Weibliche Fledermäuse jagen in asynchronen Timeslots6. März 2026 Wasserfledermaus bei der Jagd (Symbolbild) Foto: © AGAMI – stock.adobe.com In neu besiedelten Gebirgsregionen des italienischen Apennins wechseln sich weibliche Wasserfledermäuse bei der Jagd ab, anstatt gleichzeitig zu jagen. Diese zeitliche Aufteilung hilft den Fledermäusen, Konkurrenz zu vermeiden, wie eine Studie belegt. Ein Forschungsteam der Universität Neapel Federico II, des Museums für Naturkunde Berlin und mehrerer internationaler Partnerinstitutionen verfolgte weibliche Wasserfledermäuse (Myotis daubentonii) mithilfe von Radiotelemetrie entlang eines 10 Kilometer langen Abschnitts des Oberlaufs des Flusses Sangro im Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise in Zentralitalien. Die gebirgige Flusslandschaft befindet sich zwischen etwa 800 und 1100 Metern über dem Meeresspiegel. Sie wurde erst vor kurzem von reproduktiv aktiven Weibchen besiedelt, da die Art als Reaktion auf die Klimaerwärmung ihr Verbreitungsgebiet hangaufwärts verlagert. Die Studie zeigt, dass diese zeitliche Aufteilung den Fledermäusen hilft, Konkurrenz zu vermeiden. Möglicherweise ist sie entscheidend für ihr Überleben am kalten Rand einer klimabedingten Erweiterung ihres Verbreitungsgebietes. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Global Ecology and Conservation“ veröffentlicht. Wasserfledermäuse stellen sich räumlich und zeitlich auf Klimawandel ein „Unsere Studie zeigt, dass weibliche Wasserfledermäuse an vorderster Front des Klimawandels nicht nur bergauf wandern, sondern auch ihren Lebensraum zeitlich aufteilen“, sagt die Hauptautorin Chiara Belli von der Universität Neapel Federico II und dem Museum für Naturkunde Berlin. „Anstatt gemeinsam nach Nahrung zu suchen, wechseln sich die Weibchen ab. Sie besuchen zwar dieselben ergiebigen Futterplätze, aber selten gleichzeitig.“ Das Team fand heraus, dass die Weibchen ihre Aktivität auf wenige bevorzugte Jagdgebiete konzentrierten. Die meisten Fledermäuse nutzten wiederholt nur ein bis fünf Futterplätze. Sie verbrachten mindestens 75 Prozent ihrer Jagdzeit an ihren beiden am häufigsten aufgesuchten Orten. Das ist ein deutlicher Beweis für starke Standorttreue und Vertrautheit mit bestimmten Futterplätzen. Die gleichzeitige Nutzung desselben Futterplatzes war selten. Besenderte Weibchen konnten dabei beobachtet werden, wie sie sich über denselben Flussabschnitten abwechselten. Dabei wichen die Flugrouten der einzelnen Fledermäuse zeitlich genau voneinander ab. Das Beste aus schwierigen Lebensbedingungen rausholen „An diesen hochgelegenen Standorten ist das Insektenangebot begrenzt und die Nächte können kalt sein, was insbesondere für laktierende Weibchen mit hohem Energiebedarf problematisch ist“, erklärt Hauptautor Danilo Russo von der Universität Neapel Federico II und dem Museum für Naturkunde Berlin. „Indem die Weibchen ihre Besuche zeitlich staffeln und immer wieder zu bekannten Gebieten zurückkehren, scheinen sie die kostspielige Konkurrenz zu reduzieren und das Beste aus dieser schwierigen Umgebung zu machen.“Doch die geschlossene Ufervegetation entlang des Sangro-Flusses bietet nicht nur Schlaf- und Jagdplätze. Sie dient auch als grüner Korridor, der es den Weibchen ermöglicht, höhere Lagen zu besiedeln. Frühere Arbeiten desselben Teams zeigten, dass dieser bewaldete Flusskorridor für die Ausbreitung der Wasserfledermaus in höhere Lagen unerlässlich war. Die neue Studie zeigt nun, wie das Verhalten diese Ausbreitung feinabstimmt, indem es möglicherweise die Konkurrenz am Rand des Verbreitungsgebiets verringert.
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