel im DGE-Vorstand Neben dem Präsidenten gibt es weitere Wechsel im Vorstand: Prof. Nicole Bechmann wird naturwissenschaftliche Vizepräsidentin und löst damit Prof. Nicole Reisch ab. Prof. Jochen Seufert wird erneut seine Rolle als klinischer Vizepräsident wahrnehmen. Prof. Marcus Quinkler und Dr. Linus Haberbosch sind künftig als berufspolitische Sprecher tätig, die Amtszeit von Dr. Beate Schöfl-Siegert und Prof. Martin Pfohl als berufspolitische Sprecher endet somit. Zur Person Prof. Martin Fassnacht leitet den Lehrstuhl für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Würzburg. Er studierte Humanmedizin an der Universität des Saarlandes und an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Bereits in seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit Erkrankungen der Nebenniere. Nach klinischer und wissenschaftlicher Tätigkeit in Würzburg absolvierte er einen Forschungsaufenthalt an der Duke University in Durham, North Carolina, USA. 2012 wurde er auf eine Professur für Innere Medizin und Endokrinologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München berufen. 2014 kam er als Nachfolger seines Mentors Prof. Bruno Allolio zurück an das Universitätsklinikum Würzburg und wurde dann zum W3-Professor für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie und Leiter des geschaffenen Lehrstuhls ernannt. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen unter anderem auf endokrinen Tumoren, Erkrankungen der Nebenniere und Hypophyse sowie Adipositas. Fassnacht war und ist in zahlreichen nationalen und internationalen Fachgesellschaften aktiv. Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet.
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