Weltkrebstag 2026: Warum Deutschland Schlusslicht bei klinischen Studien ist4. Februar 2026 Bild: ©bluedesign – stock.adobe.com Anlässlich des heutigen Weltkrebstages macht das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) gemeinsam mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) auf die zentrale Bedeutung klinischer Studien aufmerksam – und auf die zahlreichen Hürden, die ihren Weg in die klinische Anwendung bremsen. „Klinische Studien sind der Motor des medizinischen Fortschritts“, unterstreicht Prof. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ und Sprecher des Lenkungsausschusses des NCT. „Damit Innovationen bei den Patientinnen und Patienten ankommen, müssen Studien schneller und einfacher umsetzbar werden.“ Prof. Michael Hallek, ebenfalls Sprecher des Lenkungsausschusses des NCT, ergänzt: „Im Vergleich mit zehn anderen westlichen Industrienationen liegt Deutschland bei der Zahl umgesetzter Studien* auf dem letzten Platz. Strukturen wie das NCT sind entscheidend, um diese bundesweit zu bündeln und zu beschleunigen.“ NCT bietet optimale Infrastruktur Genau hier setze auch das NCT an, so Hallek weiter. Das 2023 erweiterte NCT mit seinen nunmehr sechs Standorten bietet eine optimale Infrastruktur, um onkologische klinische Studien zu planen und durchzuführen und Menschen in ganz Deutschland einen gerechteren Zugang zu ermöglichen – unabhängig von Bildungsgrad, Wohnort oder sozialem Hintergrund. Die Erweiterung des NCT wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs gefördert. Das DKFZ ist Träger an allen NCT Standorten und schafft gemeinsam mit weiteren 27 Partnern, darunter 11 Universitätsklinika, die strukturellen Voraussetzungen für eine starke klinische Krebsforschung in ganz Deutschland. Ein Marathon mit vielen Hürden Die Planung und Umsetzung klinischer Studien ist ein langwieriger Prozess. „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon mit vielen Hürden“, sagt Dr. Julia Ritzerfeld, Leiterin des Clinical Trial Office am DKFZ. Zu diesen Hürden zählen viele bürokratische und juristische Anforderungen sowie die oft schwierige Finanzierung – das alles unter Einhaltung sowohl internationaler, nationaler als auch föderaler Regularien. Daher brauche es Menschen mit Ausdauer: „Klinische Studien erfordern Wissenschaftler mit großem Durchhaltevermögen und hoher Frustrationstoleranz.“ Zum einen gibt es viele unterschiedliche Ethikkommissionen gibt, die Studien genehmigen müssen − da Gesundheit Ländersache ist. Erst seit vergangenem Sommer gebe es für besonders innovative und komplexe Studien eine zentrale Ethikkommission, heißt es in einem Bericht der „Tagesschau“ zu diesem Thema. Zum anderen auf Bundesebene statt einer zentralen Behörde in Deutschland gleich drei Institutionen grünes Licht für eine Studie geben: das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das Paul-Ehrlich-Institut und das Bundesinstitut für Strahlenschutz. Die Folge der vielen Hürden: Trotz der gleichen gesetzlichen Vorgaben wie beispielsweise Spanien oder Dänemark finden hierzulande deutlich weniger Studien statt, heißt es in dem „Tagesschau“-Bericht weiter: 192 Studien zu neuen Arzneimitteln/Million Einwohner in Dänemark 33 in Deutschland. Klinische Forschung aus ärztlicher Sicht Wie stark klinische Forschung von verlässlichen Strukturen profitiert, bestätigt auch Dr. Mirco Friedrich, Leiter der Nachwuchsgruppe Hämatologie und Immune Engineering am DKFZ und Leiter der klinischen Prüfung einer NCT Brückenstudie: „Klinische Studien sind sehr aufwendig und kostenintensiv. Noch dazu ist der regulatorische Aufwand in Deutschland im Vergleich zu den USA oder auch zu europäischen Nachbarn besonders hoch.“ Strukturen wie das NCT erleichterten die Planung, Koordination und Durchführung klinischer Studien erheblich, betonte der Wissenschaftler und Arzt. Patientenperspektive: Zwischen Hoffnung und Vorbehalten Welche Bedeutung klinische Studien für Betroffene haben, macht Max Heller vom Patientenforschungsrat NCT West deutlich. „Eine Studienteilnahme kann helfen, aus der empfundenen Machtlosigkeit wieder in die eigene Entscheidungsfähigkeit zurückzukehren“, so Heller. Gleichzeitig gebe es bei vielen Patientinnen und Patienten Vorbehalte gegenüber einer Teilnahme an Studien, die häufig aus veralteten Vorstellungen von Krebs und Forschung resultierten. Hinzu komme, dass insbesondere umfangreiche und schwer verständliche Datenschutzinformationen abschreckend wirkten. Klinische Studien müssten daher politisch höher priorisiert werden: „Sie brauchen ein Blaulicht – damit lebensrettende Forschung nicht an roten Ampeln wie dem Datenschutz stehen bleibt.“ Klinische Studien ermöglichen Fortschritt Zum Weltkrebstag appellieren DKFZ und NCT, weiter daran zu arbeiten, dass Deutschland als Standort für klinische Studien wieder attraktiver wird. Dazu ist ein konsequenter Bürokratieabbau, die weitere Verschlankung der Regulatorik und die Schaffung effizienter klinischer Infrastrukturen dringend erforderlich. Denn nur so kann medizinischer Fortschritt dort ankommen, wo er zählt – bei den Patienten. *gemessen an der Studienzahl pro Einwohner; Quelle: Studie von vfa und Kearney „Pharma-Innovationsstandort Deutschland“, 2023 https://www.vfa.de/download/vfa-kearney-pharma-innovationsstandort-deutschland.pdf
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