Weitere 2,6 Millionen Euro für Psilocybin-Depressionsstudie

Sogenannnte Magic Mushrooms sollen bei therapieresistenten Depressionen helfen. (Quelle: Sergei Tokmakov, Esq. https://Terms.Law – Pixabay)

Die EPIsoDE-Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Psilocybin in der Depressionstherapie erhält eine zusätzliche Förderung von knapp 2,6 Millionen Euro. Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim will damit gemeinsam mit Partnern die Psychedelika-unterstützte Psychotherapie weiter voranbringen.

Psilocybin, der Wirkstoff aus sogenannten Zauberpilzen, zählt zu den Psychedelika. Diese Substanzen können die Wahrnehmung, das emotionale Erleben und das Bewusstsein tiefgreifend verändern. Dies macht sie für die Behandlung psychischer Erkrankungen interessant. Pilotstudien haben gezeigt, dass Psilocybin eine schnell eintretende und langanhaltende Wirkung bei Depressionen, Angststörungen und Substanzgebrauchsstörungen haben kann. Daher gilt der Wirkstoff als vielversprechend, um Patienten mit Depressionen zu helfen, bei denen andere Behandlungsmöglichkeiten erfolglos ausgeschöpft wurden.

Doch bislang fehlt eine umfassende Evidenz für die Wirksamkeit von Psilocybin bei therapieresistenten Depressionen. Um dies zu ändern und das Potenzial von Psilocybin genauer zu erforschen, ist im Jahr 2021 eine der weltweit größten Studien in diesem Bereich in Mannheim und Berlin gestartet. Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim koordiniert die Studie, die zusammen mit den Partnern Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie der MIND Foundation in Berlin durchgeführt wird.

Knapp 2,6 Millionen Euro für weitere Forschung

Die nun bewilligte zusätzliche Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) von knapp 2,6 Millionen Euro (knapp 2,3 Mio. Euro gehen nach Mannheim, ca. 300.000 Euro nach Berlin) ermöglicht es, weiteren wichtigen wissenschaftlichen Fragestellungen nachzugehen. So sollen etwa Biomarker der Teilnehmenden im Blut oder in Gewebeproben gemessen werden. Das Team um Prof. Gerhard Gründer erhofft sich davon weitere Hinweise darauf, wer von der psychedelischen Behandlung in welchem Ausmaß profitieren kann. Aber auch Studien zur Kosteneffektivität der Psychedelika-unterstützten Psychotherapie oder zur Akzeptanz dieser Art von Therapie bei Therapeuten, Kostenträgern und der Bevölkerung sind nun geplant.

„Diese neue Förderung durch den Bund trägt der potenziellen Bedeutung der Psychedelika-unterstützten Psychotherapie als innovative und vielversprechende Therapieform Rechnung“ sagt Gründer, Leiter der Studie und zugleich Leiter der Abteilung Molekulares Neuroimaging am ZI.

Zwei Psilocybin-Sitzungen im Abstand von sechs Wochen

Die ersten Ergebnisse werden im Herbst 2023 erwartet. An der Studie können 144 Patientinnen und Patienten mit Depressionen im Alter von 25 bis 65 Jahren teilnehmen, bei denen andere Therapien nicht oder nicht mehr wirksam sind. Die Behandlung erfolgt in zwei zirka sechsstündigen Psilocybin-Sitzungen im Abstand von sechs Wochen. Hinzu kommen insgesamt drei vorbereitende Sitzungen sowie vier Integrationssitzungen, bei denen die Psilocybin-Erfahrungen mit therapeutischer Unterstützung in den persönlichen Lebenskontext eingebettet werden. In den Psilocybin-Sitzungen erhalten die Teilnehmenden entweder 5 oder 25 mg Psilocybin oder ein Placebo. Nach sechs und zwölf Monaten erfolgt jeweils eine Kontrolluntersuchung, um die langfristigen Effekte zu erfassen.

Efficacy and safety of psilocybin in treatment-resistant major depression (EPIsoDE)

Bi-zentrische, randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Phase-II-Studie zur Untersuchung von Wirksamkeit und Sicherheit von 25 mg oralem Psilocybin im Vergleich mit 5 mg oralem Psilocybin (vermutlich nicht wirksame Kontrolldosis) oder 100 mg Nicotinamid (aktives Placebo), verabreicht in einem unterstützenden Setting bei therapieresistenter Depression

Die Studie wurde von einem internationalen Gutachtergremium dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zur Förderung empfohlen und wird durch die gemeinnützige MIND Foundation finanziell und personell unterstützt. Studienstart war Juni 2021.